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Hausarzt und Politiker: Bayerns Kammerchef Gerald Quitterer.

Dieser Bayer will Deutschlands Ärztechef werden

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In Bayern ist Gerald Quitter schon ihr Präsident, nun will er die Ärztekammer auch bundesweit anführen. Wird er gewählt, besetzt der Bayer eine Machtposition im politischen Berlin.

Gerald Quitterer ist ein eher unaufgeregter Mann, doch in seinem Hinterkopf brennt eine Flamme, sagt er. Der Präsident der Bayerischen Ärztekammer kann nicht mehr genau sagen, wann sie sich entzündet hat, nur dass sie irgendwann da war. Und dass sie ihn dazu gebracht hat, als Präsident der Bundesärztekammer zu kandidieren. „Es ist eine reizvolle Aufgabe, in Berlin etwas voranzubringen“, sagt er.

Etwas voranbringen, das heißt für Quitterer auch, etwas bewahren: und zwar die Autonomie der Ärzte. Denn die hält er für gefährdet – von Berlin aus. „Ein Beispiel für die unnötige Regulierungswut der Politik ist das Terminservice- und Versorgungsgesetz.“

Dem von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vorangetriebenen Gesetz nach müssen Praxisärzte künftig mindestens 25 Stunden in der Woche für gesetzlich Versicherte anbieten. Einige Fachärzte müssen fünf offene Sprechstunden ohne Termine anbieten. Zudem wird die Termin-Vermittlung über Servicestellen stark ausgebaut.

„Dass Spahn aufgrund von Einzelfallberichten über lange Wartezeiten den Ärzten gesetzliche Vorschriften macht, nenne ich Populismus“, sagt Quitterer. Auf diese Weise in die Terminorganisation der Praxen einzugreifen, sei, „wie wenn man die Wagenreihung in einem ICE durcheinanderbringt. Danach stimmt einfach nichts mehr.“

An solche Auseinandersetzungen mit dem Minister sollte Quitterer sich schon einmal gewöhnen. Denn der Hausarzt aus Niederbayern strebt einen mächtigen Posten an. Der scheidende Bundesärztekammer-Präsident Frank Ulrich Montgomery war in den Medien und auf dem politischen Parkett laut und präsent, wenn es darum ging, die Interessen der Ärzte durchzusetzen. Auch Quitterer traut sich das zu. Als Ärzte-Funktionär in Bayern blicke auch er bereits auf 30 Jahre Berufspolitik zurück.

Von den Entscheidern in Berlin wünsche er sich mehr Vertrauen in die Ärzteschaft, sagt Quitterer. „Die Patienten vertrauen uns ja bereits.“ Der Dialog mit Ministern und Abgeordneten sei natürlich wichtig. „Aber die Experten, das sind wir. Das müssen Politiker wie Jens Spahn akzeptieren“, sagt Quitterer.

Eine Impfpflicht, wie Spahn sie will, findet Quitterer falsch. „Eine Pflicht erzeugt immer auch Ablehnung“, sagt er. Wie Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) setzt auch er auf Aufklärung und Anreize

Anderer Meinung als Spahn ist er auch beim Thema Digitalisierung. „Wenn es vor allem oder ausschließlich darum geht, in kurzer Zeit viele Daten zu sammeln, also um Big Data, sehe ich das kritisch“, sagt Quitterer. Stattdessen müsse die Daten-Hoheit bei den Medizinern liegen. Seine Forderung: „Wir brauchen eine eigene Plattform, auf der wir Ärzte digital Informationen über Patienten austauschen. Die Patienten selbst können auf diese Informationen auf Wunsch natürlich auch jederzeit zugreifen, und können sie – wenn sie wollen – an Kassen oder andere weitergeben.“

Auch bei der Neureglung der Organspende ist Quitterer nicht einverstanden mit Spahns Plan von der doppelten Widerspruchslösung, die voraussetzt, dass jeder erst einmal als Organspender gilt, so lange er nicht widerspricht. Stattdessen ist der Allgemeinmediziner für eine echte Entscheidungspflicht. „Wer es nicht will, der muss dann eben Nein sagen“, sagt Quitterer. „Aber ganz ohne Entscheidungen kommt man eben nicht durchs Leben.“

Das gilt auch für die Delegierten des Ärztetages. Sie müssen Ende Mai in Münster aus vier Kandidaten wählen. Auch die bisherige Vizepräsidentin Martina Wenker, Allgemeinmediziner Klaus Reinhardt aus Bielefeld und Berlins Ärztekammer-Präsident Günther Jonitz wollen die Bundesärztekammer führen.

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