1. Startseite
  2. Politik

„Das war der Moment, als Laschet an der Wand stand“: RTL-Runde feiert Baerbock-Szene

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Anna-Katharina Ahnefeld

Kommentare

Bei der Steuerpolitik geraten Baerbock und Laschet beim TV-Triell aneinander. Der Grünen-Kanzlerkandidatin gelingt beim Thema Kinderarmut ein wohlplatzierter Treffer.

Berlin – Es war eines der umstrittensten Themen des TV-Triells: Steuerpolitik. Bei der Debatte zwischen Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet, SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz und Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock zeigten sich fundamentale Unterschiede – besonders zwischen CDU/CSU auf der einen Seite und SPD und den Grünen auf der anderen. Laschet startete mit einem Frontalangriff gegen seine Gegenkandidaten. Und musste dann eine Schlappe gegen die Grünen-Politikerin einstecken.

Die Talk-Runde im Anschluss an das von ntv und RTL übertragene Triell erkannten die Überlegenheit Baerbocks in dieser Szene an. RTL-Politikchef Nikolaus Blome befand gar: „Das war der Moment, als Laschet an der Wand stand.“

„Das war der Moment, als Laschet an der Wand stand“: RTL-Runde feiert Baerbock-Szene

Laschet griff Scholz und Baerbock zunächst scharf an: „Es ist eine sozialdemokratische Herangehensweise, immer wenn man kann, auch die Grünen sind mit dabei, Steuern zu erhöhen“, so der Unions-Kanzlerkandidat. Die Steuererhöhungsideen von SPD und Grünen seien „töricht“. Er sei für die komplette Streichung des Solidaritätszuschlags und einen ähnlichen Unternehmenssteuersatz wie etwa in Frankreich, so dass deutsche Unternehmen im Binnenmarkt nicht abwanderten. 

Doch wenig später zeigte sich: Just beim Thema Steuern konnte Baerbock punkten. Denn während sich Scholz, der Gutverdienende stärker belasten möchte und Laschet, der Steuererhöhungen grundsätzlich ablehnt, duellierten, brachte die Grünen-Politikerin Kinderarmut ins Spiel und plädierte für eine Kindergrundsicherung. Stärkere Schultern sollten auch stärker belastet werden. Statt den Soli abzuschaffen, müssten diese 10 Milliarden Euro genutzt werden, um Kinder aus der Armut zu holen. Laschet entgegnete: „Den Kindern hilft man, indem man ihnen und besonders ihren Eltern hilft, aus Hartz IV heraus zu kommen.“ Sein Ziel sei es, dass ein Kind durch gute Bildung selbst den Ausstieg schaffe.

Baerbock ging daraufhin den CDU-Politiker scharf an: „Wenn Sie sagen, Kinder sollen selber aus dem Hartz-IV-System rauskommen, sorry, aber ein Kind das zwei, drei, vier, auch 12 Jahre ist, wird ja kaum aus dem Hartz-IV-System rauskommen. Und dann sagen Sie, solange das nicht klappt, haben die Kinder Pech gehabt, dann sollen sie halt ohne Schulranzen in die Schule gehen. Das kann doch nicht Ihre Art von Solidarität in unserer Gesellschaft sein. Aber das ist die Lebensrealität von sehr vielen Kinder, wo sich die Mutter am Ende des Monats das Geburtstagsgeschenk nicht mehr leisten kann und das Kind dann nicht zum Kindergeburtstag kann.“

TV-Triell vor Bundestagswahl: Baerbock geht Laschet scharf an – „Das war natürlich ein Elfmeter“

Nikolaus Blome befand dazu in der RTL-Runde: Dies sei der Moment, in dem Armin Laschet ins Schwimmen gekommen sei. „Denn seine Position ist nun mal, 10 Milliarden Soli streichen für die besten Verdienenden in Deutschland und dann womöglich aber kein Geld mehr haben für den Schulranzen der Kinder.“ Zwar sei dies von Baerbock zugespitzt formuliert worden, aber sie habe damit ein geschicktes Bild erschaffen können: „Zehn Milliarden für die Reichen, aber kein Geld für die Armen, Kinder noch dazu, ist eine Position, die fast nicht nicht zu verteidigen ist“, so Blome. Da habe man gesehen, wie Laschet wirklich unter Druck gerate. Moderator Günther Jauch stimmte zu: „Das war natürlich ein Elfmeter.“

Auch Twitter-Nutzende nahmen an der Aussage Laschets Anstoß. SPD-Jungpolitiker Dario Schramm kommentierte: „‘Kinder sollen selber durch Bildung aus Hartz IV rauskommen‘ – Armin Laschet im Triell. Was für ein Schwachsinn“, und teilte eine Statistik zur Differenz zwischen Nicht-Akademikerkindern und Akademikerkindern beim Bildungsaufstieg. Ein Nutzer schrieb: „Ein Kind soll alleine aus Hartz IV rauskommen. Das faule Stück.“ Der Blog „Union Watch“ urteilte: „Egal was Laschet sagt, Kinder können sich nicht selbst aus Hartz IV befreien. Daher braucht es mehr Leistungen für Kinder.“

Steuerpolitik bereits zwischen CDU und CSU ein Streitthema – Abschaffung des Soli

Bereits im Vorfeld kam es zwischen den Schwesternparteien CDU und CSU zu einem Gerangel zur geplanten Steuerpolitik im Wahlprogramm. Laschet hatte verkündet, momentan keinen Spielraum für Steuererleichterungen zu sehen, während CSU-Chef Markus Söder diese vehement eingefordert hatte. Teile der Opposition sahen daraufhin einen Widerspruch zwischen Laschets Aussagen* und dem Wahlprogramm der Parteien.

Gleichzeitig fordert der Unions-Kanzlerkandidat die Abschaffung des Solis – was unter anderem der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann, scharf kritisierte: „Völliger Unfug ist es, den Soli jetzt auch für Topverdiener abschaffen zu wollen“, so Hoffmann gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. „Zehn Milliarden Euro würden dem Staat an Steuereinnahmen fehlen, die dringend für Investitionen benötigt werden.“ (aka)

Lesen Sie auch: CSU-Chef Markus Söder lobt den Auftritt von Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) beim Triell* der Kanzlerkandidaten. Twitter-Nutzer zweifeln an dem Statement.

Auch interessant

Kommentare