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Ukraine-Krieg: Russland kontrolliert zwei AKWs - Auch Verbindung zu zweiter Anlage bricht ab

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Von: Andreas Schmid

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Russland kontrolliert im Ukraine-Krieg zwei Atomkraftwerke. Tschernobyl ist vom Strom abgeschnitten, in Saporischschja sollen Mitarbeiter „gefoltert“ werden. Nun bricht auch hier die Verbindung ab.

Update vom 10. März 2022: Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat nach Tschernobyl auch die Verbindung zum größten europäischen Atomkraftwerk in der Ukraine, Saporischschja, verloren. IAEA-Chef Rafael Grossi teilte am Mittwoch mit, dass die Datenverbindung zu den Überwachungsgeräten in Saporischschja ausgefallen sei. Russische Truppen hatten Saporischschja vergangene Woche angegriffen und eingenommen. Dabei wurde ein Brand auf dem Kraftwerksgelände ausgelöst.

Der Grund für den Verbindungsabbruch sei noch unklar, erklärte die Behörde weiter. Zuvor hatte die IAEA gewarnt, dass sie die Verbindung zu den Überwachungssystemen in der ebenfalls von russischen Truppen eroberten Atomruine von Tschernobyl verloren habe. Später teilte die Behörde mit, dass sie von der Ukraine die Information erhalten habe, dass es einen Stromausfall gegeben hatte. Sie sehe „in diesem Fall keine kritischen Auswirkungen auf die Sicherheit“.

Der Verbindungsverlust zu den beiden Atomstandorten sei jedoch besorgniserregend. „Die Fernübertragung von Daten aus den IAEA-Überwachungsanlagen an Nuklearstandorten auf der ganzen Welt ist ein wichtiger Bestandteil unserer Überwachungsmaßnahmen“, erklärte Grossi. Die Datenleitungen „ermöglichen es uns, Kernmaterial und Aktivitäten an diesen Standorten zu überwachen, wenn unsere Inspektoren nicht anwesend sind“.

Russland kontrolliert zwei Ukraine-AKWs: „Folter“-Vorwürfe gegen Putins Soldaten

Ursprungsmeldung vom 9. März 2022: Saporischschja - Das ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja ist das größte Europas. Im Ukraine-Krieg wurde es Ziel mutmaßlich russischer Attacken. Nach einem Angriff brach ein Feuer aus. Derzeit steht das AKW offenbar weiterhin unter russischer Kontrolle. Russland habe das AKW-Personal „gefoltert“, behauptet der ukrainische Energieminister Herman Haluschtschenko auf Facebook. Die Mitarbeiter würden „seit vier Tagen als Geiseln gehalten.“

Ukraine-Krieg: Minister behauptet - „Russland foltert das AKW-Personal“

„Es befinden sich etwa 500 russische Soldaten und 50 Einheiten schwerer Ausrüstung in der Station. Die Mitarbeiter sind physisch und psychisch erschöpft“, teilte Haluschtschenko mit. „Russische Besatzungstruppen foltern das Betriebspersonal des Kernkraftwerks Saporischschja.“

Die Mitarbeiter müssten ein Video aufnehmen, das zu russischen Propaganda-Zwecken missbraucht werde, hieß es weiter. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig prüfen. Halutschenkos Facebook-Profil war am Mittwochmorgen nicht aufrufbar.

Ukraine-Krieg: Atomenergiebehörde kritisiert Lage in größtem AKW Europas

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) ist über die aktuellen Entwicklungen in Europas größtem AKW besorgt. Schon am Sonntag habe die Ukraine der IAEA mitgeteilt, dass das Kernkraftwerk zwar weiterhin durch reguläres Personal betrieben werde, die Werksleitung jedoch nun unter dem Befehl eines Kommandeurs der russischen Streitkräfte stehe. Dessen Zustimmung sei auch für alle Maßnahmen im Zusammenhang mit dem technischen Betrieb der sechs Reaktorblöcke nötig. Dies widerspreche dem Sicherheitskonzept bei AKWs, sagte IAEA-Chef Rafael Grossi. Das Personal müsse ohne Druck seine Sicherheitsaufgaben erfüllen können.

Außerdem hätten die russischen Streitkräfte nach Angaben aus Kiew die Kommunikation mit dem Personal durch das Abschalten des Internets und einiger mobiler Netzwerke stark eingeschränkt, so die IAEA weiter. Das im Zuge des Ukraine-Krieges ausgebrochene Feuer am Kernkraftwerk konnte schnell gelöscht werden. Eine unmittelbare nukleare Gefahr geht von Saporischschja nicht aus. Aktuell lägen alle Strahlungswerte im normalen Bereich, meldet die IAEA. Alle Informationen zum Hintergrund der Ukraine-Krise.

Ukraine-Konflikt Atomkraftwerk Saporischschja Russland
IAEA-Generaldirektor Rafael Mariano Grossi spricht bei einer Pressekonferenz über die Situation im Kernkraftwerk Saporischschja in der Ukraine. (Archivbild, 4. März 2022). © picture alliance/dpa/AP | Lisa Leutner

Ukraine-Krieg: Tschernobyl-AKW unter russischer Kontrolle - kein Strom mehr

Russland hat allerdings auch ein zweites ukrainisches AKW eingenommen: Das frühere Kernkraftwerk Tschernobyl. Das Ex-Katastrophen-AKW ist zunehmend von der Außenwelt abgeschnitten. Das wiederum besorgt die IAEA. Rund 210 Mitarbeiter würden seit fast zwei Wochen ununterbrochen in dem AKW im Dienst seien, weil unter russischer Kontrolle kein Schichtwechsel durchgeführt worden sei. Sie hätten zwar Wasser und Nahrung, aber ihre Lage verschlechtere sich immer mehr. Außerdem habe die IAEA keine Verbindung mehr zu ihren Überwachungsgeräten, die sicherstellen, dass in Tschernobyl alles Nuklearmaterial an seinem Platz ist.

Am Mittwoch meldete der ukrainische Netzbetreiber Ukrenerho dann, dass das Atomkraftwerk von der Stromversorgung abgeschnitten ist. Durch russischen Beschuss seien Stromleitungen beschädigt worden. Das Problem: Gefechte nördlich von Kiew verhinderten aktuell alle Reparaturarbeiten. In Tschernobyl kam es 1986 zu einem verheerenden Atomunfall. Noch heute werden dort radioaktive Abfälle gelagert. Laut aktuellem Stand von Mittwochmittag ist es bislang zu keinem Austritt von radioaktivem Material gekommen. Alle Informationen zum Ukraine-Konflikt finden Sie im News-Ticker zu den Verhandlungen im Ukraine-Krieg und zur militärischen Lage im Ukraine-Krieg. (as/dpa)

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