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Wenn Bayerns Grüne reisen, nehmen sie den Zug.

"Die sind uns ein paar Jahre voraus"

Bayerische Grünen-Abgeordnete besuchen Kretschmann

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Stuttgart - Bayerische Grünen-Abgeordnete statten am Dienstag den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Kretschmann einen Besuch ab. Er könnte ihnen einiges unter die Nase reiben, wenn er wollte.

Gästen zeigt man sich von der besten Seite – manchmal, um Neid zu schüren. Winfried Kretschmann, grüner Ministerpräsident, bekommt am Dienstag Besuch von grünen Landtagsabgeordneten aus Bayern, und er könnte ihnen einiges unter die Nase reiben, wenn er wollte.

Aktuelle Umfragen besagen, 70 Prozent der Wahlberechtigten im Ländle sind mit „Kretsche“ zufrieden oder sehr zufrieden – Rekordwerte für einen baden-württembergischen Regierungsschef. Und Zahlen, von denen die Grünen in Bayern nicht mal träumen.

„Die sind uns ein paar Jahre voraus“, gibt der bayerische Fraktionschef Ludwig Hartmann zu. Er und sechs Fraktionskollegen, darunter Co-Chefin Margarete Bause und die Münchner Abgeordnete Katharina Schulze, setzten sich am Montagmorgen in den Zug nach Stuttgart, um von den erfolgreichen Parteikollegen zu lernen. Die Reise ist die zweite dieser Reihe, im Juli hatten die bayerischen Grünen in Hessen vorbeigeschaut – dort stellt die Öko-Partei in einer schwarz-grünen Koalition zwei Minister.

Was können nun die Schwaben so viel besser als die Bayern? „Von Baden-Württemberg lernen heißt siegen lernen“, sagt der Bundesabgeordnete Dieter Janecek. „Die Grünen dort zeigen, wie man einen bedeutenden Wirtschaftsstandort von vorne regiert und gleichzeitig ökologisch umsteuert.“

Der bayerische Kollege Hartmann findet: „Die arbeiten nicht ganz so verbissen an Themen.“ Bei Kretschmanns erfolgreichem Kurs „geht es nicht nur um die Politik, sondern auch um den Stil“. Bei Diskussionen bleibe im Hinterkopf, dass der Gegenspieler auch Recht haben könnte. Allerdings machte Kretschmann sich zuletzt bei den Grünen nicht nur Freunde: Gegen die Parteilinie handelte er mit der Bundesregierung einen Asylkompromiss aus.

 In der von Flügelkämpfen strapazierten Partei wird manch einer den bayerischen Besuch als Signal für die Bundesdelegiertenkonferenz am Wochenende in Hamburg verstehen. Kretschmann gilt als Realo, die bayerischen Grünen bezeichnen sich selbst als „pragmatisch“. Ein Bündnis gegen das Fundi-Lager? Hartmann winkt ab, sagt, der Termin sei Zufall, er halte nichts von Flügelkämpfen. Janecek sagt zur Signalwirkung: „Die Bande zwischen den Grünen in Bayern und im Ländle war immer schon eng.“

C. Lechner

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