Warum meldet sich Habeck nicht zu Wort?

Baerbocks Böcke kosten womöglich die Wahl: Bayerns Grüne ärgern sich - „Muss man nicht schönreden“

  • Maximilian Kettenbach
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Baerbocks Fehler müsse man sich nicht schönreden, findet Ludwig Hartmann. Der Grünen-Fraktionsvorsitzende im bayerischen Landtag pocht aber darauf, endlich wieder Inhalte zu diskutieren.

München - Umfragehoch, Patzer im Lebenslauf, zu spät gemeldeten Einkünfte, das daraus resultierende Umfragetief und nun das Buch-Desaster. Für die Kanzlerkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock, waren die Wochen seit der offiziellen Verkündung ihrer Kandidatur eine einzige Achterbahnfahrt. Baerbock hat nun ein paar richtig dicke Probleme und das gut zwei Monate vor der Bundestagswahl. Ist sie überhaupt Kanzlerin-tauglich oder war ihre Nominierung gar ein Fehler? Eine neue Umfrage pro Habeck legt das nahe. Selbst die linksgerichtete taz fordert bereits eine Übergabe von Baerbock an ihren Co-Parteivorsitzenden - den nun überraschend Schweigsamen.

Auch Bayerns Grüne machen sich ihre Gedanken. Ludwig Hartmann, der als Fraktionsvorsitzender gemeinsam mit Katharina Schulze die Grünen zu beachtlichen 17,6 Prozent geführt hat, nimmt bei Merkur.de Stellung.

Baerbocks Grüne auf dem falschen Gleis - Hartmann: „Muss man sicherlich nicht schönreden“

„Dass Fehler passiert sind, ist unstrittig und das muss man sicherlich auch nicht schönreden. Aber seit Wochen führen wir nur eine Debatte über ihre Patzer und nicht über die Herausforderungen, vor denen wir alle gemeinsam stehen. Artensterben, Erdüberhitzung oder stockende Energiewende, um nur drei zu nennen.“ Das Ringen um die besten Lösungen für das Land, das bleibe gerade liegen und die Union dürfe mit ihrem „wenig durchdachten Wahlprogramm einen Aussitzwahlkampf führen. Das ärgert mich am meisten“, so Hartmann.

Der 42-Jährige wird dann allerdings auch noch einmal deutlich: „Es war ja zu erwarten, dass bei einer für deutsche Verhältnisse jungen Kandidatin, die für das Amt der Kanzlerin antritt, mit anderen Augen darauf geschaut wird und die Frage nach der Regierungserfahrung gestellt wird.“ Aber: „Die Fehler ärgern mich, weil diese Fehler einen solchen Unions-Schlafwagen-Wahlkampf erst ermöglichen.“

Baerbocks Patzer: Hartmann nicht der erste kritische Grüne

Für die Grünen sei es zwar aktuell ärgerlich, doch gehöre es eben zum politischen Geschäft in einem solchen Fall angeprangert zu werden, gesteht Hartmann fairerweise und fordert von den Grünen endlich den Umkehrschwung: „Jetzt geht’s darum, dass wir wieder in die Offensive kommen. Inhaltliche Debatten führen, wie der Weg aussehen kann – um Ökologie und Ökonomie zusammenzubringen.“ 

Hartmann ist nicht der erste Grüne, der sich kritisch äußert, wie auch die Kreiszeitung berichtet*. Uwe Schneidewind (54), Oberbürgermeister von Wuppertal, nannte Baerbocks Abschreib-Panne bei Bild.de „handwerklich unschön. Das hätte man anders lösen können. Da ärgert man sich auch innerhalb der Grünen-Partei.“

Baerbock selbst verteidigt sich in der Plagiats-Affäre um ihr Buch: „Ganz viele Ideen von anderen sind mit eingeflossen“, sagt sie. „Aber ich habe kein Sachbuch oder so geschrieben, sondern das, was ich mit diesem Land machen will - und auf der anderen Seite die Welt beschrieben, wie sie ist, anhand von Fakten und Realitäten.“

Annalena Baerbock und Robert Habeck

Grüne leiden unter Baerbocks Fehlern - doch warum meldet sich Habeck nicht zu Wort?

Die vielen kleinen Baerbock-Böcke könnten die Grünen nun die Wahl kosten. Besonders bitter: Im Land herrschte vor dem angekündigten Abtritt von Kanzlerin Angela Merkel sowie dem Unionsstreit um Kanzlerkandidat Armin Laschet eigentlich eine Wechselstimmung. Die ist nun rum um‘s Eck - traut man den Umfragewerten. Hartmann will das so nicht stehen lassen. Er hofft auf intensive Wochen vor der Wahl und den Vorteil der Grünen im direkten Austausch mit den Wählern.

Allein die Debatte, Baerbock jetzt noch gegen Habeck, auszutauschen, hält er für einen Fehler: „Beide haben ihre Stärken und Schwächen und gemeinsam haben sie im Team die letzten Jahre so genial agiert.“ Warum sich aber Habeck nicht zu Wort meldet, bleibt ein Rätsel. „Wenn Habeck im Urlaub ist, dann gönne ich ihm paar Tage Auszeit. Danach wird er wieder voll da sein und unserer Kandidatin weiter den Rücken stärken. Er ist durch und durch ein Teamplayer.“ 

Das wird sich nun von neuem zeigen müssen. Denn als Blitzableiter hätte sich der aktuell so schweigsame Grüne längst schützend vor Baerbock stellen oder andere Themen platzieren können. Doch er tut lieber nichts. Habeck selbst hat sich übrigens auf Merkur.de-Anfrage bisher nicht dazu geäußert. *Merkur.de ist wie kreiszeitung.de ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa

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