Pressekonferenz mit Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende Gruene und Kanzlerkandidatin
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Kritik an der Bildung von Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock hat die ARD auf Twitter gekontert - und ruderte zurück.

„Ein Versehen“

„Allgemeinbildung“-Eklat um Baerbock: ARD verteidigt Grüne - und löscht Tweet

  • Florian Naumann
    vonFlorian Naumann
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Die ARD verteidigt auf Twitter Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock gegen Kritik. Das Posting schlägt Wellen bis ins Kabinett.

Berlin - Bundestags-Wahlkampf ist in Zeiten der sozialen Medien ein besonderes Erlebnis. Das hat nun auch die ARD erfahren müssen: Der öffentlich-rechtliche Sender ist auf Twitter zwischen die Fronten geraten - und hat ein Posting gelöscht, in dem er Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock gegen Kritik eines Users verteidigt hatte. Zuvor hatte sich unter anderem CDU-Agrarministerin Julia Klöckner in sarkastischem Tonfall über die Äußerung der ARD beschwert.

Baerbock auf Twitter in der Kritik: „Grüne ohne Allgemeinbildung“ - ARD ergreift Partei

Stein des Anstoßes war ein Ausschnitt aus der Sendung „Maischberger. Die Woche“. Der von der Redaktion des Talks gepostete Clip zeigte eine Wortmeldung der Bild-Journalistin Nena Schink. Sie hatte in der Sendung erklärt, sie wolle als Kanzlerkandidatin „niemand haben, der noch Lehrling ist“. Für einen Nutzer Anlass für klare Kritik an der Politik im Allgemeinen und den Grünen im Speziellen: „Dass Politiker traditionell keine Fachkenntnisse besitzen, ist hinlänglich bekannt. Die Grünen haben es allerdings salonfähig gemacht, politische Ämter auch ohne Allgemeinbildung zu besetzen.“

Dieser Meinungsäußerung widersprach das Erste: „Wie kommen Sie dazu, dass Frau Baerbock nicht gebildet ist? Schauen Sie sich die Ausbildung der Frau an. Wenn das keine Bildung ist...“, hieß es in der Antwort. Die Parteinahme schlug schnell hohe Wellen - bis ins Kabinett von Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

ARD: Klöckner wirft Sender Post im Stil der „Geschäftsstelle der Grünen“ vor - Ministerin kassiert selbst Kritik

Klöckner - die sich unter anderem mit Kabinettskollege Hubertus Heil (SPD) häufiger Wortgefechte auf Twitter liefert - reagierte am Sonntag mit kühler, aber unmissverständlicher Kritik: „Die Bundesgeschäftsstelle der Grünen hätte nicht besser antworten können.“ Die Grünen attestierten der Ministerin in Person der Parlamentarischen Geschäftsführerin Britta Haßelmann „blank liegende Nerven“.

Doch auch die ARD griff ein. Und löschte den Tweet - nachträgliche Änderungen von Postings sind in dem Kurznachrichtendienst nicht möglich. „Wir haben unsere Antwort vom 1. Mai auf den Tweet zur Bildung von Politikern gelöscht, weil sie nichts mit dem Programm des Ersten zu tun hat. Wir bitten um Entschuldigung.“

Auch Klöckner zog allerdings teils Kritik auf sich. „Dieser Tweet ist peinlich für Sie“, urteilte die Grünen-Politikerin und Amtsvorgängerin Renate Künast. Ein offenbar der SPD angehöriger User warf der Ministerin auch vor, mit der Kritik an dem öffentlich-rechtlichen Sender „rechte Narrative zu bedienen“ und „bei der AfD und darüber hinaus auf Stimmenfang gehen“. Baerbock selbst hielt sich aus dem Streit heraus. Ihr könnten in den kommenden Wochen parteiinterne Debatten über Programm- und Personalfragen drohen. (fn/dpa)

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