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Margarete Bause

Listenaufstellung

Bundestag: Harter Kampf um die sicheren Plätze

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Es wird ernst:  SPD und Grüne in Bayern stellen ihre Listen für die Bundestagswahl auf. Mit besonderer Spannung wird das Ergebnis von Margarete Bause erwartet.

München– Es sind die Momente, in denen sich Parteifreunde die übelsten Wunden zufügen: Die ersten bayerischen Parteien entscheiden am Wochenende über die Aufstellung ihrer Listen für die Bundestagswahl. Heute Abend und morgen Vormittag treffen sich die Grünen in Augsburg, die SPD tingelt nach Nürnberg. Und in beiden Parteien bahnen sich Enttäuschungen an.

Mit besonderer Spannung erwartet man bei den Grünen das Abschneiden von Margarete Bause, die es nach gut drei Jahrzehnten im Landtag in den Bundestag zieht. Die 57-Jährige bewirbt sich um Listenplatz 5 – und muss mit Gegenkandidaten rechnen. Mit der Dachauerin Beate Walter-Rosenheimer wird eine etablierte Abgeordnete gegen die wechselwillige Landespolitikerin antreten. Kaum einer bei den Grünen traut sich eine sichere Prognose zu. Klar, Bause verfüge über große Erfahrung und werde sicher etliche Stimmen ziehen, sagen die einen. Doch es gibt auch jene, die nicht verstehen, warum jemand aus dem „Establishment“ noch einmal das Parlament wechseln muss. „Das hat schon für viel Unzufriedenheit gesorgt“, heißt es in der Parteispitze.

Bauses Problem: Verliert sie die erste Abstimmung, könnte es unangenehm werden. Der nächste Frauen-Platz dürfte an Franken gehen (auch bei den Grünen gibt es einen gewissen Regionalproporz), weshalb dann erst eine neuerliche Kandidatur auf Platz 9 bliebe. Dieser Platz gilt zwar immer noch als sicher – derzeit sitzen neun bayerische Grüne im Bundestag –, doch der Ansehensverlust für eine der bekanntesten Grünen in Bayern wäre groß.

So oder so: Bauses Tage als Fraktionsvorsitzende im Landtag sind gezählt. Sollte sie einen sicheren Platz bekommen dürfte ein Wechsel im Frühjahr erfolgen. Aussichtsreichste Kandidatin für die Nachfolge ist die Münchnerin Katharina Schulze (31). Sollte Bause die Kampfkandidatur verlieren, könnte es nach Einschätzung von Grünen-Abgeordneten sogar noch früher zum Wechsel kommen.

Es wird also spannend in Augsburg. Lediglich die ersten beiden Plätze von Claudia Roth und Toni Hofreiter gelten als unumstritten. Schon bei Platz 3 von Ekin Deligöz bahnt sich überraschend eine Kampfabstimmung an. Die Münchner Abgeordnete Doris Wagner will gegen Deligöz kandidieren. Allerdings werden Wagner dabei genauso geringe Chancen eingeräumt wie Uwe Kekeritz, der auf Platz 4 den Ex-Landesvorsitzenden Dieter Janecek herausfordert.

Anders als bei den Grünen treten bei der SPD Präsidium und Landesvorstand am Samstag mit einem Listenvorschlag vor die Delegierten. Heute Abend wird noch einmal gerungen. Wochenlang debattierte man hinter den Kulissen, wie man die Verwerfungen möglichst gering halten könne. Vor allem die Oberbayern wachten mit Argusaugen darüber, ob es wieder Absprachen anderer Bezirksverbände gebe. Diesmal ist davon nichts zu sehen: Bärbel Kofler (Traunstein) und Claudia Tausend (München) bei den Frauen sowie Ewald Schurer (Ebersberg) und Florian Post (München) werden sicher im Bundestag bleiben. Neu hinzu kommt Michael Schrodi (Fürstenfeldbruck). Sogar der jungen Bela Bach aus Planegg werden keine schlechten Chancen eingeräumt.

Und hier beginnt der Ärger: Eigentlich wollen die Jusos vor allem ihre Bundesvorsitzende Johanna Uekermann in den Bundestag bringen. Doch der Niederbayerin wird bislang nur ein hinterer Platz angeboten – eine Kampfkandidatur um einen besseren gilt als wahrscheinlich. Das Problem: Ueckermann kommt aus Niederbayern, die ohnehin gut bedacht wurden. Landeschef Florian Pronold beispielsweise führt die Liste an. Dennoch gibt es Ärger, weil Bezirkschef Christian Flisek bislang nur auf Platz 21 gereiht ist. In der Partei heißt es: „Da blüht noch viel Ärger.“ Mike Schier

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