Pannenserie um Kanzlerkandidatin

„Dieser neue Fall zeigt klar: Baerbock hat ganz bewusst getäuscht“: Plagiatsvorwürfe immer heftiger

  • Felix Durach
    VonFelix Durach
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Hat Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock bei ihrem Buch plagiiert? Plagiatsjäger Stefan Weber hat seine Vorwürfe erneut verschärft.

  • Gegen Annalena Baerbock wurden vom österreichischen Medienwissenschaftler Stefan Weber Plagiatsvorwürfe erhoben.
  • Der Plagiatsjäger wirft der Grünen-Chefin vor, „ganz bewusst getäuscht“ zu haben (Update vom 1. Juli, 14.45 Uhr).
  • Ein weiterer Plagiatsjäger berichtet, dass ihm der Auftrag angeboten wurde, Nachforschungen zu Baerbock anzustellen (Update vom 1. Juli, 16.05 Uhr).

Update vom 1. Juli, 20.05 Uhr: Erstmals seit den gegen ihr Buch erhobenen Plagiatsvorwürfen hat sich Annalena Baerbock in einem Interview geäußert. Dem Magazin Brigitte lieferte die Grünen-Kanzlerkandidatin eine Erklärung, warum an manchen Stellen keine weiteren Quellenangaben gemacht wurden.

Baerbock: Weiterer Plagiatsforscher schildert brisante Kontaktaufnahme

Update vom 1. Juli, 16.05 Uhr: Sind die Plagiatsvorwürfe gegen Annalena Baerbock das Ergebnis einer Auftragsarbeit? Wie der Plagiatsjäger Martin Heidingsfelder gegenüber t-online berichtet, wurde ihm Anfang Mai der Auftrag angeboten, sich an einer Kampagne zu beteiligen, die Ungereimtheiten in den Veröffentlichungen der Grünen-Kanzlerkandidatin zu finden. Bei den Auftraggebern soll es sich dem Plagiatsjäger zufolge um eine kleine Gruppe handeln, die „eher aus dem rechten Lager“ kommen würde. Heidingsfelder lehnte das Angebot ab, da er eigenen Angaben zu Folge nichts gesehen habe, was für Plagiatsjäger relevant ist.

Ob sich die Auftraggeber anschließend an Stefan Weber gewandt haben, der wie Heidingsfelder zu den renommierten Plagiatsjägern zählt, ist bisher nicht bekannt. Weber gibt an ohne Bezahlung und aus Eigeninteresse heraus Nachforschungen zu Annalena Baerbock angestellt zu haben. Das bekräftigte der Österreicher auch am Donnerstag erneut in einer Pressemeldung. „Im Fall Baerbock prüfe ich aus Eigeninteresse und ohne Bezahlauftrag“, so Weber. „Ich habe auch keinen Auftraggeber, mit dem vereinbart worden wäre, genau dies zu behaupten: nämlich, dass es keinen Auftrag gäbe. Das erkläre ich hiermit an Eides statt“, so der Plagiatsjäger weiter.

Baerbock: Plagiatsjäger verschärft Vorwürfe gegen Grünen-Kanzlerkandidatin

Update vom 1. Juli, 14.45 Uhr: Der österreichische Plagiatsforscher Stefan Weber, welcher vor wenigen Tagen die Plagiatsvorwürfe gegen Annalena Baerbock erhoben hatte, hat nun gegenüber focus.de gegen die Grünen-Chefin nachgelegt und wirft der 40-Jährigen nun bewusste Täuschung vor. In seiner Anschuldigung bezieht sich Weber auf eine Stelle in Baerbocks Buch, die aus einem Interview der Nachhaltigkeitsforscherin Maja Göpel mit der taz ohne Nennung der Quelle übernommen worden sein soll.

Weber gibt an, dass er erst unsicher war, ob die von ihm bemängelten Stellen in Baerbocks Buch das Ergebnis von Fahrlässigkeit oder bewusster Täuschung waren. „Dieser neue Fall aber zeigt ganz klar: Baerbock hat ganz bewusst getäuscht“, schließt Plagiatsjäger Weber. Auf seinem Blog schreibt der Medienwissenschaftler weiter über Baerbocks Buch: „Langsam wird ein Muster des Nicht-Selber-Denkens und -Schreibens sichtbar.“

Plagiatsvorwürfe gegen Baerbock: Grüne verteidigen Buch - doch Experte legt jetzt nach

Originalmeldung vom 1. Juli:

Berlin - Wo die eine Seite eine Verletzung des Urheberrechts erkennen kann, sieht die andere Seite lediglich eine Schmutzkampagne gegen eine Kanzlerkandidatin. Die Plagiatsvorwürfe, die gegen die Kanzlerkandidatin der Grünen Annalena Baerbock erhoben wurde, ziehen weiterhin ihre Kreise im politischen Establishments der Bundesrepublik. Baerbocks Partei bezeichnete die Vorwürfe gegen ihre Spitzenkandidatin als Rufmord und schaltete den renommierten Medien-Anwalt Prof. Dr. Christian Schertz ein, der angab, bei Baerbocks Buch „nicht im Ansatz eine Urheberrechtsverletzung“ zu erkennen.

Baerbock: Medienanwalt zu Plagiatsvorwürfen - „Klare Verletzung des Urheberrechts“

Zu einer zumindest in Teilen anderen Einschätzung kommt der Berliner Medienanwalt Paul W. Hertin, der die Vorwürfe vor allem mit Bezug auf eine Passage für begründet hält. „Die Textstelle von Seite 219 in dem Buch von Frau Baerbock, in der sie den US-Wissenschaftler Michael T. Klare zitiert, ohne ihn als Quelle zu nennen, ist eine klare Verletzung des Urheberrechts. Da besteht überhaupt kein Zweifel“, erklärt Hertin gegenüber focus.de.

Wie der Anwalt weiter erklärt, läge das vor allem auch daran, dass in den Passagen, die Baerbock von Klare übernommen haben soll, eine „ausreichende schöpferische Eigenleistung“ stecke, welche einer Nennung von Quellen bedarf. Die Grünen hatten auf die Vorwürfe unter anderem mit dem Argument reagiert, dass die kritisierten Textstellen in Baerbocks Buch „Jetzt: Wie wir unser Land erneuern“ allgemeingültige Aussagen enthalten würden, die keiner Zitation bedürfen.

Vorwürfe gegen Baerbock - US-Politikwissenschaftler: „Die Autorin hat mich nicht kontaktiert“

Die von Hertin angesprochenen Passage soll Baerbock in ihrem Buch aus einem Aufsatz des US-Politikwissenschaftlers Klare übernommen haben, der 2019 in der Fachzeitschrift „Internationale Politik“ erschien. Gegenüber bild.de gab der Autor an, dass er von Baerbock nicht kontaktier worden war: „Mir war nicht bewusst, dass Teile meines Artikels in ‚Jetzt. Wie wir unser Land erneuern‘ veröffentlicht wurden, und ich wurde nicht von der Autorin oder ihrem Team kontaktiert, um die Erlaubnis zur Verwendung des Artikels in diesem Buch zu erhalten.“

Plagiatsvorwürfe gegen Annalena Baerbock - Medienanwalt nennt Vorwürfe „nicht so weltbewegend“

Zusammenfassend stuft Hertin, in dessen Kanzlei auch Baerbocks Anwalt Schertz zwei Jahre gearbeitet hatte, die zu beanstandeten Textstellen jedoch als „nicht so weltbewegend“ ein. „Gemessen an 240 Seiten ist der Anteil der strittigen Textpassagen, als gering einzuschätzen, zumal die Passagen selbst alle auch eher kurz sind“, erklärt der Medien-Anwalt. Auch bestätigt er die Argumentation der Grünen, wonach die Passagen zum Teil auch allgemein bekannte Aussagen enthalten würden, bei denen deshalb keine Verletzung des Urheberrechts bestehen würde. (fd)

Rubriklistenbild: © Axel Schmidt/AFP

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