Brand an der Wiesn breitet sich aus - Spezialisten vor Ort

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NDR-Journalistin Anja Reschke bei einem Auftritt im Juni.

Hassbotschaften für Journalistin

Auf einmal kam die Polizei: Das erlebte Anja Reschke nach dem „Tagesthemen“-Kommentar

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Gegen Hass und Drohungen in der Diskussion über Flüchtlinge wollte sich Anja Reschke in einem Kommentar wenden - schnell wurde die Journalistin selbst zur Zielscheibe.

Hamburg - Einen „Aufstand der Anständigen“ hatte sich NDR-Journalistin Anja Reschke im August 2015 in den „Tagesthemen“ gewünscht: Mit Hasskommentaren gegen Migranten fange es an - Brandanschläge könnten der nächste Schritt sein, mahnte Reschke damals auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise.

Dass es beileibe nicht nur „Anständige“ in Deutschland gibt, musste Reschke allerdings im Anschluss selbst erfahren, wie sie jetzt der Zeit in einem Interview preisgegeben hat. Nach ihrem Kommentar sei sie selbst Opfer massiver Hetze geworden, sagte die Journalistin. Sogar sehr bedrohliche Ereignisse habe es gegeben.

Plötzlich steht die Polizei vor der Tür - voll bewaffnet

„Einmal hat jemand bei der Polizei angerufen und gesagt, ich läge zerstückelt in meiner Küche“, berichtete Reschke dem Blatt. Daraufhin sei auf einmal eine voll bewaffnete Polizeieinheit vor ihrer Tür gestanden. Auch Beleidigungen wie „du linksversiffte Schlampe“ und „bezahltes Lügenmaul“ habe sie nach ihrem Appell erdulden müssen. Allein steht Anja Reschke mit diesem Problem nicht da. Auch Kolleginnen wie Dunja Hayali erleben immer wieder Anfeindungen.

Die Erfahrung mit dem Hass aus dem Netz habe aber Spuren hinterlassen. Wenn heute jemand auf sie zukomme und sage: „Sie sind doch Frau Reschke“, dann halte sie kurz die Luft an und frage sich: Freund oder Feind? "Das Erlebte hat mir vielleicht meine Unbefangenheit genommen. So eine grundpositive Einstellung", sagte Reschke. Mehr als die Drohungen habe sie allerdings die rassistische Welle unter dem bürgerlichen Deckmantel erschüttert. 

Reschke dachte an Rückzug

Sie habe sogar mit dem Gedanken gespielt keine Kommentare mehr zu sprechen und nicht mehr in Sendungen zu gehen, erzählte die Nachrichtenjournalistin weiter. „Aber dann dachte ich: Das kann doch nicht sein, das ist doch dein Job, du hast nichts Falsches gemacht.“

Reschke hatte in ihrem Wortbeitrag in den „Tagesthemen“ unter anderem gerügt, die Deutschen pöbelten im Netz mittlerweile offen unter ihrem Klarnamen. „Anscheinend ist das nicht mal mehr peinlich. Im Gegenteil, auf Sätze wie ‚Dreckspack‘ soll im Meer ersaufen‘ bekommen sie ja auch noch begeisterten Zuspruch und eine Menge Likes“, sagte sie - und forderte stattdessen eine sachliche Diskussion ein.

Bereits unmittelbar nach der Sendung hatte Reschke - die das Ressort Innenpolitik des NDR leitet - in den sozialen Netzwerken neben viel Zuspruch auch Anfeindungen erhalten. Einschüchtern ließ sie sich letztlich aber nicht: Im Herbst 2016 meldete sich Reschke mit einem weiteren, ähnlichen TV-Kommentar zu Wort.

Anja Reschkes Kommentar aus dem August 2015 im Video:

Warum Filmstar Til Schweiger von Hasskommentaren auf seiner Facebook-Seite angeblich sogar profitiert, das erfahren Sie in diesem Artikel.

fn/dpa

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