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Abgeordneter Günther Felbinger

Nach Herzattacke im Landtag

Auftritte trotz Krankschreibung: Neue Fragen um Felbinger

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Günther Felbinger findet die Zweifel an seiner Krankheit ungerecht. Doch je mehr sich der Abgeordnete (Freie Wähler) zu seinen Fehlzeiten erklärt, desto mehr Fragen tauchen auf.

München – Am Telefon klingt Günther Felbingers Stimme matt. Er habe am 27. April im Bildungsausschuss des Landtags eine Herzattacke erlitten, sagt der Abgeordnete (55). „Nachmittags bin ich gleich zu einem Kardiologen in München.“ Seitdem fehlt er im Landtag, trat in seinem Stimmkreis in Unterfranken aber mehrfach auf. Dass es deshalb in der Fraktion der Freien Wähler Unmut gibt, versteht er nicht. Felbinger kontert die Kritik, indem er Details zu seiner Krankengeschichte öffentlich macht. Doch je mehr er preisgibt, desto mehr Fragen tauchen auf.

Eine Herzattacke ist ein medizinischer Notfall. Andere Teilnehmer im Bildungsausschuss sagen, sie hätten davon nichts mitbekommen. „Im Saal war nichts“, erzählt einer. „Es war jedenfalls keinerlei Intervention nötig.“ Am Abend saß Felbinger dann im Münchner Hofbräuhaus, beim Maibockanstich mit Django Asül. Das zeigen Bilder und Videos. Danach gefragt, antwortet der Abgeordnete zunächst mit Schweigen. In der Telefonleitung knackt es ein paar Mal, dann holt er tief Luft und sagt: „Ja, das stimmt.“

Der Ärger für Felbinger nimmt zu

Wie passen eine Herzattacke und der Besuch beim Maibock zusammen? „Der Kardiologe hat gesagt, das ist unbedenklich“, sagt Felbinger. Erst bei Folgeuntersuchungen habe sich herausgestellt, wie schlecht es ihm gehe, zudem habe er einen Hörsturz gehabt.

Der Ärger für Felbinger nimmt zu. Einerseits ist da der Betrugsvorwurf: Der Abgeordnete soll Gelder für die Landtagsarbeit kassiert, aber statt für Mitarbeiter anderweitig genutzt haben. 60 000 Euro hat er schon an den Landtag zurückgezahlt, im Herbst beginnt der Prozess am Münchner Landgericht. Und jetzt die Fragen um die Fehlzeiten.

Die Symptome einer Herzattacke sind nicht immer sofort zuzuordnen, sagt Prof. Heribert Schunkert, Klinikdirektor am Deutschen Herzzentrum in München. „Schmerzen in der Brust könnten einen Herzinfarkt und damit Lebensgefahr bedeuten, aber auch harmlos sein.“ Mit Glück sei der Fall nach dem zwingend notwendigen Screening im Krankenhaus nach drei bis sechs Stunden erledigt und eine weitere Behandlung nicht notwendig.

Seit 5. Mai hat Felbinger ständig Behandlungen

Natürlich: Wie krank Felbinger ist, wissen nur er und sein Arzt, der ihn am 5. Mai krankgeschrieben hat. „Seit diesem Tag erfolgen nahezu an jedem Werktag Therapien und Behandlungen“, schreibt Felbinger auf seiner Internetseite. Die würden in Lohr am Main stattfinden – 340 Kilometer vom Landtag entfernt. „Das macht es unmöglich, zu den Sitzungen nach München zu fahren.“

Die Fehltage im Landtag kosten Geld

Ursprünglich, sagt der Abgeordnete, wollte er schon zurück sein, aber der Arzt habe ihn am Montag nochmal zwei Wochen krankgeschrieben. Rechtfertigen braucht sich Felbinger für die Fehlzeit nicht, denn Abgeordnete müssen sich nicht krankmelden. Ihre Diät (8022 Euro) bekommen sie auf jeden Fall, nur bei der Kostenpauschale (3398 Euro) wird laut Artikel 7 des Abgeordnetengesetzes Geld abgezogen: für jede versäumte Plenarsitzung 100 Euro, jede Ausschusssitzung 50 Euro und jede namentliche Abstimmung 25 Euro. Macht für Felbinger im Mai ein Minus von 550 Euro, im Juni 350 Euro. Gegenüber dem „Main-Echo“ spricht er von monatlichen Abzügen zwischen 500 und 1000 Euro. „Das ist in Ordnung“, sagt er. „Aber es ist nicht ganz leicht, darauf zu verzichten.“

Die öffentlichen Auftritte – beim Musikschuljubiläum in Gemünden, beim Kirchweihfest oder dem Stadtlauf – habe er in den vergangenen zwei Wochen bewusst wahrgenommen. „Mit unterschiedlichen Lärmpegeln im Sinne einer durchaus üblichen Wiedereingliederung.“ Er teste, ob er für die Dauerbelastung im Landtag wieder fit sei. Tatsächlich übt Felbinger schon länger, das zeigt ein Blick auf seine Facebook-Seite. Am 29. April, zwei Tage nach der geschilderten Herzattacke und dem Besuch im Hofbräuhaus, eröffnete er Feldgeschworenentage im Kreis Main-Spessart. Am 1. Mai zeigen ihn Bilder auf der Maifeier in Gemünden. Und an dem Tag, an dem ihn sein Arzt krankschrieb, veröffentlichte Felbinger um 16.50 Uhr ein Foto aus dem Gesundheitszentrum in Lohr – passenderweise von der Einweihung des Herzkatheter-Labors.

dor

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