+
Der Tatverdächtige Boris G. am Dienstag in einem Gericht in Moskau

Putins Sprecher meldet sich

Attentat auf Journalistin: Kreml weist Verbindungen scharf zurück

Eine Messerattacke auf ein regierungskritische Journalistin in Moskau sorgt für Aufsehen. Der Kreml weist jegliche Verbindung zum Fall weit von sich.

Der Kreml hat jede Verwicklung in das Messerattentat auf die regierungskritische Journalistin Tatjana Felgengauer zurückgewiesen. Der Sprecher von Präsident Wladimir Putin sprach am Dienstag in Moskau von der "Tat eines Verrückten", die keine politischen Hintergründe erkennen lasse. Laut Polizei ist der Tatverdächtige psychisch krank. Kritiker beschuldigten den Kreml, ein Klima des Hasses auf Oppositionelle zu schüren, das solche Gewalt begünstige.

Felgengauer war am Vortag an ihrem Arbeitsplatz, dem Radiosender Moskauer Echo, niedergestochen worden. Nach einer Operation hatte sich ihr Zustand am Dienstag nach Krankenhausangaben leicht verbessert, sie sei aus dem künstlichen Koma aufgewacht.

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow äußerte Mitgefühl für die Journalistin. "Tatjana hat ihre eigene Weltsicht, ihre Meinung", erklärte er. Dies verdiene Respekt. Der Versuch, den Angriff mit der Regierung in Verbindung zu bringen, sei "absolut illegal und falsch".

Attentäter spricht von „telepathischer Verbindung“

Viele Kommentatoren hatten die Regierung für die Tat verantwortlich gemacht und davon gesprochen, dass diese ein Klima geschaffen habe, in denen solche Angriffe erst möglich geworden seien. "Wahnsinn kommt nicht aus dem Nichts", erklärte Moskauer-Echo-Redakteur Alexej Wenediktow.

Der Zustand der schwer verletzen Felgengauer verbesserte sich leicht. "Die Patientin ist wach", erklärte der Leiter der Moskauer Notfallklinik im Sender Moskauer Echo. Der Radiosender gab unter Berufung auf die Ärzte an, die Stimmbänder der 32-jährigen Rundfunkmoderatorin seien nicht verletzt worden und die Prognosen seien "positiv".

Ein laut Moskauer Polizei psychisch gestörter Angreifer hatte Felgengauer am Montag am Sitz des Radiosenders in den Nacken gestochen. In einem von der Polizei veröffentlichten Video machte der Mann unzusammenhängende Äußerungen und sprach von einer "telepathischen Verbindung" mit seinem Opfer. Felgengauer habe ihn über diese Verbindung "jede Nacht sexuell verfolgt".

Moskauer Echo: Sender mit spezieller Tradition

Der Sender Moskauer Echo war der erste unabhängige Radiosender der Sowjetunion, er wurde 1990 in Zeiten der Perestroika gegründet. Er ist bekannt für seine regierungskritische Ausrichtung, auch wenn der Mehrheitsaktionär des Senders seit 2001 der staatliche Energieriese Gazprom ist. Moderatorin Felgengauer nimmt regelmäßig an Kundgebungen der Opposition teil und hat auf Facebook tausende Follower.

In Russland werden immer wieder Journalisten bedroht, angegriffen, verletzt oder gar getötet. Einer Journalistenorganisation zufolge wurden in Russland seit 1992 58 Journalisten getötet.

AFP

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Grüne legen zu, SPD verliert einen Punkt - Regierungsmehrheit für Schwarz-Grün?
Während die CDU einen neuen Vorsitzenden sucht, setzen die Wähler laut dem ARD-“Deutschlandtrend“ aktuell auf die Grünen. Schwarz-Grün hätte eine Regierungsmehrheit im …
Grüne legen zu, SPD verliert einen Punkt - Regierungsmehrheit für Schwarz-Grün?
ARD-“Deutschlandtrend“: So nah rücken die Grünen an die Union heran
Im aktuellen „Deutschlandtrend“ der ARD dürfen sich die Grünen über große Zustimmung freuen und rücken der Union auf die Pelle. Die AfD verliert zwei Prozentpunkte.
ARD-“Deutschlandtrend“: So nah rücken die Grünen an die Union heran
Kanzlerin besucht Chemnitz: Anti-Merkel-Demos drohen - Polizei benötigt Unterstützung
Es ist ein später Besuch in Chemnitz: Fast drei Monate nach dem gewaltsamen Tod eines jungen Mannes und den Aufmärschen rechter Gruppen besucht Bundeskanzlerin Angela …
Kanzlerin besucht Chemnitz: Anti-Merkel-Demos drohen - Polizei benötigt Unterstützung
Im Kampf gegen Rebellen: Blauhelmsoldaten im Kongo getötet
Im östlichen Kongo sind sieben Blauhelmsoldaten im Rahmen der als Monusco UN-Friedensmission ums Leben gekommen.
Im Kampf gegen Rebellen: Blauhelmsoldaten im Kongo getötet

Kommentare