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Mitarbeiter der Hilfsinitiative SOS Mediterranee werfen im Januar 2018 Flüchtlingen vor der libyschen Küste Rettungswesten zu. Foto: Laurin Schmid/SOS Mediterranee

Flucht übers Mittelmeer

Auch Flugzeug deutscher Seenotretter auf Malta blockiert

Die harte Politik gegen private Seenotretter auf dem Mittelmeer zeigt Wirkung: Es ist keine einzige NGO mehr vor Libyen mit Schiffen im Einsatz. Jetzt wird auch ein Flugzeug einer deutschen Organisation aufgehalten.

Valletta/Rom (dpa) - Nach der Blockade von Rettungsschiffen auf dem Mittelmeer ist nun auch ein Aufklärungsflugzeug einer deutschen Hilfsorganisation festgesetzt worden. Die Behörden in Malta hätten ab sofort alle Flüge in das Rettungsgebiet vor Libyen untersagt.

Das teilte die Berliner Organisation Sea-Watch mit. Ihr Schiff "Sea Watch 3" darf derzeit auch nicht auslaufen. In Libyen setzen sich Migranten trotz allem immer noch in schrottreife Boote. Ein Unglück reiht sich an das nächste.

Ein Sprecher der maltesischen Regierung erklärte, diese habe keine "Aufklärungsmissionen Dritter" in ihrer Region in Auftrag gegeben. Sie könne solche Einsätze auch nicht für andere "Territorien" genehmigen.

Das Flugzeug "Moonbird" werde gemeinsam mit der Schweizer Humanitären Piloteninitiative betrieben und von der Evangelischen Kirche in Deutschland unterstützt, so Sea-Watch. Das Flugzeug sei letztes Jahr an der Rettung von 20.000 Menschen beteiligt gewesen. "Es ist eine Farce, das ist wie wenn man einen Krankenwagen davon abhält, zu einem Verkehrsunfall zu fahren, weil man erst noch wochenlang die Fahrzeugpapiere kontrollieren muss", sagte Sprecher Ruben Neugebauer.

Es ist keine NGO mehr vor Libyen im Einsatz - obwohl gerade besonders viele der schrottreifen Boote mit Migranten ablegen. Die Schiffe der deutschen Organisationen Sea-Watch und der Mission Lifeline liegen in Malta an der Kette. Die "Aquarius" von Ärzte ohne Grenzen und SOS Mediterranee liegt in Marseille im Hafen. Sie seien gezwungen, nun eine Zeit auszusetzen und die Lage neu zu bewerten, twitterte die NGO.

Vor allem die populistische italienische Regierung fährt seit ihrem Amtsantritt vor einem Monat eine harte Linie gegen Migranten und lässt keine NGOs mehr in ihren Häfen anlegen. Auch Malta sieht sich bei der Rettung der Menschen nicht in der Pflicht.

Die spanische Organisation Proactiva Open Arms kam derweil mit 60 geretteten Migranten in Barcelona an, nachdem ihr Italien und Malta die Einfahrt verweigert hatten. Die Migranten aus 14 Ländern - darunter fünf Frauen und fünf Minderjährige - sollten in der spanischen Metropole medizinisch untersucht, versorgt und anschließend registriert werden, hieß es von Proactiva. Gründer Oscar Camps beklagte auf Twitter, seine Organisation hätte am Wochenende mehr Flüchtlinge retten können, die inzwischen ertrunken seien, sei aber aufgrund der italienischen Blockade und der Fahrt nach Spanien daran gehindert worden.

Laut Internationaler Organisation für Migration (IOM) kamen allein seit dem 19. Juni 483 Migranten auf der zentralen Route Richtung Italien ums Leben. Es müssten wieder mehr Rettungsschiffe unterwegs sein, um noch mehr Tote zu verhindern, twitterte IOM-Sprecher Flavio Di Giacomo.

Die libysche Küstenwache barg derweil sechs weitere Tote aus dem Meer. 125 Menschen seien gerettet worden, nachdem ein Flüchtlingsboot östlich der Hauptstadt Tripolis gesunken sei, teilte die libysche Marine mit. Der Vorfall habe sich bereits am Dienstag ereignet.

Mitten in der erbitterten Debatte um Bootsflüchtlinge will Papst Franziskus eine Messe für und mit Migranten feiern. Am Freitag werde der Pontifex im Petersdom an seine Reise auf die italienische Insel Lampedusa vor fünf Jahren erinnern, teilte der Vatikan mit. Der Besuch auf der Insel, die Schauplatz eines schweren Flüchtlingsunglücks im Jahr 2013 mit mehr als 360 Toten war, war Franziskus' erste Reise als Papst.

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