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Margarete Bause.

Wechsel

Bause denkt an Berlin

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München - Die kleinen Parteien im Landtag tun sich schwer. Auch die Grünen, einst als Premium-Opposition gefeiert, haben sich noch nicht gefunden. Während die Partei neue Strukturen schafft, liebäugelt Fraktionschefin Margarete Bause mit einem Wechsel nach Berlin.

Es war alles andere als eine Liebesheirat. Als Margarete Bause und Ludwig Hartmann Ende 2013 zum Führungsduo der Grünenfraktion gewählt wurden, wollte keine Partystimmung aufkommen. Da würden bald die Fetzen fliegen, raunte einer, der beide schon länger kannte. Hier der aufstrebende Karrierist (heute 36). Dort die 20 Jahre ältere Dauervorsitzende. Eineinhalb Jahre später staunen alle, wie gut die beiden harmonieren – und dass die Fraktion trotzdem nicht recht in die Gänge kommt.

Keine der vier Fraktionen hatte es bei der Landtagswahl so durcheinandergewirbelt wie die Grünen: Susanna Tausendfreund, Eike Hallitzky, Theresa Schopper – reihenweise verpassten die alten Hasen den Wiedereinzug. Mit Martin Runge erwischte es sogar den Fraktionsvorsitzenden. Nun besteht die Hälfte der Fraktion aus Neulingen, von denen die meisten bis heute ihre Rolle suchen.

Es grummelt hinter den Kulissen, auch wenn Hartmann und Bause unisono die positive Entwicklung loben. „Zu viele Einzelkämpfer“, diagnostiziert die Abgeordnete Claudia Stamm. „Mehr Teamgeist und gegenseitige Wertschätzung würden bessere Durchsetzungsfähigkeit, vor allem aber größere Schlagkraft erzeugen.“ Kritik gibt es an Fraktionschef Hartmann, dessen forsche Art nicht bei allen gut ankommt. „Manch ein Vorstoß lief leider ohne Abstimmung oder Vorbereitung in der Fraktion“, kritisiert Stamm – und dürfte damit in erster Linie Hartmann meinen. Aber auch anderen ist er zu dominant, zu sehr auf die Medien fixiert.

Der Landsberger mit dem Münchner Stimmkreis gehört zu jenen, die ihre Karriere sorgfältig planen – was bei den Grünen per se skeptisch beäugt wird. Er kenne die Befindlichkeiten, sagt der 36-Jährige selbst. Einige rügen, dass sich Hartmann zu sehr ins Fachgebiet des Energiepolitikers Martin Stümpfig einmische. Stümpfig gilt neben der quirligen Katharina Schulze als einer der wenigen Neulinge, denen man Karrierechancen prognostiziert. Stümpfig selbst ist viel zu freundlich, um Hartmann offen zu kritisieren. Mit den Hakeleien des Politgeschäfts fremdelt er. Noch.

„Für mich ist klar, dass ein Fraktionsvorsitzender die Fraktion nach außen vertritt“, sagt dagegen Hartmann. Die Frage von Führung sei bei den Grünen immer eine Gratwanderung. „Dass ich eher zu mehr Führung tendiere, ist kein Geheimnis.“ Umso erstaunlicher ist, wie gut er mit Bause harmoniert. Hartmann war die treibende Kraft bei der personellen Neuaufgestellung hinter den Kulissen. Er holte mit Alexander Burger einen strategischen Kopf als Grundsatzreferent in die Fraktion. Inzwischen schwärmt sogar Bause, wie generalstabsmäßig man sich auf die nächste Landtagswahl ausrichte. „Das sieht man die Früchte jetzt vielleicht noch nicht“, sagt die Fraktionschefin. „Aber ein so konsequentes strategisches Vorgehen habe ich in dieser Form noch nicht erlebt.“ Andere beklagen derweil die Flut der internen Sitzungen und Besprechungen. „Wir beschäftigen uns sehr viel mit uns selbst. Das hätte ich so nicht erwartet“, staunt eine der Neuen.

Eine der spannendsten Fragen der nächsten Monate wird, was Margarete Bause plant. In einem Jahr muss das Führungsduo im Amt bestätigt werden. Doch nach Informationen unserer Zeitung erwägt Bause, 2017 für den Bundestag zu kandidieren. Für Bause, 1986 erstmals ins Maximilianeum gewählt, wäre das eine Zäsur. Die Schwabingerin dementiert nicht, sagt jedoch, es sei „viel zu früh“ für eine Entscheidung. Sollte sie antreten, könnte es nächstes Jahr spannend werden: Die Fraktion dürfte auf einen Wechsel an der Spitze dringen (und vielleicht Schulze wählen), Bause selbst müsste aber im Amt bleiben, wenn sie aus einer Position der Stärke für den Bundestag kandidieren will.

Möglicherweise muss auch die Struktur der Fraktion insgesamt hinterfragt worden. Seit der Wahl sitzen sechs der 18 Abgeordneten im Vorstand – viel zu viele, findet beispielsweise Claudia Stamm. „Die Größe des Vorstands ist kontraproduktiv“, kritisiert sie – und „ein weiteres Indiz für Selbstbeschäftigung“.

Mike Schier

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