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13 von 18 Stimmen: Margarete Bause und Ludwig Hartmann bleiben an der Spitze der Grünen-Fraktion.

Landespolitik

Bause und Hartmann bestätigt: Die „volle Kraft“ von 13 grünen Stimmen

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München - Mit einem mäßigen Ergebnis bestätigt die Landtagsfraktion Margarete Bause und Ludwig Hartmann als Fraktionschefs. Hartmann sprach anschließend von einem „ehrlichen“ Ergebnis - das parteiübergreifende Codewort für unter den Erwartungen gebliebene Wahlen.

Politische Mathematik ist eine hohe Kunst und manchmal nahe an Sterndeutung. 87,2 Prozent bei einer Wiederwahl ohne Gegenkandidaten galten bisher als „Denkzettel“, „Abrechnung“ und „Dämpfer“. Dieses Ergebnis wurde Horst Seehofer im November auf dem CSU-Parteitag zuteil. Nun mussten sich Bayerns oberste Grünen-Abgeordnete wiederwählen lassen. 72,2 Prozent – und die offizielle Lesart hier: „Volle Kraft für ein grünes Bayern.“

Mit jeweils 13 von 18 Stimmen bestätigte die Fraktion gestern ihre Vorsitzenden Ludwig Hartmann (37) und Margarete Bause (57). Das reicht für eine zweite Halbzeit in der laufenden Legislaturperiode, bei Bause genügt es sogar für einen bunten Blumenstrauß – trotzdem manifestiert sich in den Gegenstimmen, dass es Unzufriedenheiten und offenbar auch Rivalitäten in der kleinsten Oppositionsfraktion gibt.

Vor allem für Bause war die Wahl nicht einfach. Sie hat unlängst verkündet, 2017 in den Bundestag wechseln zu wollen. In der Fraktion sind nicht alle der Meinung, dass die Münchnerin bis dahin an der Spitze bleiben müsse. Der jungen stellvertretenden Vorsitzenden Katharina Schulze (30), ebenfalls aus München, werden Ambitionen auf die Nachfolge nachgesagt. Weder sie noch eine Kollegin standen aber gestern gegen Bause auf. Es wäre auch kein Selbstläufer gewesen; Bause hat durch spektakuläre Aktionen wie ihr Ai-Weiwei-Treffen am Rande von Seehofers China-Reise gepunktet. In einer Reihe von Vorgesprächen wurde deshalb ausgemacht: keine Kampfkandidatur.

Die Debatte über Bause gilt nun intern als vertagt, bis die Grünen ihre Bundestagsliste aufgestellt haben; das dürfte Ende des Jahres sein. Rückschlüsse, wie sich die Fraktion danach aufstellen werden, lässt das Ergebnis nicht zu. Schulze bleibt Vize (10 Ja-Stimmen bei zwei Gegenkandidatinnen). Die Fraktion kippte außerdem die Fränkin Verena Osgyan aus dem Vize-Amt, dafür rückt die Traunsteiner Biobäuerin Gisela Sengl nach einer hauchdünnen Abstimmung (zweimaliges Patt) auf. Parlamentarischer Geschäftsführer bleibt klar Thomas Gehring.

Es sei insgesamt „gut gelaufen“, sagt Hartmann gelassen. „Wir sind die Grünen“, erklären Abgeordnete achselzuckend, Gegenstimmen gehörten zur „Fraktionskultur“. Bause kennt sich damit gut aus. „Ich hatte mehrfach die Erfahrung der Wahl und der Wiederwahl, es war durchaus schon knapper.“ 2011 zum Beispiel, als nur 10 von 19 Abgeordneten ihr die Stimme gaben. „Das hat mich verletzt“, bekannte sie damals. Bause übrigens beteiligte sich nicht an Spötteleien über Seehofers 87,2 Prozent.

Ein ähnlich mäßiges Ergebnis wie die Grünen hatte bei der Zwischenwahl vor zwei Wochen Hubert Aiwanger von seinen Freien Wählern erhalten. Die CSU hingegen hatte ihren Fraktionschef Thomas Kreuzer im Januar mit knapp 98 Prozent bestätigt. Die SPD will erst im Mai die Spitze um Markus Rinderspacher neu wählen.

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