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Ein Tornado startet in Richtung Türkei.

Tornados heben ab

Hier startet die Bundeswehr zum Kampf gegen den IS

Jagel - Die ersten deutschen Tornado-Jets sind am Donnerstag vom schleswig-holsteinischen Jagel in die Türkei gestartet. Von dort aus beginnt im Januar der Aufklärungseinsatz gegen die Terrormiliz IS in Syrien.

Donnerstagvormittag, 11.18 Uhr: Der „Tornado“-Pilot startet den Nachbrenner. Dann schießt der Aufklärungsjet mit Tempo 300 und Höllenlärm über die Startbahn des Flugplatzes Jagel in Schleswig-Holstein und hebt ab. Kurz vorher ist bereits der neue Luftwaffen-Airbus A400M mit Technik und rund 40 Soldaten des Vorauskommandos an Bord in den wolkenverhangenen Himmel aufgestiegen. In Köln ist parallel dazu ein Airbus A310 gestartet, umgebaut zu einer fliegenden Tankstelle. Für die Luftwaffe hat der Einsatz gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) begonnen.

Den beiden „Tornados“ aus Jagel sollen vier weitere folgen. Stationiert werden die deutsche Flieger in Incirlik in der Türkei. „Dieser Einsatz ist sicherlich gefährlich“, hat vor dem Start in Jagel Geschwader-Kommodore Michael Krah gesagt. Und zugleich beruhigt: „Sorgen muss man sich natürlich machen, aber keine übertriebenen.“ Der Oberst selbst sitzt dann als Waffensystemoffizier in einem der beiden „Tornados“.

„Vertrauen Sie auf Ihr Können“, ermuntert der Kommandierende General des Luftwaffentruppenkommandos, Generalleutnant Helmut Schütz, die Soldaten. Auch mehrere Angehörige, unter ihnen Ehefrauen und Kinder, verfolgen vor dem Start den militärischen Appell in einem Hangar des Flugplatzes von Jagel.

Eine ähnliche Zeremonie spielt sich in Köln ab. Die Frage, wie es sein wird, zu Weihnachten ohne die Familie im Einsatz gegen den Terrorismus zu stehen, beantwortet dort Major Martin J. betont nüchtern: „Es ist natürlich ein suboptimaler Zeitpunkt.“ Nicht schön, aber zu verkraften. Es ist sein Job. „Man versucht, die Freunde, die Bekannten, die Familie zu beruhigen.“

In Köln verabschiedet der Kommandeur der Fliegenden Verbände, Brigadegeneral Günter Katz, die 16 Männer. Danach sagt er: „Ich zitiere hier die Ministerin, die gesagt hat: Der Einsatz ist gefährlich.“ Aber wie ein Mantra bekräftigen alle Beteiligten, dass sie sich „gut vorbereitet“ fühlen.

Der Kampfjet-Experte Thomas Wassmann unterstützt diese Motivation. Trotz eines Ministeriumsberichts, wonach derzeit nur 29 von 66 verfügbaren „Tornados“ einsatzbereit sind, hat er keine Zweifel an der technischen Sicherheit der deutschen Jets im Syrien-Einsatz. „Im Zweifelsfall bleibt die Maschine eher am Boden“, sagt der Vorsitzende des Verbandes der Besatzungen strahlgetriebener Kampfflugzeuge der Deutschen Presse-Agentur. „Wenn die Maschinen zum Flug antreten, dann sind die auch tipptopp in Schuss.“

Er schätzt die Gefahrensituation der deutschen Piloten bei ihren ab Januar geplanten Aufklärungsflügen als nicht besonders hoch ein. Zwar sind die Bilder des abgestürzten und vom IS verbrannten jordanischen Piloten Muas al-Kasasba unvergessen. Aber Wassmann sagt: „Der IS verfügt weder über Kampfflugzeuge, noch über professionelle, weitreichende Luftabwehrsysteme.“ Wenn sich die „Tornados“ in entsprechenden Flughöhen aufhielten, sollte seiner Einschätzung nach durch den Gegner nicht allzu viel passieren können.

Linke: Syrien-Einsatz der Bundeswehr rechtswidrig

Gleichzeitig zum Beginn des Tornado-Einsatzes hat die Linke im Bundestag ein Rechtsgutachten vorgelegt. Dieses kommt zum Schluss, dass der Syrien-Einsatz der Bundeswehr rechtswidrig ist. „Die von der Bundesregierung in Anspruch genommene rechtliche Begründung für die Entsendung deutscher Streitkräfte nach Syrien ist unhaltbar“, heißt es in dem 11-seitigen Papier des emeritierten Rechtsprofessors Norman Paech.

Ob die Linke gegen den Einsatz vor das Bundesverfassungsgericht zieht, ist auch nach Vorlage des Gutachtens unklar. Alle drei möglichen Klagewege sind für die Fraktion nur schwer zu beschreiten. Bei einer Organklage der Fraktion muss nachgewiesen werden, dass Parlamentsrechte eingeschränkt wurden. Das dürfte in diesem Fall schwierig werden. Das Parlament hat mit großer Mehrheit zugestimmt.

dpa

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