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Bloß nichts falsch machen: Seehofer und Merkel demonstrieren Harmonie. Anders als 2015 gibt’s viel Lob statt Kritik.

Kein Eklat wie 2015

Auf CSU-Parteitag: Merkel bemüht sich um Ende der Eiszeit

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Zwei Jahre nach dem Nürnberger Eklat steht Kanzlerin Angela Merkel wieder auf der CSU-Parteitagsbühne – diesmal lässt Horst Seehofer sie ungeschoren runter.

Nürnberg – Den Ort einer ihrer größeren Demütigungen betritt Angela Merkel anscheinend gelassen, sogar mit einem Hauch von Selbstironie. Entschlossen läuft die Kanzlerin auf die CSU-Bühne, stellt sich ans Pult – und schweigt, bis es ganz ruhig im riesigen Messesaal ist. „Ob Sie’s glauben oder nicht“, sagt sie dann ins Mikrofon: „Ich freue mich, wieder bei Ihnen zu sein.“

Heiterkeit bricht aus, denn, nein, es ist kaum zu glauben. Auf genau dieser Bühne beim Parteitag vor zwei Jahren hatte Merkel 15 Minuten lang wie ein Schulmädchen ausharren müssen, als Horst Seehofer sie nach ihrer matten Standardrede maßregelte – ein Eklat zwischen den Schwesterparteien im Flüchtlingsherbst 2015. In Eiseskälte, schweigend, hatten die Delegierten anschließend zugesehen, wie Merkel einen Seitenausgang des Saals genommen hatte. Über den Auftritt wurde monatelang kontrovers diskutiert, einer von fortan vielen Tiefpunkten in der Geschichte der Union. Zum nächsten CSU-Parteitag 2016 wurde Merkel nicht mal mehr eingeladen.

„Diese letzten Jahre waren keine einfachen Zeiten“

Freude? Jetzt? Die CDU-Vorsitzende tut etwas, was sie in Reden selten wagt: Sie spricht das Problem direkt an. Bereits in den ersten drei Minuten ihres Auftritts am Freitagabend in Nürnberg redet sie offen über die Differenzen in der Union. „Diese letzten Jahre, da sind wir uns einig, waren keine einfachen Zeiten.“ Sie räumt, wenn auch vorsichtig, eine Korrektur der Flüchtlingspolitik ein. Sie dankt sogar der CSU, die ihren Kurs anfangs so energisch kritisiert hatte: „Es war gut, dass wir miteinander gerungen haben.“ Und ironisch fügt sie an, für sie und Seehofer gelte ja die alte Platte „Marmor, Stein und Eisen bricht, aber uns’re Liebe nicht“.

Ein, zwei Pfiffe in der Halle, ein kleines Protestplakätchen – das war’s an offener Auflehnung gegen Merkel. Stattdessen gibt es höflichen, wenn auch nicht leidenschaftlichen Beifall, draußen vor der Halle schenkt man ihr sogar oberfränkischen Lebkuchen. Erkennbar gewährt die CSU-Basis einen Vertrauensvorschuss. Merkel, die auf Parteitagen und – besonders verheerend – im Wahlkampf in Bayern lustlos unpersönliche Reden abgespult hatte, dankt es mit konkretem Eingehen auf die CSU. Sie hat sich diesmal Gedanken gemacht, vorab 20 Minuten mit Seehofer in einem Nebenraum geredet.

Merkel bietet Söder Zusammenarbeit an

Die Rede ist nicht brillant, das sind Merkel-Reden nie, aber in Ordnung. Namentlich spricht sie viele im Saal an, duzt demonstrativ Alexander Dobrindt, erinnert an ihre letzten Auftritte etwa in München-Trudering. Sogar Markus Söder, den sie nicht duzt und der in der ersten Reihe im Sitz hängt, bietet sie eine „gute Zusammenarbeit“ an.

Inhaltlich benennt sie, was die CSU umtreibt, und zwar nicht in rosarote Watte gepackt. Merkel räumt ein, dass es No-Go-Areas im Land gebe, „Räume, wo die Polizei Angst hat, hinzugehen. Wir werden mit aller Entschiedenheit dagegen kämpfen“. Sie kritisiert den Verfahrensstau bei den Gerichten, um Jahre verschleppte Urteile. Und spricht offen über die AfD, deren Populismus man mit „Ernsthaftigkeit“ kontern müsse.

Am Ende stehen zahlreiche Delegierte auf

Freilich: Die Lage hat sich geändert. Merkel hat bei der Bundestagswahl so viele Stimmen verloren, dass sie jetzt auf die CSU angewiesen ist, um Kanzlerin zu bleiben. Der Saal reagiert aber zunehmend positiv, am Ende stehen zahlreiche Delegierte auf – nicht um nach draußen an den Wurststand zu fliehen wie viele 2015, sondern klatschend. Seehofer geht wieder rauf auf die Bühne, bemüht sich aber, jeden Fehler zu vermeiden. Ausnahmsweise vom Zettel liest er ab, was er der „lieben Angeeela“ noch sagen möchte, es ist ausschließlich Lob. Nur ein Zwischenton, als er ein „Wir haben verstanden“ in der Union fordert. Er bemüht sich auch, Merkel in seiner Fünf-Minuten-Replik im Blick zu behalten, damit sein Auftritt ja nicht wieder zum Parallel-Referat gerät.

Vor dem Saal drückt ihr ein Delegierter noch einen Blumenstrauß in die Hand, den zweiten an diesem Abend. So viel Harmonie? Zumindest Hoffnung, macht sie deutlich: Man werde weiterhin Reibereien haben, ruft Merkel Seehofer zu. „Manche stärken uns, manche schwächen uns. Die Phase der Schwäche haben wir jetzt hinter uns.“

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Und: CSU-Parteitag in Nürnberg: Das müssen Sie wissen

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