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Neuer Biss im Umgang mit der CSU: Martin Zeil peitscht beim FDP-Parteitag die Delegierten aus den Umfragesorgen.

Sonderparteitag zur Landtagswahl

FDP: Attacke auf den schwarzen Partner

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München – Weil die Liberalen in Umfragen zwischen drei und fünf Prozent pendeln, 60 Prozent der Bayern aber keine CSU-Alleinregierung wollen, entdeckt die FDP im Koalitionspartner den neuen Hauptgegner.

Er hat noch gar nicht geredet und ist schon heiser. Mit Reibeisenstimme eröffnet Wolfgang Heubisch den Landesparteitag. Sein Auftritt trägt nicht zur Linderung bei. Laut und kämpferisch reißt der Münchner FDP-Minister die Parteifreunde aus allen Gedanken an miese Umfragen. „Diese Wahl ist bei Weitem nicht gelaufen. Noch nichts ist entschieden!“

Dazu allein dient ja dieser inhaltlich überflüssige Landesparteitag eine Woche vor der Wahl: Ein Appell ans Selbstvertrauen und eine letzte Attacke auf die CSU. Weil die Liberalen in Umfragen zwischen drei und fünf Prozent pendeln, 60 Prozent der Bayern aber keine Alleinregierung wollen, entdeckt die FDP im Koalitionspartner den neuen Hauptgegner. Im TV-Spot, auf Plakaten, in allen Reden wird vor einer absoluten CSU-Mehrheit gewarnt. Im FDP-Sprech: „Alleinherrschaft“, weil das so monarchisch klingt. Sogar auf den gelbschwarzen Topfschwämmen im Saal steht „Wenn Ihnen schwarz zu grob ist“.

Die Angst der FDP: Wenn die Bayern mit Lage und Regierung recht zufrieden sind, wählen sie am Ende nur CSU. Jene Partei, die gar keine Anstalten macht, auf den schärferen FDP-Ton zu reagieren. Im Saal wären die ersten zwei Reihen dann ab Oktober arbeitslos. Dass sich keine Lethargie breit macht bei den Wahlkämpfern, ist eine Leistung. Es scheint zu gelingen. Die 200 Delegierten klatschen ihre Sorgen weg – mit Jubel-Disziplin, abgestimmt wird auf den Kampfruf „Karten hoch“. Ehrlich begeistert feiern sie Heubisch und sogar frenetisch den Spitzenkandidaten Martin Zeil. Beide verkünden als Wahlziel weiterhin acht Prozent. Beide loben sich wechselseitig und reihum alle im Saal. „Freiheitskämpfer“, ruft Heubisch heiser.

Der heftig mit der Faust gestikulierende Zeil tritt noch kräftiger auf als im TV-Dreikampf neulich. „Unser Bildungssystem bedarf noch ganz vieler liberaler Impulse“, ruft er. Attackiert seine Vorgänger, die nichts für die Breitbandversorgung in Bayern getan hätten. Schimpft über das Ladenschlussrecht „aus der Steinzeit“. Erinnert an „Vetternwirtschaft“ von Schwarzrotgrün im Landtag, lästert über „Machtversessenheit“ und „Überheblichkeit“ der CSU. Zeil zeigt in seiner Rede: Wahlkampf kann er. So wild und leidenschaftlich sah man ihn lange nicht mehr. Tremolo liegt in seiner Stimme: „Und ich sage Euch, wir werden gewinnen.“

Christian Deutschländer

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