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Bamf-Chefin Jutta Cordt.

Die „Eisprinzessin“ unter Druck

Versammlung beim Bamf: Chefin Cordt droht heute ein „Tribunal“

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Mitarbeiter sprechen von einem „Tribunal“, das auf Chefin Jutta Cordt am Mittwoch wartet. Die Bamf-Präsidentin wird von der eigenen Belegschaft voraussichtlich hart rangenommen.

München - Ein Sturm der Entrüstung droht, wenn sich die Flüchtlingsbehörde Bamf am Mittwochmorgen ab 10.30 Uhr in Nürnberg zur Personalversammlung trifft. Die Unzufriedenheit von Teilen der Belegschaft dürfte dann die gesamte Bamf-Spitze erreichen - allen voran Präsidentin Jutta Cordt.

„Eisprinzessin wird Jutta Cordt bei uns nur genannt“

Worum geht es? Es ist erst wenige Wochen her, da trat die ehemalige Leiterin der Außenstelle Bremen, Josefa Schmid, einen Skandal los, der die Republik seither in Atem hält. Ob sie auch kommt, war noch offen. Riesige Missstände wurden von zahlreichen Medien publik gemacht, die Stimmung unter den Mitarbeitern muss unseren Informationen nach zum Teil katastrophal sein. Langjährige Mitarbeiter ließen gegenüber merkur.de wissen, dass ein „Klima der Angst“ vorherrsche, dass massiv Druck ausgeübt werde, weil die undichten Stellen in der Behörde gefunden werden sollen und dass die Führungsriege dazu auf „Stasi-Methoden“ zurückgreife. Das Bamf widerspricht: „Es ist uns wichtig, dass Menschen, die mit uns in Kontakt kommen oder bei uns arbeiten, sich kompetent und fair behandelt wissen.“

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Ein Insider erzählt von seiner Chefin, die nun arg unter Druck steht: „‘Eisprinzessin‘ wird Jutta Cordt bei uns nur genannt.“ Sie zeige keine Empathie und habe keine Bindung zum Personal. Aus Angst am Pranger zu stehen und von der Leitung „verhört“ zu werden, will er nicht beim Namen genannt werden. Er, der seit Jahrzehnten im Amt arbeitet, sagt: „Eine so unbeliebte Präsidentin hatten wir noch nie. Auf sie dürfte am Mittwoch ein Tribunal warten.“

Josefa Schmid.

Ein unbequemer Tag wartet auf die Leitung des Bamf

Was er damit meint? Wie auch andere Mitarbeiter geht er davon aus, dass bereits die Vorsitzende des Personalrats in ihrer einleitenden Rede auf das Thema Josefa Schmid eingeht. Dabei kommt die Bamf-Leitung nicht gut weg, weil auch merkur.de interne Dokumente vorliegen, die zeigen, dass Schmid vermutlich mundtot gemacht werden sollte. Bei der Versetzung wurde der Personalrat unseren Informationen nach gar übergangen.

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Gegen Mittag werden Mitarbeiter ihre Anliegen vorbringen. Und das dürfte für die Behördenleitung auf alle Fälle unbequem werden, denn schon in den Personalversammlungen zuvor (Mitte und Ende 2017) wurde Cordt vereinzelt von Mitarbeitern ausgebuht. So berichten Augenzeugen. Ein Mitarbeiter soll die Behörde im Dezember mit dem System in Nordkorea und der DDR verglichen haben. Ein anderes Mal soll eine Frau aufgestanden sein und gesagt haben: „Wir sind keine Maschinen. So geht das nicht.“ Laut Anwesenden tobte der Saal vor Begeisterung über den Mut der Kollegen - Cordt und die Leitung saß die Vorwürfe jeweils aus und reagierte nicht darauf.

Erstmals soll auch ein BMI-Mitarbeiter vor Ort sein - im Bamf munkelt man bereits

Wie reagiert das Bamf? „Die Leitung befindet sich in einem regelmäßigen Austausch mit den Personalvertretungen. Aber – auch das gehört zur Wahrheit - Leitung und Personalvertretung sind nicht immer einer Meinung“, heißt es dort.

Nach unseren Informationen wurde das Sicherheitspersonal für dieses Jahr noch einmal aufgestockt. Und es gibt eine Premiere. Offenbar soll erstmals ein Mitarbeiter des Bundesministeriums des Innern anwesend sein. Unter den Bamf-Mitarbeitern munkelt man, er solle schauen, wie die Belegschaft auf Cordt reagiere. Sollte das wahr sein, dürfte er seinem Chef Horst Seehofer nicht besonders viel aufmunterndes zu berichten haben. Wie der Münchner Merkur bereits schrieb, soll das Verhältnis Seehofer und Cordt massiv belastet sein.

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