Annalena Baerbock spricht in ein Mikrofon
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Annalena Baerbock fordert ein Umdenken.

„Klimakrise ist jetzt“

Baerbock hat nach Hochwasser-Katastrophe deutliche Forderung und schießt gegen Söder

  • Kai Hartwig
    VonKai Hartwig
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In einer Podiumsdiskussion stellt sich Annalena Baerbock den Fragen. Dabei positioniert sich die Kanzlerkandidatin der Grünen bei Klimaschutz und Nord Stream 2.

Frankfurt am Main – Der Wahlkampf biegt langsam aber sicher auf die Zielgerade ein. Die Grünen erlebten mit Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock nach gutem Start zuletzt einige Rückschläge. Die Co-Vorsitzende der Grünen musste Angaben im Lebenslauf korrigieren, nachgemeldete Nebeneinkünfte eingestehen und sah sich Plagiatsvorwürfen bei ihrem neuen Buch ausgesetzt. Dadurch sanken Baerbocks Zustimmungswerte in Umfragen zur Bundestagswahl.

Im Podiums-Interview der Frankfurter Rundschau gestand die Kanzlerkandidatin Fehler ein. Sie ärgere sich, dass die „Debatte um das Buch abgelenkt hat von dem, was wir eigentlich diskutieren sollten in diesem Wahlkampf: Nämlich wie wir gemeinsam dieses Land erneuern.“ Doch Baerbock gab sich kämpferisch. Und will nicht beim ersten Gegenwind hinschmeißen, sondern „Verantwortung übernehmen.“ Wahlkampf sei ein „Auf und Ab“.

Grünen-Kanzlerkandidatin Baerbock: „Erleben, dass die Klimakrise jetzt ist“

Die Grünen-Politikerin widme sich lieber den aktuellen Problemen in der Bundesrepublik, insbesondere den Hochwasser-Katastrophen in mehreren Bundesländern. Die Ereignisse in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz oder auch Bayern hätten eines auf schmerzliche Weise gezeigt. „Wir erleben, dass die Klimakrise jetzt ist. Nicht nur woanders, auch bei uns vor Ort“, sagte Baerbock. Sie und ihre Partei seien 2013 massiv beschimpft worden, weil sie sich für einen gänzlichen Umstieg auf erneuerbare Energien eingesetzt haben. „Man sieht, wie wir acht Jahre vergeudet haben.“

Es gehe nach den tragischen Unwettern aber nicht um Schuldzuweisungen. Vielmehr seien die Hochwasser-Katastrophen eine Art Weckruf. „Jetzt erst Recht“, sei die Devise. Man müsse den „Kommunen und Städten Geld in die Hand geben, damit die sich gegen Extremwetter-Ereignisse besser schützen können.“

Annalena Baerbock: Bayerns Ministerpräsident Söder hat „Windkraftausbau massiv blockiert“

Angesprochen auf das am Mittwoch (21. Juli) in München vorgestelltes Klimaschutz-Programm von Markus Söder, zeigte sich Baerbock skeptisch. Sie mache Klimaschutz nicht zum Wohl der eigenen Partei. „Ich mache Klimaschutz, weil ich möchte, dass meine Kinder, wenn sie wie ich 40 Jahre alt sind, an Sommertagen raus gehen können.“

Wenn Söder (CSU) einen „Klimaruck“ ankündige, „darf der nicht nur ein rhetorischer Ruck sein. Denn davon werden keine Windkraftanlagen gebaut.“ Der Ministerpräsident habe bisher „den Windkraftausbau massiv blockiert. Wer aus der Kohle aussteigen will, muss Windkraft ausbauen.“ Die Kanzlerkandidatin der Grünen plant, bei einem Wahlsieg per Klimaschutz-Sofortprogramm in allen Bundesländern „Windkraft auf zwei Prozent der Landesfläche“ auszubauen.

Grünen-Kanzlerkandidatin Baerbock hält Gas-Pipeline Nord Stream 2 „für falsch“

Wie Bayerns Landeschef ein Jahr als Ziel der Klimaneutralität auszurufen, reicht Baerbock ebenfalls nicht aus. „Klimaschutz ist jetzt“, erklärte die Grünen-Chefin. Man müsse sofort Maßnahmen beschließen, um mittel- bis langfristig davon zu profitieren und angepeilte Ziele zu erreichen.

Die Gas-Pipeline Nord Stream 2 nach Russland lehnte Baerbock ab. „Ich halte dieses Projekt für falsch“, bezog die 40-Jährige klar Position. Falls man bis 2050 klimaneutral sein wolle, aber aus vertraglichen Gründen bis 2060 Gas durch die Pipeline fließen soll, „dann passt das vorne und hinten nicht.“ Auch die Interessen der Ukraine torpediere Nord Stream 2.

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