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Matthias Fornoff (3.v.l.) führte am Donnerstag durch die ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“.

Überraschung in Asyl-Runde

Maybrit Illner: Darum fehlte die Talkmasterin in eigener ZDF-Sendung

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Im ZDF-Talk „Maybrit Illner“ fehlte am Donnerstagabend ausgerechnet die Gastgeberin. Der Grund ist ein trauriger. Ihr Ersatzmann machte seine Sache souverän.

Berlin - „Merkel kämpft um ihre Macht - Letzte Hoffnung Europa?“, ist der Titel der ZDF-Sendung am Donnerstagabend bei „Maybrit Illner“. Wer fehlt, ist allerdings die Gastgeberin selbst.

Wie der Twitterkanal der Talkmasterin mitteilte, moderiert ausnahmsweise Matthias Fornoff, da Maybrit Illner einen Trauerfall in der Familie zu beklagen hat. Auf Nachfrage unserer Redaktion wollte sich das ZDF nicht näher dazu äußern.

Fornoff, Leiter der Redaktion „Politik und Zeitgeschehen“ im ZDF und sonst vom Politbarometer oder aus Wahlsendungen bekannt, machte seine Sache souverän. In seiner Begrüßung ging er kurz und knapp darauf ein: „Guten Abend und herzlich Willkommen. Maybrit Illner hat leider einen Trauerfall in der Familie, deshalb führe ich Sie heute durch unsere Sendung.“

Maybrit Illner: Ex-SPD-Chef Schulz zeigt sich mal wieder öffentlich

Unter dem Tweet sprachen Illner viele User ihre Anteilnahme aus: „Mein tiefes Mitgefühl gilt ihrer Familie., „Meine innige und aufrichtige Anteilnahme!“ oder „Mein Herzliches Beileid! Viel Kraft und die Besten Wünsche.“ Um wen es sich bei dem Trauerfall handelt, ist noch nicht bekannt.

Maybrit Illner fehlte am Donnerstag in ihrer ZDF-Talkshow.

Zu Gast war übrigens auch Ex-SPD-Chef Martin Schulz. Es war sein erster großer öffentlicher Auftritt nach seinem Rücktritt vom Parteivorsitz und vom designierten Außenministerposten. Zudem lud Illners Redaktion  Volker Bouffier, CDU-Mann, Merkel-Unterstützer und Hessen-Ministerpräsident, CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt, Karin Kneissl, Österreichs Außenministerin und Tonia Mastrobuoni, Korrespondentin der italienischen Tageszeitung „La Repubblica“ in Berlin.

Außerdem sprach Fornoff in der Sendung mit Christian Hruschka, Jurist am Münchener Max-Planck-Institut für Sozialrecht, über die Legalität des CSU-Masterplans. Und der versetzte Dobrindt und Co. einen vermeintlichen Dämpfer: „Die Zurückweisung von Flüchtlingen ist europarechtswidrig.“ Im Umkehrschluss bedeutet das: Auch wer aus Italien kommt und dort registriert wurde, muss an der deutschen Grenze reingelassen werden. Punkt für Merkel.

Doch einer will das nicht wahrhaben: Dobrindt verdreht die Augen: „Manchmal reicht gesunder Menschenverstand. Auf das Asylrecht kann sich keiner berufen, der aus einem anderen europäischen Land kommt.“

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Im Grunde kein aufregender Talk, weil alles, was gesagt wird, irgendwo in den vergangenen Tagen schon einmal gesagt wurde. Bouffier will, „dass die Union zusammenbleibt. Man muss besonnen bleiben und darf sich nicht wechselseitig überfordern.“ Sein Ansatz: Die europäische Lösung, wie Merkels Plan lautet. An Dobrindt gewandt, meint er: „Deutsche Interessen sind europäische Interessen. Das kann man nicht in zwei Wochen regeln. Ein Ultimatum kann es nicht geben.“

Illners Ersatzmann fragt: „Wer wird in hundert Tagen in Deutschland regieren?“

SPD-Mann Schulz schlägt sich auf seine Seite, findet, Merkel sei auf einem guten Weg. Er wettert gegen die Ost-Europäer um Ungarns Regierungschef Victor Orban, die partout nicht an einer europäischen Flüchtlingslösung mitwirken wollen: „Ihr Freund“, schimpft er Richtung Dobrindt, weil die CSU Orban schon mehrmals nach Bayern lud.

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Dobrindt ist beinahe ungewöhnlich zahm an diesem Abend: „Es geht nicht um eine Person, wir wollen das Problem mit der Kanzlerin gemeinsam lösen.“ Aber Streit habe schon häufig zu guten Lösungen geführt.

Zum Schluss will Fornoff von Bouffier, Dobrindt und Schulz wissen: „Wer wird in hundert Tagen in Deutschland regieren?“

Schulz antwortet mit einer Spitze gen CSU: „Diese Koalition. Wenn in hundert Tagen die Landtagswahl in Bayern vorbei ist, dann wird Deutschland zur Vernunft zurückkehren können.“ Bouffier: „Ich will eine stabile Regierung mit diesen drei Parteien. Wir haben eine Menge zu tun.“ Dobrindt antwortet erst auf Nachfrage Schulz‘: „Alles bleibt, wie es ist: wir wollen eine stabile Regierung.“

Dann hatte es auch Fornoff geschafft - in souveräner Manier.

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