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Stamm: Seehofer sollte zur Söder-Wahl kommen

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Von: Mike Schier, Christian Deutschländer

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Landtagspräsidentin Barbara Stamm und CSU-Chef Horst Seehofer
Landtagspräsidentin Barbara Stamm und CSU-Chef Horst Seehofer. © dpa / Sven Hoppe

Landtagspräsidentin Barbara Stamm hat Horst Seehofer dazu aufgefordert, am Freitag zur Wahl seines Nachfolgers in den Landtag zu kommen. Im Interview äußert sie sich auch zum Frauenproblem der CSU.

München - Die Macht liegt bei Barbara Stamm. Seit dem Rücktritt des Ministerpräsidenten und bis zur Wahl seines Nachfolgers übernimmt die Landtagspräsidentin Bayerns Vertretung nach außen, in dieser Zeit unantastbar. Was passiert in diesem Interregnum? Und wie geht es weiter in Bayern?

Frau Ministerpräsidentin Stamm... – wie klingt das in Ihren Ohren?

Barbara Stamm: Relativ ungewohnt. (lacht) Aber klingt gut.

Sie sind für 60 Stunden Bayerns Staats-Chefin. Was heißt das für Ihren Tagesablauf? Berge von Aktenkoffern, vor der Türe verstärkter Polizeischutz?

Stamm: Bisher kam kein Aktenkoffer aus der Staatskanzlei. Die Arbeitstage sind voll, wie immer – Termine mit Menschen vor Ort und hier im Landtag.

Lassen Sie uns kurz träumen: Was könnten Sie in diesem Interregnum alles anpacken?

Stamm: Mir haben dieser Tage Bekannte zugerufen: Du könntest doch schnell einen lange erhofften Zuschuss für uns bewilligen! Nein, das kann ich leider nicht. Ich nehme die Außenvertretung Bayerns in dieser Zeit wahr, die Amtsgeschäfte führt Vize-Ministerpräsidentin Ilse Aigner.

Zwei Frauen an Bayerns Spitze – Alltag in der CSU ist das nicht. Frauen sind unterrepräsentiert. Was erwarten Sie in diesem Zusammenhang von Söders Kabinettsbildung?

Stamm: Wir haben einiges erreicht, aber ich sehe noch viel Luft nach oben. So wie ich Markus Söder kenne – und mit ihm gesprochen habe: Er weiß, dass er in seiner Regierung daran gemessen wird, den Frauenanteil zu erhöhen.

Was muss sich in der CSU insgesamt ändern, um mehr Frauen in die Parlamente zu bekommen?

Stamm: Ganz einfach: Der Schlüssel liegt in den Direktmandaten. Schauen Sie sich mal München an: kein einziger Bundestagswahlkreis für eine Frau. Ich wünsche mir da ein neues Bewusstsein in der Partei – und bei den Frauen selbst. Es ist immer schön, zu sagen: Die Männer sind schuld – dabei liegt es auch an uns Frauen, uns stärker einzubringen in der CSU, nämlich indem wir Mitglieder werden und als Delegierte hingehen zu Aufstellungsversammlungen.

Die CSU-Frauen müssen etwas lauter werden?

Stamm: Eigentlich ja.

Unrecht für Horst Seehofer? „Auf beiden Seiten sind Verletzungen da“

Horst Seehofer hat sich auf eher leisen Sohlen aus München verabschiedet. Wurde ihm von der CSU-Fraktion Unrecht getan?

Stamm: Der Blick zurück ist schwierig. Ich sage es mal so: Man hat sich im Lauf der Zeit gegenseitig nichts geschenkt. Auf beiden Seiten sind Verletzungen da. Ich würde nicht die ganze Fraktion nennen, aber einige Mitglieder von Fraktion und Partei: In der Zeit, als wir in Berlin so hart über die Regierungsbildung verhandelt haben, wäre es schöner gewesen, in Bayern hätte mal Ruhe geherrscht. Horst Seehofer würde ich gerne auf den Weg mitgeben: Er soll sich auf seine neue und wichtige Aufgabe freuen und manches hinter sich lassen.

„Es war mir eine Ehre“ - Das steht in Seehofers offiziellem Rücktrittsschreiben

Erwarten Sie von ihm, dass er am Freitag bei Söders Wahl präsent ist? Er hat sein Landtagsmandat ja noch...

Stamm: Ich wünsche mir sehr, dass er da ist, ja. Das würde vieles erleichtern, auch für ihn. Ich hoffe nicht, dass der Terminplan am Freitag in Berlin das unmöglich macht.

Bayern steht nun vor einer Zäsur: Was erwarten Sie von Markus Söder beim politischen Stil?

Stamm: Dass er Dinge differenzierter angeht und diskutiert – wie er es in Passau schon vorbildlich gemacht hat. Ich wünsche mir, dass er offen unterwegs ist, auch andere Meinungen abwägt. Er kann das, keine Frage. Und noch einen Wunsch habe ich: Dass er die Bürokratie bei uns etwas zurückdrängt. Das bedeutet, dass sich die Politik, die für alles verantwortlich gemacht wird, mehr Gestaltungsspielraum zurückholen muss.

Wir hätten noch einen Vorschlag zur Repräsentanz von Frauen in der CSU: Sie entscheiden sich, im Herbst nochmal für den Landtag zu kandidieren ...

Stamm (lacht): Ich bitte um Nachsicht: Ich hatte so extrem viel zu tun in den vergangenen Wochen – ich bin kaum so zu mir gekommen, wie ich wollte. Auf der einen Seite denke ich nach so langer Zeit: Das kann’s jetzt wirklich gewesen sein, ich darf so dankbar sein. Auf der anderen Seite erkenne ich jeden Tag: In dieser schwierigen, aufgeregten Zeit sollten erfahrene Politikerinnen und Politiker besondere Verantwortung tragen. Über Ostern werde ich mich entscheiden.

Interview: Christian Deutschländer und Mike Schier

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