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Aus ganz Bayern waren Helferkreis-Mitglieder nach München gekommen.

Rund 160 Teilnehmer 

Asylgipfel in München: Ehrenamtliche Helfer wollen mehr Wertschätzung

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Rund 160 Teilnehmer formulieren beim ersten gesamtbayerischen Asylgipfel ihre Wünsche an die Politik. Vor allem wünschen sich die ehrenamtlichen Helfer mehr Wertschätzung.

München – Als der junge Afghane im Saal der Benediktinerabtei St. Bonifaz in München das Wort ergreift, fühlen sich viele der ehrenamtlichen Helfer, als spräche er ihnen aus der Seele. Er befinde sich in der Ausbildung, sagt der Mann, sein Chef sei mit ihm zufrieden, aber er habe keine Chance, an einen Pass zu kommen. Und deshalb drohe im die Abschiebung. „Bitte helft mir!“

Jost Herrmann, evangelischer Pfarrer in Schongau und Mitorganisator des ersten gesamtbayerischen Asylgipfels, erzählt von dem jungen Afghanen, weil er für ihn kein Einzelfall ist, sondern symbolisch steht für das, was aus Sicht der Helferkreise in der Politik falsch läuft. Gut integrierte Menschen, die für sich selbst sorgen wollen, können schon bald in einem der Abschiebeflüge sitzen, von denen am Mittwochmorgen erst wieder einer aus München in Kabul eingetroffen ist. An Bord waren 17 abgelehnte Asylbewerber.

Asylgipfel in München: Ehrenamtliche Mitarbeiter ergreifen das Wort

An Aktualität gewann die Diskussion der Helfer, die bis aus Franken angereist waren, mit der Einigung des Bundeskabinetts vom Dienstag über die Eckpunkte eines Zuwanderungsgesetzes und mehr Chancen für geduldete Asylbewerber auf Arbeit. Gerade Letzteres ist ein Punkt, der den Helferkreisen schon lange ein Anliegen war. „Wir stehen voll hinter dem Spurwechsel. Auch nichtanerkannte Asylbewerber müssen eine Chance auf Arbeit haben“, sagt Jost Herrmann. Zudem müssten die Unternehmen mehr Verantwortung bekommen bei der Auswahl ihrer Arbeitskräfte – ohne dass ihnen die Ausländerbehörde einen Strich durch die geplante Einstellung mache. Und auch Menschen mit schlechter Bleibeperspektive müssten die Möglichkeit bekommen, an einem Sprachkurs teilzunehmen. „Außerdem müssen diese Kurse differenzierter werden.“ Es mache keinen Sinn, dass Hochschulabgänger im selben Kurs sitzen wie Analphabeten. Und zuletzt die Sache mit dem Pass, wie von dem jungen Afghanen beschrieben: „Die Behörden müssen auch andere Dokumente anerkennen“, sagt Herrmann. Manchmal sei der Pass schlicht nicht zu bekommen.

Dies sind einige der Punkte, die von den Helfern immer wieder angesprochen würden, sagt Herrmann. Das ist auch eine Erkenntnis des ersten gesamtbayerischen Asylgipfels: „Die Probleme sind nahezu überall dieselben.“ Ihre Anregungen an die Politik wollen Bayerns Helfer nun in ein gemeinsames Papier gießen und nach der Landtagswahl an die neue Staatsregierung überreichen.

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Wunsch nach Veränderung: „Sehen einen Spielraum und den wollen wir nutzen.“

Mit der neuen Legislaturperiode verbinden viele Helfer auch den Wunsch nach einer Veränderung in der Asylpolitik. „Eine Zeit lang waren viele wie gelähmt, weil sich so wenig getan hat“, sagt Herrmann. Aber nach dem Gipfel habe er den Eindruck, dass nicht der Frust überwiege, sondern der Wille, positiv zu gestalten. „Wir sehen einen Spielraum und den wollen wir nutzen.“ Denn darum geht es den Helfern vor allem: Sie wollen ihre praktische Expertise einbringen. Sie wollen gehört und ernstgenommen werden.

Dass der unermüdliche Einsatz zum Erfolg führe, macht Herrmann auch an einem ganz anderen Aspekt fest: „Aus den Helferkreisen wurde berichtet, dass Rechtsradikalismus in kaum einem Landkreis eine Rolle spielt.“ Dies liegt laut Herrmann auch an der Arbeit der Helferkreise: „Dort sind viele Sympathieträger tätig.“ So habe man den Rechten keine Lücke gelassen. Und das wollen sie auch weiterhin nicht tun.

Lesen Sie hier alle Neuigkeiten zur Flüchtlingspolitik im News-Ticker.

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