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Tatort nach der Messerattacke auf die Kölner Oberbürgermeisterkandidatin Henriette Reker, einen Tag vor der Wahl.

Prozessauftakt in Düsseldorf

Attentat auf Kölner Oberbürgermeisterin: Täter vor Gericht

Düsseldorf - Der Anschlag einen Tag vor der OB-Wahl in Köln sorgte in Deutschland für Entsetzen. Ein 44-Jähriger hatte Henriette Reker ein Messer in den Hals gerammt.

Das Attentat auf Henriette Reker einen Tag vor ihrer Wahl zur Kölner Oberbürgermeisterin wird von diesem Freitag an in Düsseldorf vor Gericht aufgerollt.

Angeklagt wegen versuchten Mordes ist ein 44 Jahre alter Mann. Frank S. hatte Reker am 17. Oktober 2015 ein Jagdmesser in den Hals gerammt. Die Politikerin wurde lebensgefährlich verletzt und lag während ihrer Wahl an die Spitze der größten Stadt Nordrhein-Westfalens im künstlichen Koma.

Der Angreifer hatte sich in den 90er Jahren in der rechtsextremen Szene bewegt. Als Motiv soll der arbeitslose Anstreicher die Flüchtlingspolitik genannt haben. Reker war in Köln bis zur Wahl als Sozialdezernentin für die Unterbringung der Flüchtlinge zuständig. Die Oberbürgermeisterin leidet noch heute unter dem Attentat und ist nach wie vor in ärztlicher Behandlung.

Frank.: "Ich werde mich zur Tat äußern"

Frank S. berichtete vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht von seiner früheren Zugehörigkeit zur rechten Szene in Bonn, stellte jedoch in Abrede, Nazi gewesen zu sein. Frank S. kündigte an, er werde in dem Verfahren Angaben zum Ablauf der Tat und seinem Motiv machen. "Ich werde mich zur Tat äußern."

Der Oberstaatsanwalt am Bundesgerichtshof, Lars Otte, warf dem 44-Jährigen zum Prozessauftakt im Hochsicherheitstrakt des Düsseldorfer Gerichts Mordversuch und mehrfache gefährliche Körperverletzung vor.

Reker war bis zu ihrer Wahl zur Kölner Oberbürgermeisterin Sozialdezernentin der Domstadt und damit auch für die Betreuung und Unterbringung von Flüchtlingen zuständig. Aus Sicht der Bundesanwaltschaft wollte S. mit dem Attentat ein Zeichen gegen eine seiner Meinung nach "verfehlte Politik" in Deutschland setzen, vor allem in Ausländer- und Flüchtlingsfragen. Das Attentat habe der 44-jährige "aus niedrigen Beweggründen und heimtückisch" verübt, sagte Otte.

Prozess im Hochsicherheitstrakt

Der Prozess findet im Hochsicherheitstrakt des Oberlandesgerichtes Düsseldorf statt. Reker soll dort in zwei Wochen als Zeugin aussagen. Sie hatte berichtet, dass der Attentäter sie nach einer Blume gefragt und freundlich angeschaut hatte, bevor er ein großes Messer zückte und zustach. Anschließend verletzte er vier weitere Menschen schwer.

Dem Angeklagten droht als Höchststrafe lebenslange Haft. Reker tritt im Prozess als Nebenklägerin auf - vertreten durch einen Anwalt.

dpa

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