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Laut Söder „Unsinn“: Baerbocks Kurzstreckenflug-Vorstoß findet einflussreiche Unterstützer - in Brüssel

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Von: Florian Naumann

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EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Vize Frans Timmermans im Europäischen Parlament in Straßburg. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Vize Frans Timmermans im Europäischen Parlament in Straßburg. © Philipp von Ditfurth/dpa

Sind Kurzstreckenflüge bald Vergangenheit? Die Grünen mussten für einen Vorstoß herbe Kritik einstecken. Doch in Brüssel stößt die Idee durchaus auf offene Ohren.

Berlin/Brüssel - Große Wellen hatte der bislang vielleicht plakativste Vorstoß der Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock geschlagen: Ein Aus für alle Kurzstreckenflüge in Deutschland? Von „Unsinn“ sprach CSU-Chef Markus Söder*, sogar Umweltministerin Svenja Schulze hielt die Idee - im Gegensatz zu „Zubringerflügen“ auch auf kurzen Strecken - für unnötig.

Doch ein ganz anderes Signal kommt nun von einer Stelle, die auch Bayerns Ministerpräsident und Angela Merkels Ressortchefin im Auge behalten müssen: Aus Brüssel. Denn auch EU-Klimakommissar Frans Timmermans strebt ein Ende der Kurzstreckenflüge an.

Grüne gegen kurze Flüge: EU-Kommissar denkt an höhere Steuern auf Kerosin

Die Einschränkung: Was Baerbock mit „Ordnungspolitik“ - so heißt das neue Wording der Grünen* - erreichen will, will Timmermans aus Brüsseler Warte eben nicht per Verbot regeln. Vielmehr solle das Reisen so organisiert werden, „dass es für die Leute attraktiver wird, mit dem Zug zu fahren“. Das sagte der Vizepräsident der EU-Kommission* den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Bei Strecken unter 600 bis 800 Kilometern solle es nicht mehr sinnvoll sein, das Flugzeug zu nehmen - „einfach, weil es länger dauert“, sagte Timmermans. Indirekt sprach er sich aber für eine Verteuerung des Fliegens aus: „Ich bin dafür, dass wir Kerosin so besteuern wie andere Treibstoffe.“ Eine Alternative wäre es nach Worten des EU-Kommissars, den Flugverkehr stärker in den Emissionshandel einzubeziehen.

Baerbock und die Kurzstreckenflüge: Von der Leyens Vize appelliert an Bürger

Timmermans appellierte zugleich an die Bürger, die Zahl ihrer Flüge zu reduzieren: „Niemand muss zehn oder zwölf Mal im Jahr fliegen.“ Die Bürger sollten sich auf eine Flugreise pro Jahr beschränken, dann „entsteht gar kein Problem - weder für das Klima noch für das eigene Portemonnaie“. Auch CDU-Chef Armin Laschet hatte sich dafür ausgesprochen, dass Zugfahren attraktiver zu machen*.

Die Diskussion um Kurzstreckenflüge war in Deutschland von Baerbock angefacht worden. Sie kündigte in der Bild am Sonntag an, im Falle ihres Einzugs ins Kanzleramt auf die komplette Abschaffung von Kurzstreckenflügen hinarbeiten zu wollen. Sie finde es „nicht fair, dass mit unser aller Steuergeld das Kerosin subventioniert wird, während Fernfahrten mit der Bahn gerade zu Stoßzeiten teuer sind“, sagte Baerbock.

„Das Verbot von Kurzstreckenflügen wäre Unsinn und auch wirtschaftlich ein Problem für unser Land“, hatte indes Söder der Augsburger Allgemeinen erklärt. „Teurer sind solche Flüge ohnehin bereits geworden - und das war auch ein richtiges klimatologisches Signal“. (AFP/fn) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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