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Nach mutmaßlichem Giftgasangriff

„Schlimmer als der Tod“: Schock-Bericht von Augenzeuge

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Berlin/Idlib - Eine mutmaßliche Giftgasattacke auf syrische Zivilisten hat weltweit für Entsetzen gesorgt. Augenzeugenberichte verstärken das Grauen zusätzlich.

Ein mutmaßlicher Giftgasangriff in der nordwest-syrischen Provinz Idlib hat die Weltöffentlichkeit alarmiert. Gesicherte Informationen aus der Region sind nach wie vor rar - nach Autopsien in der Türkei scheint sich aber der schlimme Verdacht auf den Einsatz von Giftgas zu bestätigen. Von 86 Toten, darunter 20 Kindern, spricht die den Rebellen nahe stehende Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Drastischer als die bloßen Zahlen wirken aber die Augenzeugenberichte, die mittlerweile aus dem vom Bürgerkrieg gebeutelten Syrien nach Deutschland dringen. So hat etwa ein junger Sanitäter der Welt von seinen Eindrücken berichtet. Er habe „das Giftgas-Verbrechen vor Ort erlebt“, versicherte er dem Blatt per WhatsApp.

„Aus ihren Mündern kam Schaum“

Schon unmittelbar nach der Ankunft am Anschlagsort, einem Wohngebiet, sei das Bild erschreckend gewesen, zitiert die Zeitung ihre Quelle. Kinder, Frauen und Männer seien auf der Straße gelegen: „Ihre Augen waren wild, und aus ihren Mündern kam Schaum.“ Wunden seien an ihren Körpern nicht zu sehen gewesen. Dafür habe ein weiteres Indiz für einen Giftgasanschlag gesprochen; „die Luft roch nach Bittermandeln.“

Insgesamt vier Stunden habe es gedauert, alle Verletzten zu medizinischen Sammelpunkten zu bringen - nicht zuletzt, weil „sich das Gas so über die Stadt verteilt“ habe. Die Menschen hätten sich erbrochen und über Atemprobleme geklagt. „Dass ich ihnen nicht helfen konnte, war schlimmer als der Tod“, erzählte der 21 Jahre alte Sanitäter der Welt.

Politische Auswirkungen noch offen

Bereits zuvor hatte die Bild-Zeitung mit mehreren Menschen aus der betroffenen Stadt Chan Scheichun gesprochen. Ein Augenzeuge bestätigte der Zeitung, dass der Angriff sich in einem Wohnviertel mit vielen Kindern und alten Bewohnern ereignet habe. „Das Giftgas, vermutlich Sarin, war noch überall, in einem Umkreis von bis zu 600 Metern war alles verseucht. Jeder, der sich dort aufhielt, ist erstickt! Die Aktivisten sagten, dass 25 Menschen sofort nach dem Angriff tot waren. Alles Frauen und Kinder.“

Auch im Straßenbild sei der Angriff auf erschreckende Weise präsent gewesen: „Die Bäume sind schwarz geworden und in den Straßen liegen erstickte Vögel, die tot vom Himmel gefallen sind.“

Streit um den Schuldigen

Welche Auswirkungen die mutmaßliche Giftgas-Attacke innerhalb des Syrien-Konflikts und weltpolitisch haben wird, ist noch offen. US-Präsident Trump sprach von einer „überschrittenen roten Linie“ und ließ seine UN-Botschafterin Maßnahmen androhen. 

Die USA machen den syrischen Machthaber Baschar al-Assad für den Anschlag verantwortlich. Syrien bestreitet hingegen den Einsatz von Chemiewaffen in der Stadt Chan Scheichun. „Ich betone, dass wir diese Art von Waffen nicht eingesetzt haben und nicht einsetzen werden, weder gegen Zivilisten noch gegen Terroristen“, sagte der syrische Außenminister Walid al-Muallim am Donnerstag in Damaskus.

fn (mit dpa)/Video: snacktv
 

Rubriklistenbild: © dpa

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