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Henning Riecke (51): Politologe und Experte für Transatlantische Beziehungen.

Außenpolitik-Experte

„Trump ist jemand, der sich überzeugen lässt“

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München - Der US-Besuch von Kanzlerin Merkel wurde verschoben. Ein Politologe erklärt nun, was von dem Treffen mit Donald Trump zu erwarten ist.

Wegen eines Schneesturms ist der für Dienstag geplante Besuch von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bei US-Präsident Donald Trump kurzfristig verschoben worden – voraussichtlich auf Freitag. In Washington wollen sich beide kennenlernen, aber es geht auch inhaltlich zur Sache. Henning Riecke von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik glaubt an Trumps Vernunft.

Herr Riecke, manche glauben, bei dem Treffen gehe es um die Zukunft des Westens. Stimmt das?

Henning Riecke: Ich denke nicht, dass sich die Zukunft des Westens an Merkels Verhältnis zu Trump entscheidet. Er wird die westliche Welt nicht zu Grabe tragen, aber es stimmt: Trumps Politik macht die Zusammenarbeit in vielen Bereichen nicht leicht. Hier Wege zu finden, ist Merkels Herausforderung.

Vom Typ her sind Merkel und Trump grundverschieden. Werden sie trotzdem miteinander können?

Riecke: Merkel wird sehr gut vorbereitet in dieses Gespräch gehen und sich genau überlegen, wie man Trump dafür gewinnen kann, an der Zusammenarbeit festzuhalten. Wie man hört, ist Trump jemand, der zuhört und sich überzeugen lässt. Und er weiß, dass sich etwa in Sachen Russland kein anderer Politiker so gut auskennt wie die Kanzlerin.

Es heißt, er wolle sich bei ihr Rat für den Umgang mit Putin holen. Setzt er doch mehr auf die alten Partner, als er zugibt?

Riecke: Das gute Verhältnis zu den Europäern ist eine Säule der amerikanischen Macht, das ahnt auch Trump. Er ist bereit, alles auf den Prüfstand zu stellen, aber wenn er versteht, dass etwa die wirtschaftliche Kooperation mit uns sehr gesund ist für Amerika, wird er seine Kritik an Europa und Deutschland zurückfahren.

Im Wahlkampf hat er Merkel noch verteufelt.

Riecke: Das stimmt. Aber auch Merkel hat in ihrer Zweieinhalb-Minuten-Rede über Werte gezeigt, dass sie nicht allzu kuschelig werden will. Beide Seiten fahren innenpolitisch ganz gut damit, nicht zu sehr mit dem anderen verbunden zu werden. Das wissen sie auch. Und trotzdem ist es vorstellbar, dass beide pragmatisch zusammenarbeiten. Es muss ja über vier bis acht Jahre halten.

Die Positionen bei Einwanderung, Handel oder Verteidigung liegen klar auseinander. Wer muss Zugeständnisse machen?

Riecke: Natürlich beide. Wenn es um die Nato geht, wäre es zum Beispiel gut, wenn Merkel Trump davon abbringt, auf die Sanktionen gegen Russland zu verzichten. Gleichzeitig muss sie klarmachen, dass Europa bereit ist, mehr für seine Verteidigung auszugeben. Es ist ja auch in unserem Interesse, in diesem Punkt unabhängiger von Amerika zu werden.

Bei der Einwanderung wird’s schon schwieriger.

Riecke: Trump wird überrascht sein zu hören, dass Merkel gar nicht so weit von ihm entfernt ist. Die Amerikaner glauben, Merkel habe die Türen für Flüchtlinge und viele Dschihadisten weit aufgerissen und bis heute die Kontrolle verloren. Sie wird Trump deutlich sagen müssen, dass sie alles unternommen hat, die Situation in den Griff zu bekommen.

Werden Merkels Argumente verfangen?

Riecke: Ich denke, dass Trump im direkten Gespräch anders zu erreichen ist als durch öffentliche Diplomatie. Trump ist der persönliche Draht sehr wichtig. Möglicherweise ist er sogar erleichtert, dass jemand mit politischem Gewicht ihm Vorschläge macht, wie er schwierige Situationen lösen kann. Ich denke, er wird bereit sein, auch radikale Positionen langsam anzupassen.

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