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Der abgesperrte Bereich vor dem Weißen Haus in Washington D.C.

Schock, Gebete und Ursachenforschung

Attentat in Washington "ein Beweis für die bösartige Politik"

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Washington nach dem Attentat auf fünf Republikaner-Abgeordnete: Schock, Gebete und Ursachenforschung. Ist sie eine Folge der Politik von Präsident Donald Trump?

Washington - Er lebte die letzten Monate in seinem Auto, nur um ein nahe gelegenes Baseballfeld im Bundesstaat Virginia besser beobachten zu können. Er haßte Donald Trump so sehr, dass er ihm in den sozialen Medien den Tod wünschte. Er unternahm mit seinem legal erworbenen Schnellfeuergewehr und einer Pistole Schießübungen am Ende einer Straße, doch die herbeigerufene Polizei ermahnte ihn lediglich - schließlich räumt das Waffenbesitzrecht Bürgern in den USA breite Freiheiten ein.

Details wie diese sind mittlerweile über den 66-jährigen James Hodgkinson aus dem Bundesstaat Illinois bekannt geworden, der am Mittwochmorgen bei einem Attentat auf Parlamentarier der Republikaner fünf Menschen verletzt hatte. Der dritthöchste Republikaner auf dem Kapitol, der Trump-Freund Steve Scalise, kämpfte am Donnerstag nach einem Hüftschuss und starken inneren Blutungen weiter um sein Leben. Trump und die First Lady hatten ihn am Mittwochabend am Krankenbett besucht. Es war ein Geburtstags-Schock für den Präsidenten, der an diesem Tag nach der Nachricht von dem Anschlag auch noch aus der "Washington Post" durch ein weiteres Regierung-"Leck" erfuhr, dass Justiz-Sonderermittler Robert Mueller ihn nun höchstpersönlich wegen des Verdachts der Justzbehinderung in der Russlandaffäre im Visier hat. Der Amokschütze von Virginia, der das Feuer auf zwei Dutzend Volksvertreter eröffnet hatte, kann zu seinen Motiven nicht mehr befragt werden. Drei anwesende zum Kapitol gehörende Polizisten hatten das Feuer erwidert und am Ende trotz eigener Verletzungen Hodgkinson erschießen können. Sie gelten nun als Helden, die ein Massaker an den Frühsportlern verhindert haben.

Mit einem gemeinsamen Baseball-Spiel im Stadion der "Washington Nationals" wollten am Donnerstagabend Mitglieder beider Parteien nach dem Attentat ein Zeichen für Versöhnung und Annäherung in der Regierungshauptstadt setzen. Der Schock sitzt weiter tief über die Eskalation der Gewalt, und er erfaßt auch die Demokraten. Denn schließlich hatte der Haus-Gutachter Hodgkinson, der letzes Jahr seine Lizenz und damit den Großteil seines Einkommen verloren hatte, als Helfer für die Wahlkampagne des Clinton-Herausforderers Bernie Sanders gearbeitet. Sanders zeigte sich nach den Schüssen entsetzt, distanzierte sich von dem ehemaligen Freiwilligen ("Ein widerlicher Akt") und forderte: "Wir müssen die Gewalt stoppen."

Doch ein Großteil der US-Medien stimmte am Donnerstag überein, dass die scharfe Rhetorik des letzten Wahlkampfs und der Start der Trump-Präsidentschaft die Stimmung im Land in einen explosiven Bereich bewegt hätten. Die Attacke sei ein Beweis dafür, wie bösartig die Politik im Land geworden sei, meint beispielsweise die "New York Times". Das traditionell linksgerichtete Blatt bezog dies ausdrücklich auch auf Liberale im Land und nicht nur die Konservativen.

Auch Präsident Trump hatte sich bei einem kurzfristig anberaumten TV-Statement um versöhnliche Töne bemüht und Schuldzuweisungen vermieden. Er bete für Scalise und seine Familie,so Trump. Gleichzeitig lobte er die "heldenhaften Aktionen" der Kapitolspolizei bei dieser "sehr sehr brutalen Attacke". Nur durch Zufall und Glück wurde der Abgeordnete Jeff Duncan aus South Carolina kein Opfer des politischen Hasses des Täters. Duncan hatte zusammen mit einem Kollegen das Baseball-Training vorzeitig verlassen, um dem üblichen Verkehrsstau in Richtung Kapitol aus dem Weg zu gehen. Als er am Sportfeld im Wagen saß, kam der spätere Attentäter auf ihn zu und fragte, ob das trainierende Team Demokraten oder Republikaner seien. Duncan antwortete, es seien Republikaner. "Okay, danke," habe Hodgkinson geantwortet und sei in Richtung Feld gegangen. Wenig später fielen die ersten Schüsse.

Von Friedemann Diederichs

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