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Rainer Brüderle bezeichnet die Zugausfälle in Mainz als "internationale Blamage"

Politiker kritisieren "absolutes Versagen"

Brüderle fordert: Bahn komplett umkrempeln

Mainz - Weil es zu wenig Personal gibt, herrscht am Mainzer Hauptbahnhof Chaos. Die Politik reagiert mit Vorwürfen und Kritik. FDP-Chef Brüderle fordert eine grundlegende Umstrukturierung der Bahn.

FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle hat angesichts der chaotischen Zustände am Mainzer Hauptbahnhof eine grundlegende Umstrukturierung der Bahn gefordert. Im Zusammenhang mit den Zugausfällen wegen Personalmangels sprach Brüderle im Interview mit der Mainzer "Allgemeinen Zeitung" vom Dienstag von einer "internationalen Blamage", einem "unglaublichen Zustand, für den die Menschen kein Verständnis haben". "Hier wird eine ganze Region in Geiselhaft genommen", kritisierte der FDP-Politiker.

Es helfe jetzt nicht, einen Bahn-Vorstand abzusetzen, vielmehr müsse die Bahn-Struktur mit ihrer staatlichen Absicherung "grundlegend unter die Lupe genommen werden", forderte Brüderle. "Ein freies Unternehmen im Wettbewerb könnte sich so etwas nicht leisten", fügte er hinzu. In diesem Zusammenhang halte er auch den einst vertagten Börsengang der Bahn "zum richtigen Zeitpunkt für überlegenswert". Brüderle unterstützte zudem den Vorschlag von FDP-Generalsekretär Patrick Döring, notfalls Bahn-Mitarbeiter aus dem Urlaub zu holen.

"Wir brauchen mehr Personal bei der Bahn"

Im Gegensatz zur FDP lehnt die SPD neue Überlegungen für einen Börsengang der Bahn ab. "Schwarz-Gelb hat der Bahn eine Zwangsdividende von einer halben Milliarde Euro pro Jahr auferlegt. Deshalb fehlt jetzt das Geld für Personal und Infrastruktur", sagte der im SPD-Wahlkampfteam für Verkehr zuständige Fraktionsvize Florian Pronold am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. Zu Äußerungen von FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle, angesichts der Personalprobleme beim Mainzer Stellwerk die Bahnstruktur mit ihrer staatlichen Absicherung unter die Lupe zu nehmen, sagte Pronold: "Wir brauchen nicht mehr Privatisierung, sondern mehr Personal bei der Bahn." Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) warf er Versagen vor. Er habe als Bahn-Eigentümer angesichts der Personalsituation bei der Bahn geschlafen. "Er ist der Stillstandsminister dieser Regierung."

Ganz ähnlich sieht das der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Roger Lewentz (SPD). Er hat der Bundesregierung "absolutes Versagen" vorgeworfen. Im ARD-Morgenmagazin kritisierte er am Dienstag Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU): "Es ist schon befremdlich, dass ich ihn erst am Freitag auffordern musste, das zur Chefsache zu machen." Die Bundesregierung hätte viel schneller und von sich aus handeln müssen, da sie Eigentümer sei. Die Einberufung des für Mittwoch geplanten Krisengipfels in Frankfurt am Main ist nach seiner Ansicht eine Reaktion auf die Einladung des Landes Rheinland-Pfalz zu einem runden Tisch am heutigen Dienstag.

Ramsauer wies die Vorwürfe einer Mitschuld an Problemen bei der Bahn am Dienstag umgehend zurück. "Die christlich-liberale Bundesregierung hat die Scherben aufgekehrt und den Kurswechsel hin zu einer kundenorientierten Deutschen Bahn vollzogen", sagte Ramsauer.

Am Mainzer Hauptbahnhof fallen derzeit regelmäßig Züge aus und der Regionalverkehr läuft nur eingeschränkt. Fernverkehrszüge wie ICEs werden teils umgeleitet oder halten an anderen Bahnhöfen. Von den üblicherweise 15 Mitarbeitern des Stellwerk-Fahrdienstes in Mainz sind fünf derzeit krank und drei im Urlaub.

DB-Vorstandsmitglied Volker Kefer hatte am Montagabend in der ARD gesagt, die Bahn werde die Zahl der Fahrdienstleiter weiter erhöhen. Entsprechende Beschlüsse seien bereits vor Monaten gefallen. Außerdem werde untersucht, "dass wir Fahrdienstleiter, die an anderen Stellwerken außenrum Dienst tun, zusätzlich ausbilden als Reserven". Ohne entsprechende Schulung könnten "Fahrdienstleiter nicht einfach verschoben werden", da sie Streckenkunde benötigten, führte Kefer aus.

AFP/dpa

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