Kritik von Sozialverbänden

Asyl: Neuer Unmut über Seehofer

München - Nur eine Woche nach dem harmonischen Asylgipfel gibt es wieder Streit zwischen Sozialverbänden und Staatsregierung. Das Kabinett beschloss gestern, nur in Erstaufnahmeeinrichtungen neue Stellen für die Asylsozialberatung zu schaffen.

Alle Verbände kritisierten dies daraufhin als ungenügend. „Horst Seehofer bricht das Versprechen, das er auf dem Asylgipfel in der letzten Woche gegeben hat“, sagte der Landesvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt, Thomas Beyer. Es bleibe bei „Lippenbekenntnissen“.

Bis Jahresende sollen bayernweit rund 6000 Menschen in den Erstaufnahmeeinrichtungen leben. Da künftig ein Schlüssel von 100 Asylsuchenden pro Betreuer gelten soll, müssten 60 Sozialpädagogen zur Verfügung stehen, die den oft traumatisierten Ankömmlingen in den deutschen Alltag helfen. Derzeit gibt es 18 solche Stellen. Für die neuen 42 will der Freistaat 2,3 Millionen Euro in die Hand nehmen.

Die Sozialverbände kritisieren, dass die dauerhaften Unterkünfte ausgespart werden. „Wir erwarten uns Verbesserungen für die Nachfolgeeinrichtungen: In Gemeinschafts- und dezentralen Unterkünften sollte der Schlüssel bei eins zu 150 liegen, faktisch kommen aber oft bis zu 200 Menschen auf einen Berater“, sagte Landes-Caritas-Direktor Bernhard Piendl. Günther Bauer, Vorstand der Inneren Mission München, sprach zwar von einem Schritt in die richtige Richtung. „Aber es ist nicht alles erfüllt, was sich die Träger vorstellen.“

Staatskanzleichef Marcel Huber (CSU) wollte nach der Kabinettssitzung weitere Nachbesserungen nicht ausschließen, verwies aber auf die Haushaltssituation. Bei den Verbänden kann er damit nicht punkten. „Wir brauchen die Asylsozialberatung in der Fläche“, sagt BRK-Geschäftsführer Leonhard Stärk.

Die Verbände fordern zudem, dass sich der Freistaat stärker an den Kosten beteiligt. Bislang müssen die Verbände 30 Prozent der Stellen selbst bezahlen. Mit der Ausweitung sei das nicht mehr zu leisten, so BRK-Mann Stärk. „Es handelt sich um eine staatliche Pflichtaufgabe. Die jetzige Regelung überfordert uns Verbände.“

mik/chu

Rubriklistenbild: © picture-alliance / dpa

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