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Angela Merkel und Barack Obama sprechen am Brandenburger Tor über die Zukunft der Demokratie.

80.000 Menschen am Brandenburger Tor

Mit Merkel beim Kirchentag: Obama ruft gegen Fremdenhass und Nationalismus auf

Unter starken Sicherheitsvorkehrungen hören Zehntausende Menschen beim Evangelischen Kirchentag in Berlin Barack Obama und Angela Merkel zu: Sie sprechen dort über die Zukunft der Demokratie.

Berlin - Allein rund 80.000 Teilnehmer wurden am Brandenburger Tor erwartet, wo der frühere US-Präsident Barack Obama mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) über die Zukunft der Demokratie sprechen wollte. Am ersten Programmtag gab es aber auch zahlreiche andere Veranstaltungen, darunter Bibelarbeiten, Workshops, Konzerte oder Diskussionsrunden.

Sie können den Auftritt im Live-Stream der ARD verfolgen - mit einem Klick gelangen Sie direkt dort hin:

Obama: „Guten Tag, good to see all of you“

Der frühere US-Präsident hat die Zuschauer bei seinem ersten Auftritt beim Kirchentag in Berlin zumindest teilweise auf Deutsch begrüßt. „Guten Tag, good to see all of you“ (Guten Tag, schön, Sie alle zu sehen), sagte er am Donnerstag zum Auftakt einer Diskussionsrunde mit Kanzlerin Angela Merkel vor dem Brandenburger Tor. „Es ist für mich eine große Ehre, an diesem wunderbaren Ereignis teilzunehmen“, betonte er. „Was mich besonders begeistert, ist, so viele junge Leute hier zu sehen.“ Er liebe Berlin, so Obama weiter und lobte Merkel. Sie sei ihm während seiner Präsidentschaft „eine der liebsten Partnerinnen“ gewesen.

Zudem hat er eindringlich dafür geworben, die von ihm eingeleitete Reform des amerikanischen Gesundheitswesens fortzusetzen. Die medizinische Versorgung von mehr Menschen in den USA sei angesichts der politischen Entwicklungen derzeit „insgesamt bedroht“, beklagte Obama mit Blick auf seinen Amtsnachfolger Donald Trump. „Wir haben einen neuen Standard gesetzt“, betonte Obama. Er habe sich „als Staffelläufer gesehen, jetzt habe ich den Stab übergeben an den nächsten Läufer“.

Als US-Präsident müsse man „anerkennen, dass man nie alles erreicht, was man anstrebt“. So sei sein Ziel gewesen, den US-Amerikanern mit „Obamacare“ zu 100 Prozent eine medizinische Versorgung zu verschaffen. Immerhin hätten 20 Millionen Menschen zusätzlich profitiert. Darauf sei er „sehr stolz“.

Obama hatte Anfang Mai in einer Rede indirekt an Trump appelliert, die nach ihm benannte Gesundheitsversorgung nicht zu demontieren. Erst am Mittwoch hatte der Versuch Trumps, die Reform zu ersetzen, einen Rückschlag erlitten. Die parlamentarische Prüfbehörde CBO erklärte, der zur Debatte stehende und inzwischen vom Repräsentantenhaus angenommene Vorschlag würde bis zum Jahr 2026 rund 23 Millionen Amerikanern die Krankenversicherung kosten.

Obama ruft gegen Fremdenhass und Nationalismus auf

Obama hat außerdem dazu aufgerufen, sich massiv gegen Fremdenhass, Nationalismus und antidemokratische Strömungen auf der Welt einzusetzen. Es sei das Wichtigste, sich hinter die Werte zu stellen, die „uns am wichtigsten sind“ und sich gegen jene zu stellen, die diese Werte zurückdrängten. „Ich denke, das ist eine wichtige Schlacht, die wir austragen müssen.“ Zudem betonte er seine Hoffnung in die junge Generation betont. „Es hängt alles von jungen Menschen ab, wie hier heute in Berlin - und deshalb möchte ich auch mein Wissen weitergeben.“ Er hoffe, junge Menschen dazu motivieren zu können, Führungsaufgaben zu übernehmen und sich den Herausforderungen der Welt zu stellen. Sie hätten heute Zugang zu Informationen und Chancen, die undenkbar gewesen seien, als er und Merkel geboren worden seien.

Angela Merkel hat indes mit einer Klarstellung zur Sitzordnung - und zur Machtverteilung - auf dem Kirchentag für Lacher gesorgt. Am Donnerstag wies sie den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, humorvoll in seine Schranken. Dieser hatte gerade zu einer Frage an Ex-US-Präsident Barack Obama angesetzt: Wenn jetzt schon mal der lange Zeit mächtigste Mann der Welt neben ihm sitze ... Gelächter. Denn Merkels Gesichtsausdruck sprach Bände: „Ich hab' so geguckt, weil neben Ihnen sitze ja jetzt erstmal ich“, sagte die Kanzlerin.

140.000 Dauerteilnehmer beim Kirchentag

Der Kirchentag mit rund 140.000 Dauerteilnehmern war am Mittwochabend mit drei Gottesdiensten am Reichstag, am Brandenburger Tor und auf dem Gendarmenmarkt eröffnet worden. Vor dem Hintergrund der Terrorgefahr wurden die Polizeikontrollen verschärft. An den Zufahrten zu den verschiedenen Veranstaltungsorten wurden Betonbarrieren aufgestellt, zudem gibt es Taschenkontrollen. Die Polizei zeigt deutlich sichtbar Präsenz, zum Teil sind die Beamten mit Maschinenpistolen bewaffnet.

Am Sonntag geht der Kirchentag mit einem Gottesdienst in Wittenberg zu Ende. Der Überlieferung nach veröffentlichte Martin Luther (1483-1546) in der Stadt am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel. Dies war der Ausgangspunkt der Reformation, die schließlich in eine Spaltung der Kirche mündete.

dpa

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