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Kilic wechselte bei seinem Auftritt bei „Anne Will“ zwischen Deutsch und Türkisch hin und her.

Kritik an Entscheidung zum Auftritt

„Anne Will“: Ließ sich die ARD von türkischem Minister austricksen?

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München - Der Auftritt des türkischen Ministers Akif Cagatay Kilic bei „Anne Will“ sorgte für viel Aufsehen. Doch auch eine Entscheidung der ARD zieht Kritik nach sich.

Die vergangene Woche zeigte, wie unterschiedlich die Auffassungen von Demokratie, Meinungsfreiheit und auch Rechtstaatlichkeit in Deutschland und der Türkei sind. Und am Wochenende sorgte dann die Verweigerung eines Auftrittes des türkischen Außenministers und die Ausweisung der Familienministerin aus den Niederlanden für weiteren Zündstoff im EU-Türkei-Verhältnis. Umso erstaunter dürften einige Zuschauer gewesen sein, dass der Sportminister der Türkei, Akif Cagatay Kilic, zu Gast im Sonntagabend-Talk von „Anne Will“ war und sich dort eine lebhafte Diskussion mit Kanzleramtsminister Peter Altmaier lieferte.

Die beiden sprachen natürlich auch als Diener ihrer Vorgesetzten: Altmaier vertrat die Positionen der Bundesregierung engagiert, und Kilic hielt in seiner Funktion als Fürsprecher des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan dagegen. Und das zweisprachig. Er wechselte fließend und immer wieder zwischen dem Deutschen und dem Türkischen hin und her. Die Erklärung dafür, dass er Ersteres perfekt beherrscht, ist, dass der türkische Amtsträger in Deutschland geboren und aufgewachsen ist. Andererseits gilt er als Hardliner und treuer Verfechter des Kurses der AKP.

Kilic antwortet zweisprachig - entgegen Absprachen

Doch gerade seine doppelzüngigen Antworten sorgten im Nachhinein für noch mehr Kritik: Denn ursprünglich war laut Focus online der Plan, dass Kilic ausschließlich Türkisch sprechen sollte, weswegen die Redaktion von „Anne Will“ auch zwei Simultan-Dolmetscher zur Verfügung stellte. Doch der Minister hielt sich nicht an den Plan - und brachte so nicht nur den Dolmetscher ordentlich ins Schwitzen, sondern nutzte seine Redezeit noch dazu, um immer wieder mal Werbung für das nahende Referendum in der Türkei zu machen.

Der ARD-Sprecher Ralf Pleßmann erklärte hierzu Focus online: „Herr Kilic entschied sich dann während der Sendung spontan dazu, das Gespräch teilweise in deutscher Sprache zu führen.“ Grundsätzlich zeigt sich das Erste durchaus zufrieden sowohl mit dem „Verlauf der Diskussion“, als auch der „Aufarbeitung des Themas“. Das wiederum sieht der CSU-Bundestagsabgeordnete Stephan Mayer ganz anders. Er lobte zwar die Intention, einem ausländischen Gast die Möglichkeit zu geben, sich in einer deutschen Sendung in seiner Muttersprache zu äußern. Doch dann setzte Mayer an.

„Diese Kritik muss sich die ARD gefallen lassen“

„Im Fall von Kilic halte ich das für völlig überzogen. Diese Kritik muss sich die ARD schon gefallen lassen.“ Er spielte damit auf die Freiheiten an, die sich der türkische Minister selber genommen hat. 

Ob er dabei sein Gastrecht überstrapazierte, dies sei der Interpretation der Zuschauer überlassen. Klar ist aber: Erdogans Minister nutzte die Bühne die ihm bei „Anne Will“ geboten wurde, nicht nur für die Diskussion mit Altmaier. Sondern eben auch für durch eine geschickte Verwirrungstaktik verdeckte Werbung für seinen Chef.

bix

Video EU und Türkei - Ein brüchiges Verhältnis?

Video: SnackTV

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