+
Sitzung des CSU-Vorstands

Will die CSU „nur noch das Ende“?

„Franz-Josef Strauß wäre aufgebracht“: Experte rügt CSU im Asyl-Streit - und sieht Merkels Aus nahen

  • schließen

Mehr als 20 Jahre hat sich Peter Siebenmorgen mit Franz-Josef Strauß beschäftigt. Er sieht die CSU weit von Strauß‘ Erbe entfernt - und ein „Verfallsdatum“ an Angela Merkel haften.

München/Berlin - Viel Porzellan ist in der Union in den vergangenen Tagen zerschlagen worden - im Asyl-Streit zofften sich die CSU und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bis zum Äußersten. Und noch muss das Ende der Fahnenstange nicht erreicht sein: Ob der Konflikt um Zurückweisungen an der deutschen Grenze mit Angela Merkels Verhandlungserfolgen beim EU-Gipfel (vorerst) beendet ist, wird sich wohl erst Anfang kommender Woche zeigen.

Eine düstere Prognose für die Zukunft der Fraktionsgemeinschaft und ein schlechtes Zeugnis für das Handeln der CSU stellt der Franz-Josef-Strauß-Biograf und Politikwissenschaftler Peter Siebenmorgen aus: In einem Interview mit der taz sagt er, die Spaltung der beiden Schwesterparteien sei weiter „ein mögliches Szenario“ - mit „fürchterlichen Folgen“, wie einer Zersplitterung des konservativen Lagers. Ein Mitgrund: Die CSU handle im Asyl-Streit „nicht rational“.

CSU-Basis fühlt sich zum „Deppen“ gemacht

„Es ist nicht rational, die eigene Regierungschefin zu schwächen, wenn man keine Alternative hat“, erklärt Siebenmorgen. „Seehofer, Dobrindt und Söder hantieren mit Sprengstoff. Wer das tut, nimmt die Explosion in Kauf.“ Als Grund für die harte Linie der CSU vermutet er weniger Sachfragen, denn „Emotionen und Kränkungen“.

So habe Angela Merkel in der Asylpolitik die „moralische Überlegenheit“ über die CSU für sich beansprucht - obwohl sie eigentlich längst das tue, was die CSU verlange. Die Kanzlerin habe rhetorisch klar gemacht, die Bayern seien für sie „nicht nur Deppen, sondern auch moralisch minderwertig“.

Auch interessant: Asyl-Streit hat Folgen - Söder und Seehofer stürzen in Umfrage ab

Auch die CSU-Kommunalpolitiker stünden diesmal geschlossen hinter der Parteiführung. „Sie trugen die schwerste Last, weil die Flüchtlinge in Bayern ankamen. Und sie managten die Aufnahme und Versorgung vorbildlich.“ Jetzt müssten sie sich von Seiten der Kanzlerin anhören „sie seien hinterwäldlerische Deppen“. „Die denken: Dir zeigen wir‘s.“

„Sie wollten einfach nur noch das Ende“ - geht es der CSU wie der SPD bei Helmut Schmidts Ende?

Dennoch: „Franz-Josef Strauß wäre aufgebracht“, meint Siebenmorgen mit Blick auf den aktuellen Kurs der CSU. „Strauß ließ sich auch von Emotionen treiben, aber er gab dabei nie das Denken auf. Er war ein vernunftgetriebener Multilateralist. Bei Seehofer und Co. bin ich mir da nicht mehr sicher“, sagte der Politikwissenschaftler.

Auch Franz-Josef Strauß (re.) hatte seine Konflikte mit der CDU und Helmut Kohl - hielt der Schwesterpartei am Ende aber die Stange

Möglich sei, dass sich die Partei gefühlt in einer ähnlichen Position befinde wie die SPD 1982, die damals ihren eigenen Kanzler Helmut Schmidt absägte, sagt der Politikwissenschaftler der taz. „Die hatten sich so wund gerieben, dass ihnen alles egal war. Sie wollten einfach nur noch das Ende.“ Tatsächlich sei auch das Ende Angela Merkels Kanzlerschaft nicht mehr fern: „Die CSU hat in den vergangenen Wochen vorgeführt, wie sehr ihre Macht erodiert.“

Merkels Autorität sei ramponiert, unabhängig vom Ausgang des Streits, meint Siebenmorgen. „Merkel hat im Grunde schon seit der Bundestagswahl ein Verfallsdatum am Jackett kleben. Nur der genaue Tag fehlt noch.“

Hartes Urteil: Söder habe den Sprung ins „seriöse Fach“ nicht geschafft

In die Kritik nahm Siebenmorgen auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Er habe den Eindruck, dass Söder und Landesgruppenchef Alexander Dobrindt ihren Parteichef Horst Seehofer im Streit instrumentalisieren, sagt Siebenmorgen. „Die CSUler testen ja gerne, ob ihr Kopf härter ist als die Wand, die im Weg steht“, kommentierte er süffisant. „Noch mehr Spaß macht das Spiel, wenn es nicht der eigene Kopf ist, der auf dem Spiel steht.“

Ohnehin habe Söder bisher den Schritt ins „seriöse Fach“ noch nicht geschafft. „Daran scheitert er, seitdem er Chef der Jungen Union in Bayern war. Aber irgendwann ist Schluss. Dann bleibt er halt Operettenstar“, so Siebenmorgens Urteil.

Lesen Sie auch: Seehofer setzt Merkel Frist, dann spottet er über die Kanzlerin - Ein Blick hinter die Kulissen des Asyl-Streits

fn

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

EU-Gipfel in Salzburg - Juncker rückt von seiner Linie in Migrationspolitik ab
Bei dem informellen EU-Gipfel sind 28 Staats- und Regierungschefs in Salzburg zusammen gekommen. Vor allem die Migrationspolitik und der Brexit stehen im Fokus. Im …
EU-Gipfel in Salzburg - Juncker rückt von seiner Linie in Migrationspolitik ab
Autobahn-Südring, Isarticket und wen würde Strauß wählen? Lebhafte Debatte in Taufkirchen 
Am 14. Oktober wählen die Bayern einen neuen Landtag. Mit Spannung wurde daher eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion in Taufkirchen erwartet. Merkur.de übertrug …
Autobahn-Südring, Isarticket und wen würde Strauß wählen? Lebhafte Debatte in Taufkirchen 
Journalist stürzt im Hambacher Forst von Brücke und stirbt
Seit knapp einer Woche räumt die Polizei im Hambacher Forst Baumhäuser. Am Mittwoch stürzt ein Journalist in die Tiefe und stirbt. Die Landesregierung setzt die Aktion …
Journalist stürzt im Hambacher Forst von Brücke und stirbt
Umfrage: AfD und SPD gleichauf in Brandenburg
Potsdam (dpa) - In Brandenburg liegen die AfD und die regierende SPD nach einer neuen Umfrage erstmals gleichauf. Beide Parteien kommen derzeit auf 23 Prozent, wie eine …
Umfrage: AfD und SPD gleichauf in Brandenburg

Kommentare