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Baerbock-Buch und die Plagiatsaffäre: Parteifreund spricht von „rechtem Propagandakrieg“ - CSU zündelt

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Von: Kathrin Braun

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Zwölf Wochen vor der Bundestagswahl wird Baerbocks Glaubwürdigkeit erneut in Frage gestellt. Die Kanzlerkandidatin wird mit Plagiatsvorwürfen in ihrem Buch konfrontiert. Grüne reagieren entsetzt.

München - In dieser Plagiatsaffäre geht es diesmal nicht um den Doktortitel - für Annalena Baerbock* aber im schlimmsten Falle um die Kanzlerschaft. Der österreichische Medienwissenschaftler Stefan Weber wirft der Grünen*-Kanzlerkandidatin vor, in ihrem neuen Buch „Jetzt. Wie wir unser Land erneuern“, an einigen Stellen aus dem Internet abgeschrieben zu haben - ohne die Quellen zu nennen.

Vor zehn Tagen präsentierte Annalena Baerbock ihr erstes Buch* - in den 240 Seiten kombiniert sie die politischen Ziele der Grünen mit persönlichen Anekdoten. Das Buch mit ihrem Gesicht auf dem Cover sollte ihr eigentlich im Wahlkampf Aufschwung verleihen - jetzt konfrontiert sie aber Weber in seinem Blog mit Textpassagen, die sie zum Teil wörtlich von anderen Autoren kopiert hat.

Baerbocks Buch: Medienwissenschaftler sieht „mehrere Urheberrechtsverletzungen“

Bei Baerbocks Buch handelt es sich nicht um eine wissenschaftliche Arbeit - es gelten also keine strengen Zitierregeln wie etwa bei Dissertationen. „Vollkommen klar“, gibt auch Stefan Weber zu. Allerdings seien Textplagiate „ethisch nicht korrekt und wurden auch bereits in Sachbüchern zurecht bemängelt.“ Er spricht von „mehreren Urheberrechtsverletzungen“.

Weber hat Baerbock seit Wochen im Visier. Im Mai hat er sich mit ungenauen und falschen Details aus ihrem Lebenslauf befasst. Die Unsauberkeiten in ihrer Vita haben Schlagzeilen gemacht - und Baerbock hatte öffentlich ihre Schuld eingestanden. Jetzt ist die Strategie eine andere. Die Grünen gehen zum Gegenangriff über. „Wir führen gern harten Wahlkampf“, twitterte Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt. „Aber hört auf mit diesem Schmutz.“

Baerbocks Buch: Bütikofer spricht bei Vorwürfen von „rechtem Propagandakrieg“

Ein Sprecher der Grünen sprach von Rufmord: „Wir weisen den Vorwurf einer Urheberrechtsverletzung entschieden zurück.“ Bei den geschriebenen Passagen handele es sich um „allgemein zugängliche Fakten oder bekannte Grüne Positionen“. Grünen-Europapolitiker Reinhard Bütikofer reagierte besonders heftig und nannte die Vorwürfe gegen Baerbock einen „rechten Propagandakrieg“.

Die Partei hat außerdem den Medienanwalt Christian Schertz eingeschaltet. Der könne „nicht im Ansatz eine Urheberrechtsverletzung erkennen“. Es sei „der Versuch einer Kampagne zum Nachteil von Frau Baerbock“.

Annalena Baerbock spricht in ein Mikro und ballt ihre linke Gand zur Faust
Muss erneut viel Energie zu ihrer Verteidigung aufwenden: Annalena Baerbock sieht sich Plagiatsvorwürfen ausgesetzt. © Soeren Stache/dpa

Baerbocks Buch: Weber will nach weiteren Plagiatsstellen suchen - CSU nutzt Vorlage aus

Stefan Weber streitet das ab. Er habe aus „wissenschaftlichem Interesse“ gearbeitet. „Alle Versuche der Grünen, mir ein bösartiges Vorgehen oder Rufmord zu unterstellen, sind daher kompletter Quatsch.“ Es gebe auch keinen Auftraggeber - Weber habe das Buch mit einer Software auf eigene Rechnung geprüft. Er kündigte an, in den kommenden Wochen manuell nach weiteren Plagiatsstellen zu suchen.

Für die gegnerischen Parteien kommen Webers Vorwürfe dennoch genau richtig. CSU-Generalsekretär Markus Blume twitterte: „Vorsätzlich getäuscht, schlampig gearbeitet und bei der eigenen Leistung schon wieder hochgestapelt - das hat bei Baerbock scheinbar System und erschüttert einmal mehr ihre Glaubwürdigkeit.“

Baerbocks Buch: Unterstützung für Kanzlerkandidatin aus SPD und FDP

Andere Politiker aus der Konkurrenz nehmen Baerbock hingegen in Schutz. Die Vorwürfe gegen Baerbock seien „niveaulos und unanständig“, sagt der SPD*-Politiker Ralf Stegner. Und Marco Buschmann von der FDP* meint: „Kommt Leute! Regt Euch ab! Jeder weiß, dass Bücher von Spitzenkandidatinnen und Spitzenkandidaten vor der Wahl eher die literarische Qualität einer Werbebroschüre haben.“ Klaus-Dieter Altmeppen, Leiter des Zentrums für Ethik der Medien, spricht von einer „miesen Kampagne“. „Wenn es Plagiatsvorwürfe gibt, sollte man Betroffene direkt kontaktieren - anstatt sie sofort in die Öffentlichkeit zu zerren.“

Baerbock ist nicht die erste Politikerin, die sich mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert sieht. Franziska Giffey (SPD) ist erst kürzlich wegen Täuschungsvorwürfen in ihrer Doktorarbeit als Familienministerin zurückgetreten. Auch Andreas Scheuer (CSU) hatte ein Plagiatsverfahren am Hals - er wurde zwar freigesprochen, seinen Doktortitel trägt er aber nicht mehr. Der ehemalige Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg ist wegen fremder Passagen in seiner Dissertation zurückgetreten. Baerbock wird sich keinem Verfahren stellen müssen - wohl aber dem Wähler. (Kathrin Braun) *merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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