Grüne-Kanzlerkandidatin Annalena Bearbock geht in ihrem Triell-Schlusswort auf die Zuschauer zu. (Screenshot n-tv)
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Grüne-Kanzlerkandidatin Annalena Bearbock geht in ihrem Triell-Schlusswort auf die Zuschauer zu.

Überraschungs-Moment kurz vor Ende

Baerbock geht im Triell plötzlich auf die Kamera zu - und „durchbricht die vierte Wand“

  • Naima Wolfsperger
    VonNaima Wolfsperger
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Zum Abschluss des Kanzler-Triells haben die Kandidaten eine Minute Zeit, sich an die Wähler zu wenden. Damit haben die Kandidaten von Union, SPD und Grüne versucht zu punkten.

Berlin - Der Unions-Kandidat Armin Laschet muss in seinem Triell-Schlusswort spicken. Gerade das Wort, dass er für sich in Anspruch nehmen möchte, scheint ihm in diesem Moment zu fehlen: „Standhaftigkeit“. Bei den Zuschauern scheint das nicht recht gut anzukommen. Die Blitz-Umfrage nach dem Triell sieht Laschet auf Platz drei. Besser schneidet die Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock ab, die für ihr Schlusswort sogar vor ihr Pult tritt.

Am besten kommt dennoch Olaf Scholz (SPD) an, der fest an seinem Platz verankert scheint. In ihren letzten Worten des ersten Triells der Kanzlerkandidaten sprechen Baerbock, Scholz und Laschet die Bürger direkt an. Sie haben jeweils eine Minute Zeit, ihren Wahlaufruf zur Bundestagswahl zu gestalten. Laschet überzieht ein wenig - aber nicht nur deshalb gibt es Kritik an Laschets Schlusswort.

Baerbock verspricht in ihrem Schlusswort im Triell Wandel - und verlässt plötzlich ihr Pult

Mit einem Versprechen auf Wandel leitet Annalena Baerbock als Erste ihr Abschluss-Statement ein. Trotz dreier Kandidaten stünden nur zwei Richtungen zur Wahl, so Baerbock: „Das ‚Weiter-so‘ der großen Koalition - Abwarten und im Zweifel Wegducken. Oder: Schaffen wir jetzt einen echten Aufbruch! Eine Politik, die es in Zukunft wirklich besser macht!“ Um ihren Worten Kraft zu verleihen, tritt Baerbock unerwartet am Pult vorbei und geht auf die Kamera - auf den Zuschauer zu. Sie wirbt dabei für Bildung, Lohngerechtigkeit und Klimaschutz.

Baerbocks proaktiver Auftritt kommt bei einigen Twitter-Nutzern recht gut an. „Krass gutes Schlussstatement von Annalena Baerbock beim Triell - samt Durchbrechen der vierten Wand und auch räumlich direkter Hinwendung zu den Zuschauerinnen und Zuschauern“, kommentiert Till Westermayer von der Fraktion die Grünen im Landtag Baden-Württemberg auf Twitter. Die Redewendung der vierten Wand stammt ursprünglich aus dem Theater, wenn ein Darsteller durch die virtuelle vierte Wand zum Publikum aufhebt und das Publikum direkt anspricht. Ein Versuch, den im TV-Triell zwar alle Kanzlerkandidaten angegangen sind, der Baerbock mit ihrem Schritt vors Pult aber besser gelungen zu sein scheint. „Laschet hat sein Schlusswort beim Triell vermasselt: Der Wind der Veränderung blase ihm ins Gesicht, aber er will standhaft bleiben, blieb wie Scholz hinterm Pult. Baerbock trat vors Pult, ging vorwärts und mit freundlichem, gewinnendem Blick auf die Zuschauer zu. Stark.“

Triell-Abschluss-Statement von Olaf Scholz bleibt sachlich - Lob aus ungewöhnlicher Ecke

Thematisch und nicht mit seiner Person startet auch Olaf Scholz in seinem Abschluss-Statement: „Es geht um Sie bei der kommenden Bundestagswahl und es geht um die Zukunft unseres Landes. Wir haben in den letzten Monaten gesehen, wozu wir fähig sind - was Solidarität und Zusammenhalt in dieser Gesellschaft betrifft. Und es ist mein großer Wunsch, dass das auch für die Zukunft so gilt.“ Die Fragen von allergrößter Bedeutung sehe Scholz in zwei Punkten: „Ich möchte, dass wir in einer Gesellschaft des Respekts leben“, so der SPD-Kandidat. Respekt auch vor jeder Lebensleistung. Deshalb brauche man bessere Löhne, einen höheren Mindestlohn und eine stabile Rente. „Und zweitens geht es um die Zukunft unseres Landes, um die Modernisierung. Wir müssen den menschengemachten Klimawandel aufhalten“, erläutert Scholz sachlich. Dafür stehe er zur Wahl. „Dafür möchte ich der nächste Bundeskanzler sein und Ihnen dienen“, gibt er sich bescheiden.

Für seine Sachlichkeit erhält Scholz auch Lob aus ungewöhnlicher Ecke: „Annalena Baerbock und Olaf Scholz mit starkem Abschluss, Armin Laschet überzieht mit Nichtssagen“, kommentiert etwa Jule Wenzel, Sprecherin der Grünen in Duisburg nach dem Triell auf Twitter.

Triell der Kanzlerkandidaten: Beim Schlusswort muss Armin Laschet spicken

Warum er der richtige für das Kanzleramt ist, soll auch Armin Laschet erklären - und startet mit Annalena Baerbock. Die Konkurrentin habe ihn auf eine ehrliche Art und Weise gelobt, die ihn berührt habe: Sie schätze seine „Standhaftigkeit bei Gegenwind“. Aber nicht nur dem Gegenwind möchte der Kanzlerkandidat trotzen. Auch dem Wind des Wandels: „Spüren wir nicht alle den Wind der Veränderung, der uns ins Gesicht bläst? In solchen Momenten brauchen wir ...“ Dann folgt die Pause. Mit zusammengekniffenen Augenbrauen schielt Laschet - einen Moment zu lang für eine Kunstpause - auf sein Pult, auf dem wohl die vorbereitete Rede liegt.

Armin Laschet, Kanzlerkandidat der Union, muss bei seinem Triell-Schlusswort spicken.

„Standhaftigkeit, Verlässlichkeit und einen inneren Kompass“, setzt er schließlich fort. Das sei sein Angebot an die Bürger. Das sei das Angebot der Union: „Stabilität und Verlässlichkeit in schwierigen Zeiten. Das hat uns geprägt von Konrad Adenauer über Helmut Kohl bis zu Angela Merkel. Das Team CDU will Stabilität sichern.“ Nicht zufällig gewählt dürfte dabei mit dem „Wind der Veränderung“ die deutliche Anspielung auf den sogenannten Soundtrack des Mauerfalls zum Ende des Kalten Krieges sein. „The wind of change“ der deutschen Band The Skorpions, die Ende der 1980er Jahre mit ihrem Hit eine neue Zeit des Aufbruchs und der Freiheit besungen hat.

Im Video: Kollegentalk zum zweiten Schlagabtausch im TV-Triell

Triell: Laschet kann Umfrage-Tief nicht ausgleichen

Im Kanzler-Triell am Sonntagabend konnte der Unions-Kandidat Armin Laschet (CDU) seinem aktuellen Abwärtstrend in den Umfragen somit nicht recht entgegenwirken. Als „Triell-Sieger“ proklamieren ihn jedoch von CSU-Chef Markus Söder und Parteigenosse Friedrich Merz - die dafür auf Twitter einiges an Spott ernten.

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