Auch Loriot hilft Schreib-Rebellen

- München - Die Wahl ihres Gründungsorts war bereits Programm: Statt eines elitären Restaurants wählten die acht Sprach-Experten das Paulaner Bräuhaus in München, um den unabhängigen "Rat für deutsche Rechtschreibung" ins Leben zu rufen (wir berichteten). Die Kritiker der neuen Rechtschreibung kämpfen für die Rückkehr zu den alten Regeln - und geben sich volksnah: "Wir vertreten den erklärten Willen der Mehrheit der Deutschen", betont der neue Vorsitzende Hans Krieger.

<P>Die Gründung des Vereins war ein spontaner Entschluss: "Wir kannten uns vom Sehen und wussten, dass wir alle gegen die Reform sind", erzählt Krieger, der als Autor und Journalist arbeitet. Am Samstag um elf Uhr trafen sich die Reform-Kritiker - fünf Stunden später war der Verein geboren. Neben Krieger gehörten zu den Gründungsmitgliedern der als Rechtschreibrebell bekannt gewordene Weilheimer Deutschlehrer Friedrich Denk, der Geschäftsführer der IG Autoren in Wien, Gerhard Ruiss, der Schweizer Gymnasiallehrer Stefan Stirnemann sowie der Münchner Rechtsanwalt und Lektor Johannes Wasmuth.<BR><BR>Obwohl erst einen Tag alt, hat das Kritiker-Gremium bereits prominente Fürsprecher, darunter die Schriftsteller Günter Kunert, Reiner Kunze und Elfriede Jelinek sowie der Erlanger Sprachwissenschaftler Theodor Ickler. Noch am Montag traten Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, Schauspieler Vicco von Bülow alias Loriot sowie die Autoren Siegfried Lenz, Hans Magnus Enzensberger und Günter Grass dem Verein als Ehrenmitglieder bei. "Weitere namhafte Schriftsteller sind angefragt", sagt Krieger.<BR><BR>Mit seiner Namensgebung hat der Verein bewusst für Verwirrung gesorgt. In Wien trafen sich gestern Spitzenbeamte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, um ein gleichnamiges Gremium zu gründen, das die so genannte Zwischenstaatliche Kommission ablösen soll. (siehe Kasten). "Wir sprechen den Kultusministern grundsätzlich das Recht ab, eine weitere Kommission zu berufen, deren einzige Aufgabe es sein kann, dass offenkundige Scheitern der Rechtschreibreform hinauszuzögern", sagt Krieger.<BR><BR>Statt weiterer Korrekturen fordert der Verein die Rückkehr zur alten Rechtschreibung. "Jede Nachbesserung führt nur zu noch mehr Verwirrung." Bei einer falsch geknöpften Jacke helfe es auch nicht, nur einen Knopf neu zu knöpfen. "Der ganze Ansatz ist verfehlt."<BR><BR>Der Münchner Verein will trotz der wachsenden Zahl an namhaften Unterstützern "klein und beweglich bleiben", so Krieger. Erste Protest-Aktionen sind bereits beschlossen: So soll am 23. September in Weilheim eine öffentliche Dichterlesung stattfinden. Die Aktion steht unter dem Motto "Für die Einheit der Orthographie". Außerdem haben die Reform-Kritiker einen Stand auf der Frankfurter Buchmesse Anfang Oktober angemeldet.<BR><BR></P>

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