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Spricht Außenministerin Baerbock schlechtes Englisch? Deutsche machen sich lustig, aber Briten loben sie

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Von: Bedrettin Bölükbasi

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Außenministerin Baerbock wurde von vielen Deutschen für ihr Englisch auf der internationalen Bühne kritisiert. Unterstützung und Lob hingegen bekam sie von Engländern.

München - Direkt nach Amtsantritt hatte die neue deutsche Außenministerin Annalena Baerbock schon ihre ersten internationalen Auftritte. Es ging nach Paris, Brüssel, Warschau und zuletzt auch Stockholm. Auf Pressekonferenzen mit ihren Amtskollegen übermittelte sie wichtige Nachrichten, die auch Schlüsse zur außenpolitischen Haltung der Ampel-Bundesregierung ziehen lassen.

Manche haben sich für die Botschaften offenbar deutlich weniger interessiert. Vielmehr fokussierten sie sich wohl auf das Englisch der neuen Außenministerin nach dem Treffen mit dem EU-Außenbeauftragten Borrell - genauer den Akzent. Zwar ist ein deutlicher deutscher Akzent herauszuhören, doch Baerbocks Englisch blieb immer verständlich und klar. Den Kritikhagel hat dies aber trotzdem nicht verhindert.

Baerbock: Außenministerin spricht Englisch - Twitter-Nutzer machen mächtig Druck und kritisieren Akzent

Sofort verbreiteten sich im Twitter-Publikum Phrasen wie „Die Baerbock spricht aber auch das deutscheste Englisch, das ich seit langem gehört habe“ oder „Wie spricht die eigentlich Englisch? Das ist bestenfalls Hauptschulniveau.“ Manche gingen sogar einen Schritt weiter und zweifelten am Studium der Außenministerin: „Ihr wollt mir erzählen, die Dame hätte zwei Semester an der London School of Economics studiert und einen Abschluss gemacht? In England? Auf Englisch?“ Baerbocks Englisch sei „Fremdscham hoch zehn“.

Annalena Baerbock (Grüne), Außenministerin, gibt ein Statement ab (Archivbild).
Annalena Baerbock (Grüne), Außenministerin, gibt ein Statement ab (Archivbild). © Hannibal Hanschke/dpa

Dabei gab es nichts Handfestes, was unter die Kategorie „Fremdscham“ fallen könnte, denn die Grünen-Politikerin sprach auf der Pressekonferenz fehlerfreies Englisch. Dass sie neben einem grammatikalisch korrekten und soliden Auftritt auch den Mut hatte, bei einem internationalen Anlass live vor der Kamera Englisch zu sprechen, schien nur die Wenigsten zu interessieren. Schließlich wäre es für die neue Außenministerin eine selbstverständliche Option gewesen, Deutsch zu sprechen.

Der neue Bundeskanzler Olaf Scholz und Finanzminister Christian Linder hatten bereits auch schon Auftritte in Englisch - ebenfalls nicht akzentfrei, aber weitgehend robust. Immerhin wurde dies von manchen auch gewürdigt. So schrieb ein Twitter-Nutzer: „Ich finde es klasse, dass Lindner, Baerbock und Olaf Scholz bei internationalen Anlässen bereit sind, Englisch zu sprechen. Sie machen das alle toll.“

Baerbock spricht Englisch: starke Unterstützung von englischen Muttersprachlerin - „außergewöhnlich gut“

Rückendeckung bekam Baerbock hingegen von denen, die die englische Sprache zweifelsohne am besten beherrschen. Englische Muttersprachler lobten die Außenministerin für ihr Englisch. Für die Kritik des deutschen Publikums an der Grünen-Politikerin zeigten sie kein Verständnis. CNN International-Korrespondent Frederik Pleitgen kommentierte das Englisch der Ministerin mit „Sieht für mich aus wie außergewöhnlich gutes Englisch“.

Weitere bezeichneten das Englisch von Baerbock als „nicht perfekt, aber perfekt verständlich“. Ihre Nachricht auf einer fremden Sprache zu übermitteln sei „ein Zeichen von Kraft“. In Baerbocks Unterstützung forderte ein anderer Nutzer die Kritiker zu einem regelrechten Englisch-Duell heraus. Er wolle ihr Englisch auf Probe stellen und erwarte „makellose“ Antworten dieser Personen.

Sei es nun Englisch oder eine weitere Sprache - ist sie nicht die Muttersprache, so ist ein Akzent fast immer der Fall, wenn auch leicht. Auf der Pressekonferenz mit Borrell schaffte es die neue Bundesaußenministerin ihre Botschaft durchaus in einem ordentlichen Englisch zu übermitteln. Der viel kritisierte Akzent beeinträchtigte dies nicht - auch wenn ein Teil des deutschen Twitter-Publikums offenbar weiter an der Kritik festhalten wird. (bb)

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