Ein Patient lässt einen Abstrich für einen Corona-Test machen.
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Ein Patient lässt einen Abstrich für einen Corona-Test machen.

Corona-Epidemie

Auch in Bayern: Nicht alle Ärzte testen jeden

  • Sebastian Horsch
    vonSebastian Horsch
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Während die Staatsregierung an den Corona-Tests für jedermann festhält, schaffen einige Arztpraxen Fakten. Um Labor-Kapazitäten zu schonen, testen sie nur noch Patienten mit Symptomen oder direktem Kontakt zu Erkrankten. Die Ärztekammer hält das für legitim. 

München – Der Münchner Arzt Hannes Blankenfeld hält nicht sonderlich viel davon, dass in Bayern Corona-Tests für jeden kostenlos möglich sein sollen, selbst wenn derjenige keine Symptome hat. „Dennoch diskutiere ich nicht mit Patienten, die das fordern“, stellt er klar. Dafür fehle ihm im Praxisalltag schlicht die Zeit. „Wenn jemand darauf besteht, sich nach diesem Angebot testen zu lassen, dann mache ich das.“ Doch das sehen offenbar nicht mehr alle seiner Kollegen so.

Die Corona-Tests für jedermann sind massiv in die Kritik geraten. Weil einige Labore über schwindende Kapazitäten und Ärzte über lange Wartezeiten auf Ergebnisse klagen, fordert nicht nur die Opposition eine Abkehr von der Strategie. Selbst der Koalitonspartner übt nun Druck auf Ministerpräsident Markus Söder (CSU) aus (siehe Kasten). Doch vorerst hält die Staatsregierung daran fest. Es gebe nach wie vor Kapazitäten, argumentiert das Gesundheitsministerium von Melanie Huml (CSU). Man will die Lage aber noch einmal genau ausloten und gegebenenfalls kommende Woche eine Entscheidung fällen.

Unterdessen schaffen einige Ärzte selbst Fakten. Unserer Zeitung sind Münchner Arztpraxen bekannt, die wegen der langen Wartezeit auf Testergebnisse dazu übergegangen sind, nur noch Patienten mit Symptomen oder mit direktem Kontakt zu Erkrankten einen PCR-Corona-Test zu gewähren. Für alle anderen werden zumindest teilweise Antigen-Schnelltests angeboten. Diese müssen die Patienten allerdings selbst bezahlen.

Doch dürfen Ärzte ihren Patienten die von Söder zugesagten Jedermann-Tests einfach so verwehren? Ja, sagt ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) unserer Zeitung: „Die Praxen sind frei in der Entscheidung, wen sie testen.“ Schon im Juli habe die KVB zudem darauf hingewiesen, dass es sich bei den „nicht durch eine entsprechende Krankheitssymptomatik verursachten Tests“ um eine Wunschleistung handle, „die vom Leistungsanspruch der gesetzlichen Krankenversicherung sowie vom Sicherstellungsauftrag der KVB nicht umfasst“ sei.

Auch die Landesärztekammer springt den Medizinern bei. Das bayerische Kabinett habe selbst beschlossen, dass Patienten mit Covid-Symptomen oder direktem Kontakt zu Erkrankten prioritär getestet werden sollen. Ärzte, die Corona-Tests primär für diese Patienten anbieten, befänden sich „insofern auf dem Boden des Beschlusses des Ministerrats“, sagt ein Sprecher unserer Zeitung.

Und selbst das Gesundheitsministerium sieht das so. „Eine Priorisierung ist schon immer Teil des Konzepts gewesen“, sagt ein Sprecher. Nach Schätzungen der Labore bewege sich der Anteil der Testungen ohne Symptome derzeit zwischen 15 und 25 Prozent. Weil die Praxen ihre Priorität auf den steigenden Anteil von Patienten mit Symptomen legen würden, sinke gleichzeitig der Anteil der Jedermann-Tests.

Darin, dass Ärzte, die bislang Tests auch für symptomlose Patienten durchgeführt haben, nun diese Patienten abweisen, erkennt das Ministerium keine Abkehr vom bayerischen Testkonzept.

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