Der französische Schauspieler Jean-Hugues Anglade.

Bahnpersonal habe nicht geholfen

Attacke im Zug: Schauspieler erhebt Vorwürfe

Paris - Nach dem vereitelten Attentat auf den Schnellzug Thalys erhebt der französische Schauspieler Jean-Hugues Anglade schwere Vorwürfe gegen das Bahnpersonal.

Als an Bord Panik ausgebrochen sei wegen des bewaffneten Angreifers, hätten sich mehrere Mitarbeiter in einem speziellen Abteil verschanzt und die übrigen Passagiere ausgesperrt, sagte der aus dem Kultfilm "Betty Blue" bekannte Schauspieler am Samstag dem Magazin "Paris Match". "Sie haben das Abteil mit einem speziellen Schlüssel geöffnet und sich eingeschlossen."

"Der Schütze war wenige Meter von uns entfernt im Waggon Nummer zwölf", berichtete der 60-Jährige. Er habe zusammen mit seinen beiden Kindern und seiner Lebensgefährtin im benachbarten Abteil gesessen, dem hintersten Personenwaggon des Zuges. "Der bewaffnete Mann bewegte sich in unsere Richtung, er war entschlossen. Ich habe gedacht, das ist das Ende, wir müssen alle sterben."

US-Soldaten überwältigen Angreifer: "Schnappen wir ihn"

Mit den anderen Passagieren habe er mit dem Rücken an der Wand zu dem abgeriegelten Abteil gekauert. "Wir haben geschrien, dass uns das Personal hineinlassen solle", sagte Anglade. Doch niemand habe reagiert. "Dieses Verlassensein, diese Hilflosigkeit, diese Einsamkeit - es war schrecklich und unerträglich. Für uns war das unmenschlich."

Die Geschäftsführerin der Thalys-Gesellschaft, Agnès Ogier, wies die Anschuldigungen zurück. "Einer der Mitarbeiter hat gemerkt, wie er von einem Schuss gestreift wurde." Er sei weggelaufen und mit fünf oder sechs Reisenden in den Gepäckraum am Ende des Zuges geflohen. Dort habe er den Alarm ausgelöst und anschließend die Kollegen aus dem anderen Zugteil und den Fahrer informiert. Ein anderer Mitarbeiter habe den Zugführer außerdem per Telefon alarmiert. In den beiden Zugteilen des Thalys befinden sich jeweils zwei Mitarbeiter der französischen Bahngesellschaft SNCF oder der belgischen SNCB.

Der mit einer Kalaschnikow, einer Pistole und einem Teppichmesser bewaffnete Täter war am Freitag in Brüssel in den Thalys eingestiegen. Zwei US-Soldaten und ein befreundeter Student überwältigten den Angreifer, zwei Menschen wurden schwer verletzt. Nach ersten Erkenntnissen handelt es sich bei dem Verdächtigen um einen 26 Jahre alten Marrokaner, der als radikaler Islamist bekannt war.

afp

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Asyl-Streit: SPD setzt Merkel und Seehofer das Messer auf die Brust - „Müssen da mal Tacheles reden“ 
Die Asyl-Krise zwischen Angela Merkel und Horst Seehofer spitzt sich zu. Am Sonntag sollen bei einem Mini-Gipfel in Brüssel Lösungen gefunden werden. Alle Entwicklungen …
Asyl-Streit: SPD setzt Merkel und Seehofer das Messer auf die Brust - „Müssen da mal Tacheles reden“ 
Containerschiff mit Migranten wartet vor Italien auf Hafeneinfahrt
Während Italien Jagd auf private Seenotretter macht, kommen weitere Flüchtlinge. Nun ist es ein kommerzielles Containerschiff, das mit 113 Migranten an Bord darauf …
Containerschiff mit Migranten wartet vor Italien auf Hafeneinfahrt
Asylstreit: Seehofer stellt Merkels Richtlinien-Kompetenz in Frage - doch Fakten sehen anders aus
Die Kanzlerin hat CSU-Chef Seehofer im Asylstreit damit gedroht, ihre Richtlinienkompetenz geltend zu machen. Seehofer will sich das „nicht gefallen lassen“. Doch Merkel …
Asylstreit: Seehofer stellt Merkels Richtlinien-Kompetenz in Frage - doch Fakten sehen anders aus
Türkei-Wahl 2018 im News-Ticker: Alkohol und Hochzeiten - Diese Dinge sind am Wahltag verboten 
Die Türkei wählt am Sonntag ihr neues Parlament und den neuen Präsidenten. An Machthaber Recep Tayyip Erdogan wird dabei wohl kein Weg vorbei führen. Alle News bei uns …
Türkei-Wahl 2018 im News-Ticker: Alkohol und Hochzeiten - Diese Dinge sind am Wahltag verboten 

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.