„Schuhe des Amtes zu groß“

Merz nimmt Hochwasser-Opfer in die Pflicht - und verteilt Dämpfer für Baerbock und CSU

  • Felix Herz
    VonFelix Herz
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In einem Interview vermisst Friedrich Merz Eigenverantwortung in Deutschland und spricht Baerbock die Kanzler-Eignung ab. Aber auch die CSU nimmt er ins Visier.

Berlin – Friedrich Merz will in den Bundestag. Helfen sollen dabei offenbar weiterhin starke Meinungen: Der konservative Wahlkampf-Helfer von Kanzlerkandidat Armin Laschet hat zu einem kleinen Rundumschlag ausgeholt. In einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) zweifelt Merz nun plakativ Annalena Baerbocks Eignung als Kanzlerin an - aber auch die CSU bekam einen Dämpfer verpasst.

Merz über die Hochwasser-Katastrophe und den Anteil des Klimawandels

Angesichts der Unwetter-Katastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz mahnte Ex-Unionsfraktionschef Merz zu mehr Eigenverantwortung: In weiten Teilen der Bevölkerung gebe es „zu wenig Risikobewusstsein“. Es könne jeden Tag etwas passieren, da komme es nicht allein auf die Behörden an; jeder solle den Umgang mit Gefahrensituationen üben. Die Ereignisse in den Hochwassergebieten seien zwar dramatisch, würden aber auch die Chance bieten, bei der Städteplanung umzudenken. Bestehende Fehler wie Versiegelung, ufernahe Bebauung und zu wenig Platz für Überflutungen müssten korrigiert werden, forderte Merz.

Der CDU-Politiker sieht zwar einen Anteil des Klimawandels an der Hochwasser-Katastrophe, allein sei dieser aber nicht dafür verantwortlich. Überflutungen werde es immer geben, „selbst wenn man sofort die kompletten Vorstellungen von Fridays für Future übernehmen würde“, sagt Merz den Zeitungen des RND. Zugleich lehnte Merz eine verpflichtende Elementarschadensversicherung von Hauseigentümern ab. Jeder müsse selbst im Klaren darüber sein, ob eine derartige Versicherung angebracht sei.

Energiewende: Merz offen für Solardach-Förderung

Über eine steuerliche Förderung von Solardächern könne man nachdenken, so Merz. Eine Solardachpflicht lehnte er jedoch ab: Das Bauen dürfe für junge Familien nicht zu teuer werden. Eine Absage erteilte der Wirtschaftspolitiker auch den Forderungen der CSU nach einer schnellen Steuersenkung nach der Bundestagswahl im September. Diese sei derzeit nicht finanzierbar. Auch die Mütterrente lehnte Merz ab. Deutschland steuere auf eine Deckungslücke von 100 Milliarden Euro pro Jahr zu – „die Frage nach weiteren Wünschen ist damit beantwortet“, konstatierte Merz.

Merz: scharfe Kritik an Baerbock – für Kanzleramt ungeeignet?

Harte Worte fand der Sauerländer für Grünen-Kanzlerkandidatin Baerbock. Sie sei für die Nachfolge Angela Merkels ungeeignet, urteilte Merz. Baerbock habe in den vergangenen Wochen gezeigt, dass „ihr die Schuhe des Amtes der Kanzlerin doch ein wenig zu groß sind“. Die Grüne habe ihren Lebenslauf korrigieren müssen und sich mit Erfahrungen geschmückt, „die sie nicht hat“: „Da zeigt sich doch ein Muster“, stichelte Merz.

Auch zu den Plagiatsvorwürfe gegen Baerbocks Buch äußerte er sich. In seinen eigenen Büchern fänden sich keinerlei Plagiate – „ich habe meine Bücher alle selbst geschrieben, jeden Satz und jedes Wort“.  (fh) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Bernd Weissbrod

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