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Mit ihrer Rhetorik hat die AfD längst die politische Sprache beeinflusst.

Sprache als Kampfplatz

Asyl-Tourismus oder Fake News – Wie brachiale Sprache das politische Denken beeinflusst

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Sprache ist mächtig, sie ist manipulativ und kann das Denken von Menschen lenken. In der Politik wird brachiale Sprache als Machtmittel eingesetzt, gerade von Rechtspopulisten.   

München – Irgendwann im Wahlkampf schuf Donald Trump eine mächtige Waffe. Sie bestand aus zwei Worten: „crooked Hillary“, was so viel bedeutet wie „verbrecherische Hillary“. Er wiederholte diese Worte immer wieder, bei Reden, in Interviews, bei Twitter. Und langsam setzten sie sich in den Köpfen der US-Wähler fest, wurden zur Formel, zum Etikett. Bald hatten selbst Anhänger von Trumps demokratischer Kontrahentin Hillary Clinton es schwer, ihren Namen ohne das Wörtchen „crooked“ zu denken. Clinton, die Verbrecherin. Trump nennt sie noch heute so.

Sprache ist mächtig - aber ein Wort sagt mehr

Sprache ist mächtig, sie ist manipulativ und kann das Denken von Menschen lenken. Das weiß nicht nur Donald Trump, dem es zumindest teilweise auch gelungen ist, seriöse Medien mit dem Stichwort „Fake News“ zu diskreditieren. An sich ist der Einsatz von Sprache als politischer Waffe nicht neu, aber er ist vor allem durch populistische Bewegungen aggressiver geworden – auch in Deutschland. Kürzlich bezeichnete AfD-Chef Alexander Gauland Hitler und die Nazis als „Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“. Ein Fauxpas? Wohl eher nicht.

„Die AfD hat den Duktus der politischen Sprache eindeutig zu ihren Gunsten verändert“, sagt Johannes Hillje, Politikberater und Autor des Buchs „Populismus 4.0“. Seine These: Gerade Rechtspopulisten schaffen durch ihre „extreme Sprache eine ganz bestimmte Version der Wirklichkeit“.

Was bedeutet „Framing“?

Das Schema ist immer gleich: Es wird ein Wort in die Welt gesetzt, das seine Deutung gleich mitliefert. Beispiel: System- oder Altparteien. Damit sind die etablierten politischen Kräfte wie Union, SPD, Grüne und so weiter gemeint. Aber das Wort sagt mehr. „Es weckt die Assoziation eines homogenen, in sich klüngelnden Apparats, der schädlich für das eigene Volk ist“, sagt Hillje. So ändert sich – unterbewusst – der Blick auf die Dinge. Der Fachbegriff dafür heißt „Framing“.

Das Wort Altparteien – das übrigens schon Joseph Goebbels nutzte, um die Weimarer Parteien zu diskreditieren – ist nur eines von unzähligen Beispielen: Weit verbreitete Medien werden zu Mainstreammedien oder Lügenpresse, kritische Berichterstattung zur Zensur, Flüchtlingshelfer zu Gutmenschen, Asylsuchende zu Invasoren, viele Flüchtlinge zur Welle, zur Flut oder zum Tsunami und so weiter. Solche Naturmetaphern sind beliebt, in ihnen schwingt die Katastrophe gleich mit.

„Der Diskurs rutscht nach rechtsaußen weg“

Wie weit es dieses Muster schon in den politischen Normalbetrieb geschafft hat, zeigt das jüngste Beispiel. Vor einigen Tagen platzierte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) in den Tagesthemen den Begriff Asyl-Tourismus, verbunden mit der Forderung, ihn zu beenden. Damit implizierte er, das Recht auf Asyl sei ein gut laufendes Geschäft, quasi das Gegenstück zur „Anti-Abschiebe-Industrie“, die Alexander Dobrindt diagnostiziert hatte. Die Kritik war laut und heftig, aber Hilljes Diagnose bleibt: „Der Diskurs rutscht nach rechtsaußen weg.“

Gelegentlich schaffen es diese Worte sogar in seriöse Medien. Eine Nachrichtenagentur verwendete kürzlich etwa „Altparteien“ als Synonym für Union, SPD und Co. Das war neutral gemeint, aber der negative Klang blieb. Thomas Niehr, Sprachwissenschaftler in Aachen, spricht von einer „Normalisierung problematischer Begriffe, die oft brisanter sind, als man denkt“. Auch deutschen Talkshows flog das Thema kürzlich um die Ohren. Kritiker mahnten an, Flüchtlinge würden in den Fragen oft als kriminell, der Islam als generelles Problem dargestellt.

Aber was hilft? Niehr glaubt, schon im Schulunterricht müsste über die manipulative Kraft von Worten aufgeklärt werden. Hillje sagt, Politiker müssten es künftig schaffen, eine „eigene, positive Sprache für ihre Agenda zu finden“, quasi als Gegengewicht. Wie schwierig das ist, zeigt das Beispiel USA, wo die Demokraten noch immer um eine Antwort auf das Phänomen Trump ringen. Es wird ein hartes Stück Arbeit, den Kampfplatz Sprache wieder zu verlassen.

Marcus Mäckler

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