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Außenministerin Baerbock: «Russland nutzt Hunger als Kriegswaffe»

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Europäischer Zusammenhalt wichtig für Außenministerin Barbock
Will entschlossen gegen Welthunger vorgehen: Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) © Britta Pedersen / dpa

Außenministerin Annalena Baerbock hat die internationale Staatengemeinschaft dazu aufgerufen, den Kampf gegen Hunger in der Welt entschlossen aufzunehmen.

Berlin - «Es werden über 44 Milliarden Euro dieses Jahr gebraucht, die erst zur Hälfte finanziert sind», sagte die Grünen-Politikerin am Freitag in Berlin.

Die Lage sei hochdramatisch. 345 Millionen Frauen, Kinder und Männer seien weltweit von Nahrungsmittelknappheit bedroht. «Es ist eine Hungerkrise, die sich wie eine lebensbedrohliche Welle vor uns auftürmt.» Die Gründe dafür seien zum Teil nicht neu und zum Beispiel im Klimawandel und in den Folgen der Corona-Pandemie zu suchen. «Aber erst Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine hat aus einer Welle einen Tsunami gemacht», sagte Baerbock. «Russland nutzt Hunger ganz bewusst als Kriegswaffe und macht die ganze Welt zur Geisel.»

Die Außenministerin äußerte sich zusammen mit Entwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) und Agrarminister Cem Özdemir (Grüne) vor einer internationalen Konferenz zur Ernährungssicherheit in Berlin. Dazu hätten kurzfristig rund 50 Delegationen zugesagt, etwa 40 Ministerinnen und Minister seien gekommen, sagte die gebürtige Hannoveranerin Baerbock. Auch US-Außenminister Antony Blinken war dazu nach Berlin gereist.

Schulze erläuterte, rund 400 Millionen Menschen weltweit würden normalerweise mit Lebensmitteln aus der Ukraine versorgt. In vielen Ländern blieben diese Lieferungen jetzt aus, noch mehr Länder litten unter den hohen Weltmarktpreisen infolge des Kriegs in der Ukraine. «Es sind wie immer die Ärmsten, die am stärksten leiden.» Diesen Menschen bleibe oft nur der Hunger. Die Bundesregierung werde in diesem Jahr insgesamt rund vier Milliarden Euro zur Bekämpfung des Hungers weltweit investieren.

Es gehe auch darum, mit mehr Nachhaltigkeit die nächste und übernächste Ernährungskrise zu vermeiden. Nötig seien mehr Anbau von stärker klimaangepassten Sorten wie Hirse in den Entwicklungsländern, mehr Lagerkapazitäten vor Ort und mehr regionaler Handel, betonte Schulze.

Özdemir sprach von einer «mehrdimensionalen Kriegsführung» des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Diese wolle die Ukraine militärisch besiegen, führe einen Hungerkrieg gegen den globalen Süden und einen Energiekrieg gegen die Europäische Union. «Darum ist die Botschaft heute auch: Wir werden uns nicht von Putin einschüchtern lassen. Jetzt geht es auch darum zu zeigen, aus welchem Holz wir geschnitzt sind.» (dpa)

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