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Alexis Tsipras (l) empfängt Recep Tayyip Erdogan. Foto: Aristidis Vafeiadakis

Historisches Treffen

Athen und Ankara wollen Differenzen überwinden

Politisch-diplomatisches Wechselbad: Noch nie haben Griechen und Türken so offen über ihre Probleme gesprochen wie beim Treffen von Tsipras und Erdogan in Athen. Können die beiden Länder ihre Differenzen überwinden?

Athen (dpa) - Athen und Ankara wollen trotz zahlreicher Streitigkeiten um Hoheitsrechte in der Ägäis versuchen, die Spannungen zwischen ihren Ländern mithilfe vertrauensbildender Maßnahmen abzubauen.

Doch aller guten Vorsätze zum Trotz geriet die Kommunikation am Donnerstag in Athen zu einem politisch-diplomatischen Wechselbad der Gefühle. Das Treffen des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan mit dem griechischen Regierungschef Alexis Tsipras war sowohl von Zugeständnissen als auch Unnachgiebigkeit geprägt.

"Wir haben uns darauf geeinigt, Gespräche über vertrauenbildende Maßnahmen aufzunehmen", erklärte Tsipras nach dem Gespräch mit Erdogan vor Journalisten. Der türkische Staatspräsident ging sogar noch weiter und erklärte, die Türkei stelle keine territorialen Forderungen an Griechenland.

Dennoch soll nach Erdogans Ansicht der seit 1923 geltende "Vertrag von Lausanne" aktualisiert werden, durch den die Hoheitsrechte und die Meeresgrenzen in der Ägäis definiert werden. Es gebe zwar zahlreiche Differenzen, doch diese könnten überwunden werden, wenn man sich "darauf konzentriert, das Glas halb voll zu sehen", sagte Erdogan und fügte hinzu: "Heute erleben wir wirklich einen historischen Tag". Es war der erste Besuch eines türkischen Staatsoberhaupts seit 1952 in Griechenland.      

Tsipras erklärte, Athen sei für eine weitere Annäherung der Türkei an die EU: "Das ist von strategischer Bedeutung". Die Türkei müsse aber demokratische Reformen in die Tat umsetzen. Im Mittelpunkt der Gespräche standen darüber hinaus die Flüchtlingskrise und die Zypernfrage sowie andere bilaterale, zum Teil durchaus kritische Themen.

So forderte Erdogan erneut, die griechische Justiz solle ihren Beschluss überdenken, acht türkische Militärs nicht wie von der Türkei gefordert auszuliefern. Die Offiziere waren nach dem Putsch gegen Erdogan im Juli 2016 nach Griechenland geflüchtet. Der höchste griechische Gerichtshof hatte den Auslieferungsantrag Ankaras im Mai dieses Jahres abgewiesen. Tsipras hingegen verwies auf die Unabhängigkeit der griechischen Justiz.

Absolut einig waren sich Tsipras und Erdogan immerhin darin, dass der wechselseitige Tourismus die beiden Länder zunehmend verbinde. Entsprechend wertete Tsipras eine geplante Fährverbindung zwischen den Ägäis-Metropolen Thessaloniki und Izmir als eine der künftigen "vertrauensbildenden Maßnahmen". Auch eine Schnellbahnverbindung zwischen Thessaloniki und Istanbul ist geplant, mit dem Ziel, die einst verfeindeten Länder einander näher zu bringen.

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