Kabinett berät am Dienstag

Asyl-Problem wird Chefsache

München - Das Asyl-Problem in Bayern wird Chefsache: Das Kabinett berät Dienstag über Flüchtlings-Unterbringung, das BRK beruft einen Krisenstab ein.

Bayerns Kabinett wird sich bei seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause am Dienstag mit der dramatischen Situation in Bayerns Flüchtlingsunterkünften befassen. Das bestätigte eine Sprecherin der Staatskanzlei. Zuvor hatte es ein internes Gespräch zwischen Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und Sozialministerin Emilia Müller (CSU) gegeben. Details wurden nicht bekannt gegeben.

Derweil spitzt sich die Situation im Freistaat weiter zu. Am Mittwoch hat die Polizei in Rosenheim 105 Flüchtlinge in einem Zug aus Italien aufgegriffen. Es war der bislang größte zusammenhängende Fall. Angesichts solcher Zahlen drohte der Landrat des Kreises Roth, Herbert Eckstein (SPD), gestern sogar damit, eine leerstehende Kaserne zu beschlagnahmen.

Auch das Bayerische Rote Kreuz (BRK) spürt den wachsenden Druck. Geschäftsführer Leonhard Stärk spricht von einer „humanitären Katastrophe“. Stündlich bekomme er Mails von Orts- und Kreisverbänden mit der Bitte um Unterstützung – besonders aus Mittelfranken. Die ehrenamtlichen Einsatzkräfte kommen beim Aufbau von Zelten und der Ausgabe von Kleidung nicht hinterher. „Es ist eine Situation wie zuletzt bei der Wiedervereinigung.“ Darum hat Stärk gestern einen Krisenstab einberufen. Sechs BRK-Mitarbeiter sollen sich einen Überblick über die Brennpunkte verschaffen und die Einsätze zentral koordinieren.

Unterdessen sind in der Landeshauptstadt bei einem fünften Asylbewerber Masern diagnostiziert worden. Der 24-Jährige werde seit Freitag im Krankenhaus behandelt, so eine Sprecherin des Gesundheitsreferats. Der Fall trat jedoch nicht in der Erstaufnahmeeinrichtung Bayernkaserne, sondern in der Zweigstelle an der St. Veit-Straße (Berg am Laim) auf. Die Regierung von Oberbayern prüfe trotzdem, ob der Aufnahme- und Abverlegungsstopp in der Bayernkaserne, der bis 11. September geplant ist, verlängert werden muss, so ein Sprecher. Die freiwilligen Masern-Impfungen in der Bayernkaserne, wo 1900 Menschen leben, laufen auf Hochtouren: Seit Dienstag werden täglich rund 170 Flüchtlinge geimpft.

mm

Rubriklistenbild: © dpa

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