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Wie geht’s weiter mit ihrer CSU? Joachim Herrmann (l.) und Horst Seehofer müssen sich unangenehmen Fragen stellen.

Teilweise erhebliche Einbußen

Nach CSU-Pleite: Das sagt die Basis

Die CSU zählt zu den großen Verlierern der Bundestagswahl. Ausgerechnet die AfD hat der Regierungspartei Wähler abgeknöpft.  Nun stellt die Basis klare Forderungen.

München - Noch nie gab es bei der CSU so einen Kater, wie nach dieser Wahl. In CSU-Hochburgen wie dem Bayerwald sackte die AfD über 20 Prozent der Stimmen ein! Im Deggendorfer Wahllokal St. Martin überholte die AfD mit 31,46 Prozent sogar die CSU, die nur auf 24,41 Prozent kam. Bei Facebook fliegen die Fetzen: „Drehhofer hat alles falsch gemacht“, ist in einem CSUler-Chat zu lesen. „Beim Thema Obergrenze wenig glaubhaft“ - „Seehofer wackelt nicht, er ist maximal abgestürzt!!! Söder, sofort!“ Andere warnen: „Seehofer sagt, er will die rechte Flanke schließen.“ Dass sei schon den Konservativen in Österreich und Frankreich misslungen. Lesen Sie hier, was die CSU-Basis zur tz sagt:

Wir müssen Wort halten!

Es gibt nach dieser Wahl für uns nur eine einzige Botschaft: Wir müssen unser Wort halten. Die Obergrenze muss kommen – wobei mir egal ist, wie wir sie nennen – und der Familiennachzug muss begrenzt werden. Außerdem muss die Rückführung von Flüchtlingen in sichere Herkunftsländer funktionieren. Und wir müssen natürlich auch unsere anderen Versprechen, wie zum Beispiel die Mütterrente, durchsetzen. Und nur wenn das alles gewährleistet ist, dann können wir einem Koalitionsvertrag zustimmen! Wenn nicht, dann geht’s eben nicht! Was wir nicht gebrauchen können, ist eine Personaldebatte. Wenn jemand in Berlin für die CSU die Kastanien aus dem Feuer holt, dann Horst Seehofer.

Christian Bernreiter, CSU-Landrat in Deggendorf und Chef des Bayr. Landkreistages


Nicht weiter nach rechts rücken!

Es wurde zu lange auf Merkel eingeschlagen, das war nicht gut. Die Kritik war am Anfang berechtigt, man hätte mehr kontrollieren sollen. Aber es war doch richtig, dass man Menschen hilft, die am Verhungern, am Sterben sind. Mich macht es fassungslos, dass ausgerechnet in meiner niederbayerischen Heimat die AfD so gut abgeschnitten hat. Hier war die Hilfsbereitschaft 2015 besonders groß, als all diese Menschen über die Grenze kamen. Ich hoffe, dass Merkel es schafft, eine stabile Regierung zu bilden. Die CSU muss sich bis zur Landtagswahl anstrengen, sie muss die Unterschiede zur AfD mehr herausarbeiten. Die Argumente der AfD sind nicht die der CSU. Wir sind eine liberale und weltoffene Partei. Wir dürfen nicht noch mehr nach rechts rücken, das wäre ein absoluter Fehler.

Hanns Dorfner (75), Passauer Ex-Landrat


Wie Strauß handeln

In unserer Ortschaft holte die AfD 28,1 Prozent. Es sind viele Protestwähler. Dabei sind wir in unserer Gemeinde gut aufgestellt. Wir hatten in den 70ern eine Winterarbeitslosigkeit von 40 Prozent, jetzt ist fast Vollbeschäftigung. Unsere sieben Flüchtlinge aus Pakistan und Somalia sind integriert, haben Jobs, machen keine Probleme. Es muss die Bundespolitik sein, die sie ärgert, zu 99 Prozent die Flüchtlingspolitik. Die CSU muss wieder nach Strauß handeln: Man muss den Leuten aufs Maul schauen, aber nicht nach dem Mund reden.

Ernst Kandlinger, Bürgermeister von Mauth (Kreis Freyung-Grafenau)


Söder statt Seehofer

Die Querelen zwischen Merkel und Seehofer haben uns immens geschadet. Die Menschen wollen eine klare Linie – in Personalfragen, aber auch bei den Themen wie Migration oder Energie­politik. Mein Wunsch: Die CSU sollte mit Markus Söder als Spitzenkandidat in die Landtagswahl gehen. Mit einem klaren Konzept haben wir die Chance AfD-Wähler zurückzugewinnen. Seehofer fordert „klare Kante“ – ich halte das für unklug. Wir stehen vor Koalitions­gesprächen, da muss man Kompromisse eingehen. Und das sollte man auch so kommunizieren.

Hartmut Sprung, CSU-Kreis Nürnberg


Nicht nachrennen

Das ist ein düsteres Ergebnis. Alle demokratischen Parteien und Organisationen werden jetzt gründlich darüber nachdenken müssen. Die AfD hat die Schwächen und Ängste der Menschen erkannt. Nun laufen die anderen Politiker dem politischen Monstrum hinterher anstatt vor ihm wegzurennen. Die Leute von der AfD werden Deutschland spalten, wenn wir uns nicht bald aktiv und offen mit ihnen auseinandersetzen.

Nima Lirawi, Bezirksausschussmitglied in Neuhausen/Nymphenburg


Pferd nicht wechseln

Die CSU kann schon wegen der Landtagswahl eine Jamaika Koalition in Berlin gar nicht eingehen! Es wird lange Verhandlungen geben, die im Nichts enden... das heißt entweder Neuwahlen oder die SPD ändert aus staatspolitischer Verantwortung ihre Haltung! Grund für das schlechte CSU-Abschneiden ist die AfD, die viele Themen besetzt, die früher die CSU abdeckte. Das hat Nichtwähler aktiviert. Nicht zu vergessen die Wählerwanderung zur FDP. Auch wurde der Streit innerhalb der Union nicht vergessen. Nur ich würde das Pferd jetzt nicht wechseln!

Richard Quaas, Stadtrat in München


Obergrenze muss her

Das Ergebnis hat mich geschockt. Aber mein Eindruck im Wahlkampf war, dass uns viele mal eine Klatsche mitgeben wollten, Aber so heftig… Und die Situation wird jetzt nicht einfacher. Mit Jamaika werden wir schwierige Kompromisse eingehen müssen – aber ganz ehrlich, dazu gibt es keine Alternative. Das kann man vermitteln, aber nur, wenn man auch etwas durchsetzt. Und dazu gehört unbedingt die Obergrenze. Ich verstehe gar nicht, warum es darüber so viele Diskussionen gibt. In anderen Ländern wundert man sich darüber.

Tanja Stumpf, CSU-Ortsverein Ingolstadt-Süd


Jamaika ist Chance

Wir haben die Menschen einfach nicht bei ihren Problemen abgeholt – besonders beim Thema Flüchtlinge. Das muss sich ändern. Und dafür ist auch Jamaika eine Chance und ein interessantes Projekt. Die Menschen sehnen sich nach neuen Impulsen. Dass wir für Kompromisse bei der Landtagswahl abgestraft werden, fürchte ich nicht. Seehofer wird dafür sorgen, dass es in Bayern anders aussieht als im Bund. Dort sollte man mal über die Person Schäuble sprechen.

Alexander Schoeppe, CSU-Regensburg-Altstadt


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