Annalena Baerbock und Gatte Daniel Holefleisch 2018 beim Bundespresseball.
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Annalena Baerbock und Gatte Daniel Holefleisch 2018 beim Bundespresseball.

Nächste Mutter-Debatte?

Baerbock erklärt nun selbst Kanzlerin-Plan für ihre Familie: „Mein Mann übernimmt die volle Verantwortung“

  • Florian Naumann
    vonFlorian Naumann
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Kinder im Kanzleramt? Das war noch nie ein Streitthema im Wahlkampf. Bei Annalena Baerbock ist das plötzlich anders. Nun äußert sich die Grüne selbst.

Berlin - Eine Frau im Kanzleramt - das ist Deutschland nach 16 Jahren Angela Merkel gewöhnt. Noch zu fremdeln scheinen Teile des Landes hingegen mit dem Gedanken, eine Mutter zweier schulpflichtiger Kinder als Regierungschefin zu sehen: Die Nominierung von Annalena Baerbock als Grünen-Kanzlerkandidatin hatte schon im April für recht unpolitische Debatten gesorgt. Nun hat Baerbock selbst Einblick in die familiäre Rollenplanung nach einem etwaigen Wahlsieg gegeben - der Umfragen zufolge schließlich durchaus denkbar ist.

Annalena Baerbock als Kanzlerin: „Mein Mann würde in dem Fall voll Erziehungszeit nehmen“

Baerbock kündigte an, dass ihr Ehemann Daniel Holefleisch im Falle einer Regierungsübernahme seinen Job aufgeben und die Betreuung der beiden gemeinsamen Kinder komplett übernehmen werde. „Die Verantwortung des Kanzlerinnenamtes bedeutet, Tag und Nacht zur Verfügung zu stehen“, sagte die Grünen-Chefin der Bild am Sonntag. Das könne sie „auch deshalb, weil mein Mann in dem Fall voll Erziehungszeit nehmen würde“. Das Paar hat eine fünf- und eine neunjährige Tochter.

Bereits jetzt sei ihr Partner für die Erziehungs- und Hausarbeit zuständig, betonte die Grünen-Vorsitzende. „Mein Mann übernimmt die volle Verantwortung und Arbeit zuhause.“ Er habe bereits in den vergangenen Jahren „seine Stunden im Job reduziert, weil ich oft frühmorgens aus dem Haus gehe und in der Nacht nach Hause komme“. Er sei es, „der sich vor allem um Kita, Schule, Hausaufgaben und Pausenbrote kümmert“.

Grüne: Baerbock erklärt innerfamiliären Kanzlerplan - Ehemann hatte Vetorecht

In der Endphase des Wahlkampfs werde Holefleisch ab August eine Auszeit nehmen und ganz zuhause sein, „auch um beim Schulanfang unserer jüngeren Tochter als Vater da zu sein“, kündigte Baerbock weiter an. Ohne eine solche Aufgabenteilung gehe es nicht. Ihre beiden Töchter wüssten aber, „wo mein Herz und mein Zuhause sind“.

Ihr Mann hatte nach Baerbocks Worten ein Vetorecht bei der Entscheidung für die Kanzlerkandidatur, „weil das alles auch unser gesamtes Familienleben verändert“. Holefleisch arbeitet aktuell als Lobbyist bei der Post. Auch aufgrund dieser politisch relevanten Tätigkeit dürfte für Baerbocks Gatten im Falle des Wahlsiegs zudem ein Jobwechsel anstehen. „Wenn ich ein Regierungsamt annehme, ist ganz klar, dass mein Mann seine Arbeit dort so nicht fortführen wird“, sagte die Kanzleramts-Anwärterin.

Grüne Kanzlerdebatte: Berichte über Baerbocks-Familien-Plan sorgen für Debatte - Abgeordnete zieht Söder-Vergleich

Die Wortmeldung könnte auch als präventive Verteidigung gegen etwaige „Rabenmutter“-Vorwürfe gemeint gewesen sein. Das Thema stieß allerdings selbst bei den Grünen auf ein eher ambivalentes Echo. „Und jetzt stellen wir uns mal vor, wie wahrscheinlich es gewesen wäre, im Falle einer Kandidatur von #Söder zu lesen: ‚Für alle, die sich um die Kinder von Söder sorgten: Seine Ehefrau wird Vollzeit-Mutter‘...“, twitterte die Bundestagsabgeordnete Katharina Dröge. Sie bezog sich auf ein Posting, in dem es hieß: „Für alle, die sich um die Kinder von Annalena #Baerbock sorgten:“.

Auch inhaltlich hat sich Baerbock am Wochenende geäußert: Vor allem ein Vorstoß zum Thema Kurzstreckenflüge sorgte für größere Debatten. (dpa/fn)

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