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Tote und Verletzte bei Konzert in Manchester.

Anschlag bei Ariana-Grande-Konzert

Augenzeugenberichte aus Manchester: Frau starb in den Armen eines Bettlers

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Nach dem Terroranschlag am Montagabend in Manchester berichten Augenzeugen, die dem Horror entfliehen konnten, von dem traumatischen Erlebnis.

Manchester - Nach dem schockierenden Terroranschlag am Montagabend bei einem Konzert der US-Sängerin Ariana Grande im britischen Manchester befindet sich ganz Europa in einer Schockstarre.

Besonders traumatisch sind die Erlebnisse für die Augenzeugen, die sich in unmittelbarer Nähe der Geschehnisse aufhielten. Einige der Zeugen berichten nur Stunden nach dem Attentat von ihren schrecklichen Erlebnissen.

Abby Mullen (17) aus Airdire sagte gegenüber der Daily Mail: „Als wir gingen, explodierte eine Bombe oder etwas ähnliches nur Zentimeter vor mir.“ Die Dinge die sie erlebt hat, sagt sie, werden ihr Gedächtnis nie wieder verlassen. Abbys Mutter ergänzt, dass sie selbst kaum glauben kann, dass sie überlebt haben: „Da war eine Frau neben mir, ich sah sie, und ich bin mir sicher, das sie tot war.“ Sie seien voller Blut gewesen, so Abbys Mutter. Sie habe ihre Tochter schließlich angewiesen, ihre High Heels auszuziehen und so schnell es ging die Treppe zu nehmen. Abby sei noch immer traumatisiert und traue sich nicht, das Bett zu verlassen. Sie weine die ganze Zeit. „Es war ihr erstes Konzert“, sagt Abbys Mutter, „jetzt glaube ich nicht, dass sie so schnell noch einmal auf eines gehen wird.“

Gary Walker aus Leeds war mit seiner Frau im Foyer, als die Bombe hoch ging. Sie waren gekommen, um ihre Töchter abzuholen. „Ich stand etwa drei Meter von der Explosion entfernt. Ich bin erstaunt, dass ich so leicht davon gekommen bin. Meine Frau hat eine Wunde und ein gebrochenes Bein,“ erzähle Walker gegenüber der Daily Mail. Seine Töchter, die zum Zeitpunkt der Explosion noch im Konzertsaal waren, hätten sich schließlich per Handy bei ihnen gemeldet.

„Eine Frau starb in meinen Armen“

Andere hatten weniger Glück. Chris Parker (33), der hin und wieder im Foyer der Arena um Geld bettelt, hatte ebenfalls ein traumatisches Erlebnis. Als die Bombe hochging sei eine Frau mit schweren Kopf- und Beinverletzungen auf ihn zugetaumelt. Sie sei in seinen Armen gestorben. „Ich habe nicht aufhören können zu weinen“, so Parker gegenüber der Daily Mail.

Dutzende weitere Augenzeugen berichten immer wieder von dem Ende des Konzerts. Ariana Grande sagte noch „Tschüss Manchester“ dann habe es einen Knall gegeben und die Lichter seien ausgegangen. Die Menschen hätten geschrien und es habe eine Art Massenpanik gegeben, so die Berichte.

Oliver Jones (17) hielt sich zum Zeitpunkt der Explosion in der Toilette auf. Seine 19-jährige Schwester befand sich im Foyer. „Alle fingen an zu rennen, in Schock und in Panik. Immer wieder sieht man Berichte über solche Dinge aber man würde nie erwarten, dass man plötzlich mittendrin steckt. Ich bin nur los gerannt, um sicherzugehen, dass es meiner Schwester gut geht.“

Eltern suchen panisch nach ihren Kindern

Vor allem die Panik vieler Eltern, die gekommen waren, um ihre Kinder abzuholen, bleibt vielen im Gedächtnis. Erika Ignata (18) beschreibt Massen von Eltern, die herum rannten und weinten und verzweifelt versuchten, ihre Kinder zu erreichen. „Ich sah Mädchen weinen und Mütter rufen. Viele Leute zitterten und versuchten mit ihren Handys, Angehörige zu erreichen.“

Trotz der Panik versuchten noch viele Menschen, einander zu helfen. So berichten Augenzeugen von einem jungen Mann, der schwer verletzt noch versuchte, andere Opfer zu retten. Eine Frau beschreibt, wie ein Taxifahrer sie und ihre Tochter kostenlos nach Hause fuhr. Auch die Hotels in der näheren Umgebung halfen mit. Sie boten den Leuten Obdach, die es in der Nacht nicht mehr aus eigener Kraft nach Hause schafften.

Bei dem Attentat kamen nach derzeitigem Ermittlungsstand 22 Menschen ums Leben, etwa 60 Personen wurden verletzt. Unter den Toten sind auch viele Kinder, was Vermutungen zufolge auch das erklärte Ziel des Attentäters gewesen sein könnte. In den sozialen Netzwerken suchen verzweifelte Familien noch immer nach ihren Angehörigen. Ein IS-Sympathisant soll den Anschlag schon Stunden zuvor auf Twitter angekündigt haben, mittlerweile hat sich der IS offiziell zu dem Anschlag bekannt. Auch Prominente und Politiker äußerten sich in der Zwischenzeit, unter anderem Premierministerin Theresa May und Bundeskanzlerin Angela Merkel, zu den Geschehnissen. Alle weiteren Entwicklungen finden Sie hier im Ticker.

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