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Markus Söder vor einem Plakat seines Vorgesetzten

Opposition hat ein Lieblingsopfer

Attacke auf Markus Söder

München - Die Opposition schießt sich auf den Finanzminister Markus Söder als kommenden Hauptgegner ein – zum Vorteil von Ilse Aigner?

Der Satz ging im Strom an Kalauern fast unter. Mit Reibeisenstimme hetzte SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher am Aschermittwoch in Vilshofen durch alle Themen der Landespolitik – irgendwann kam er dann auf Finanzminister Markus Söder zu sprechen: „Wir dürfen einem solchen Mann mit solchen Charaktereigenschaften, die ihm der eigene Chef attestiert, niemals die Geschicke unseres Landes anvertrauen“, schrie Rinderspacher mit der Hand wild gestikulierend ins Zelt.

Ministerpräsident Horst Seehofer hatte seinem Minister bei einer CSU-Weihnachtsfeier „Schmutzeleien“ und „charakterliche Schwächen“ vorgeworfen. Mehr als zwei Jahre ist das her. Dass Rinderspacher nun vor ihm warnt, hat vor allem einen Grund: Auch in der Opposition glaubt man immer mehr daran, dass Söder in der CSU das Rennen um die Nachfolge Seehofers macht. Der Oppositionsführer ist dabei, sich auf den Finanzminister als kommenden starken Mann der Regierungspartei einzuschießen.

Die SPD werde sich in Zukunft nicht mehr an Seehofer „abarbeiten“, kündigt der Fraktionschef an. „Wir sehen Herrn Seehofer als Mann der Vergangenheit.“ Söder hält er für den Favoriten auf die Nachfolge. Eine Umfrage des Bayerischen Fernsehens stützt das. 41 Prozent der Bayern halten den Finanzminister als Seehofer-Nachfolger für am besten geeignet. Nur 24 befürworten Wirtschaftsministerin Ilse Aigner. In der SPD-Fraktion befasst man sich auch schon mit der Frage, wo man ihn am besten packen könnte. „Söder wäre für uns nicht einfach, aber sehr spannend“, heißt es. Er polarisiere stark, biete viele Angriffsflächen.

In den anderen Oppositionsparteien ist man zurückhaltender mit Prognosen. Das sei das Problem der CSU, heißt es bei Grünen und Freien Wählern. Das ist die offizielle Version. Intern werden durchaus Szenarien durchgespielt. Und die Spitzen gegen Söder nehmen zu. Dessen Heimatministerium diene „einzig und allein der Selbstdarstellung der CSU-Politik“, verbreitet die Grünen-Abgeordnete Claudia Stamm gestern – ein Jahr nachdem die neue Behörde ihre Arbeit aufgenommen hat.

In einem sind sich SPD und Grüne jedenfalls einig: Seehofer werde nicht wie angekündigt bis 2018 im Amt bleiben. „Im Herbst 2016, spätestens im Frühjahr 2017“ werde der CSU-Chef und Ministerpräsident die Macht einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin übergeben, meint Rinderspacher. Ähnlich sieht es Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann: „Ich glaube, dass der Wechsel vor der Bundestagswahl stattfinden wird.“ Das würde bedeuten: vor dem Herbst 2017. Bei der Opposition analysiert man die Lage genau – bis hin zum Applaus, den Aigner und Söder für ihre Reden von der CSU-Fraktion kriegen.

Dass nun vieles früh auf Söder hindeutet, hat für den Finanzminister aber nicht nur Vorteile. Je eher ein Kandidat feststeht, desto mehr Zeit bleibt der Gegenseite, ihn zu demontieren. Anders gesagt: Wenn die Opposition schon jetzt zur Attacke auf Söder bläst, kann das Ilse Aigner nur recht sein.

Til Huber

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