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Wegen ihrer Corona-Sonderzahlung: Medizin-Fachkraft geht Baerbock im Talk frontal an

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Von: Franziska Schwarz

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Auf 25.000 Euro belaufen sich Sonderzahlungen an die Grünen-Kanzlerkandidatin - auch coronabedingt. Eine Arztpraxis-Mitarbeiterin äußert jetzt ihre Wut.

Berlin - „Ich frage mich, warum Sie als Politikerin meinen, ausgerechnet diesen Corona-Bonus mehr verdient zu haben als ich!“ Ihre nachgemeldeten Sonderzahlungen hängen Annalena Baerbock nach. Auch ein Corona-Bonus von 1500 Euro war darunter. Von einer medizinischen Fachangestellten derart konfrontiert, wich die Kanzlerkandidatin der Grünen beim Bild-Talk „Die richtigen Fragen“ nun aus.

Ihre vorwurfsvolle Frage hatte die zugeschaltete Bild-Leserin am Sonntag so eingeleitet: „Wir fangen aktuell etwa 80 Prozent aller Covid-19-Krankenfälle auf - wenn wir eine Woche dichtmachen würden, dann würden die Krankenhäuser platzen. Aber irgendwie werden wir von der Politik in keinster Weise wahrgenommen. Wir werden noch nicht einmal erwähnt!“

Corona-Bonus an Grünen-Kanzlerkandidatin Baerbock: Vorwürfe aus Allgemeinarzt-Praxis

Auf ihren eigenen Corona-Bonus ging Baerbock nicht direkt ein. Sie dankte zu Beginn ihrer Antwort dem Pflege- und Medizinpersonal. „Es ist wirklich unglaublich, was im letzten Jahr geleistet wurde, und ich weiß sehr genau, dass da ein Dank nicht ausreicht - da reicht auch ein Corona-Bonus nicht aus. Dass Sie ihn nicht bekommen haben von Ihrem Arbeitgeber, das ist mehr als bedauerlich.“

Die Grünen wollten im Gesundheitssystem „grundsätzlich etwas verändern“. Dass es „immer mehr auf Profit getrimmt war“, sei „falsch“. Ihre Partei würde „sehr konkrete“ Vorschläge zur Verbesserung machen. Vor allen Dingen wolle sie ein „Vorsorgeelement“ in das Gesundheitssystem einbauen, „damit es in Zukunft für die Angestellten und damit auch die Patienten besser ist“.

Tempolimit von 130? Baerbock würde sich als Kanzlerin schnell daranmachen

Konkreter äußerte sich Baerbock in dem Talk zum 130-Tempolimit. „Wir würden das gerne in der nächsten Bundesregierung einführen“, bekräftigte die 40-Jährige erneut. „Wenn wir sehr stark werden, dann ist das einer der Punkte, den wir in einem Koalitionsvertrag mitverhandeln.“ Wie schnell würde sie als Kanzlerin das Tempolimit einführen? Sofort, wie es klingt: „Also, wenn wir 50 Prozent bekämen, dann könnten wir alle unsere Punkte relativ schnell im Bundestag umsetzen.“

Der Programmentwurf der Grünen ist noch nicht vom Parteitag verabschiedet. Auch die SPD setzt sich in ihrem Wahlprogramm für ein Tempolimit von 130 Stundenkilometern ein.

Kurzstreckenflüge und Tempolimit: Klimaforscher warnt vor „staatlicher Gängelung“

Der Klimaforscher Ottmar Edenhofer hat unterdessen vor zu viel staatlicher Gängelung bei der Klimawandel-Bekämpfung gewarnt. „Ein Abschaffen von Kurzstreckenflügen oder ein Tempolimit auf Autobahnen ist überflüssig, wenn wir anders zum Ziel kommen. Mit Verboten sollten wir sehr sorgsam umgehen“, sagte der Präsident des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung der Neuen Osnabrücker Zeitung vom Wochenende. Er warnte vor unbeabsichtigten Nebenwirkungen. „Wird ab 2030 kein Verbrenner mehr zugelassen, kaufen die Leute bis dahin vielleicht umso mehr Diesel und Benziner oder fahren ihre alten Wagen, bis sie auseinanderfallen.“

Nötig sei eine staatliche Rahmensetzung, innerhalb derer die Menschen selbst entscheiden könnten, wie sie Emissionen von Kohlendioxid (CO2) einsparen. „Verbote und Gebote sollten wir dort nutzen, wo es gar nicht anders geht. Überall sonst sollten wir auf Anreize setzen“, sagte Edenhofer.

Er plädierte sehr für eine höhere CO2-Bepreisung mit einem Sozialausgleich, der grundsätzlich auch angestrebt wird. Baerbock hatte vergangenen Freitag angekündigt, höhere CO2-Preise für Familien mit geringem Einkommen per Ausgleichszahlung von 75 Euro pro Jahr und Kopf mildern zu wollen. Der Umfrage-Hype um die Öko-Partei flachte zuletzt wieder etwas ab. (frs mit Material der dpa)

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