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Ermittlung in den eigenen Reihen: Hatte Corona-Leugner Hildmann Hilfe aus Justiz-Kreisen?

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Von: Felix Durach

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Der Verschwörungserzähler und ehemalige Kochbuchautor Attila Hildmann 2020 bei einer Anti-Corona-Kundgebung in Berlin.
Der Verschwörungserzähler und ehemalige Kochbuchautor Attila Hildmann 2020 bei einer Anti-Corona-Kundgebung in Berlin. © Christophe Gateau/dpa

Der wegen Volksverhetzung gesuchte Kochbuchautor Attila Hildmann hat sich im Dezember in die Türkei abgesetzt. Erhielt er dabei Informationen aus Justizkreisen?

Berlin - Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt seit Monaten gegen den ehemaligen Vegan-Koch und Corona-Leugner Attila Hildmann wegen des Verdachts auf Volksverhetzung, Beleidigung und Bedrohung in mehreren Fällen. Ende März gab die Staatsanwaltschaft jedoch bekannt, dass mit einer Vollstreckung des Haftbefehls nicht zu rechnen sei, da sich Hildmann offenbar in die Türkei abgesetzt habe.

Attila Hildmann: Staatsanwaltschaft ermittelt in den eigenen Reihen - Verletzung von Dienstgeheimnissen

Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft in Zusammenhang mit dem Fall Hildmann auch in den eigenen Reihen. „Es besteht der Verdacht, dass Informationen über einen vorliegenden Haftbefehl gegen den Beschuldigten Hildmann in unzulässiger Weise weitergegeben worden sind“, erklärt die Generalstaatsanwaltschaft Berlin in einem Statement auf Twitter. „Diesbezüglich ermitteln wir gegen Unbekannt wegen Verletzung von Dienstgeheimnissen.“

Denn wie auch Recherchen von WDR und Süddeutscher Zeitung ergeben haben, soll Hildmann offenbar noch vor der zuständigen Staatsanwaltschaft gewusst haben, dass ein Haftbefehl gegen ihn erhoben wurde. Eine Rekonstruktion der Ereignisse habe ergeben, dass die zuständige Richterin am Nachmittag des 19. Februar - einem Freitag - die Entscheidung getroffen habe, den beantragten Haftbefehl gegen Hildmann zu genehmigen. Durch das Wochenende wurde die Staatsanwaltschaft, die den Haftbefehl beantragt hatte, erst am Montag darüber informiert.

Attila Hildmann: Wusste er schon vor der Staatsanwaltschaft von Haftbefehl gegen ihn?

An besagtem Wochenende soll Hildmann jedoch bereits in seiner Telegram-Gruppe eine Nachricht geteilt haben, die auf einen vorliegenden Haftbefehl Bezug nahm. „Uns wurde heute sicher bestätigt, dass für Attila Hildmann ein Haftbefehl wegen des Aussprechens der Wahrheit vorliegt“. Daher müsse er nun „dringend untertauchen“, teilte Hildmann mit seinen Followern. Am Sonntag schrieb der 40-Jährige erneut. „Kein einziger Medienbericht zu dem offenen Haftbefehl gegen mich wo sonst 100 Artikel geschrieben werden, wenn ich mal nen Finger krümme!“

Attila Hildmann: Haftbefehl nicht Ursache für Flucht in die Türkei

Während Hildmann selbst angibt, von dem Haftbefehl durch Polizeibeamte erfahren zu haben, die noch am Wochenende seine Mutter aufgesucht hatten, gibt die Staatsanwaltschaft an, dass zu diesem Zeitpunkt nur eine Handvoll Personen Kenntnis über den vorliegenden Haftbefehl gehabt haben sollen. Die Haftrichterin, deren Mitarbeiter, eine Sekretärin und ein Sicherheitsmann, der für den Transport der Akte verantwortlich war.

Für die Flucht Hildmanns soll der Haftbefehl jedoch nicht entscheidend gewesen sein, da sich der 40-Jährige bereits im Dezember 2020 in die Türkei abgesetzt haben soll, wie auch die Generalstaatsanwaltschaft bestätigt. (fd)

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