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Ein Mädchen geht in einer Kindertagesstätte an einem Garderobenständer vorbei.

Erziehern geht zu viel Zeit verloren

ORH kritisiert Bürokratie in bayerischen Kitas

München - Der Bayerische Oberste Rechnungshof wirft der Staatsregierung eine zu geringe Schuldentilgung vor. Er beklagt aber auch andere Defizite - etwa in der Kita-Verwaltung.

Der Bayerische Oberste Rechnungshof (ORH) kritisiert in seinem neuen Jahresbericht überbordende Bürokratiepflichten für viele Kindertagesstätten. Den Erzieherinnen und Erziehern geht deshalb nach ORH-Einschätzung viel Zeit verloren, die viel besser in die Kinderbetreuung investiert werden könnte.

Konkret geht es um solche Kitas, die Kinder aus mehreren Gemeinden betreuen. In diesen Fällen müssen die Kitas bei sämtlichen dieser Gemeinden Anträge auf staatliche Förderung stellen, was einen immensen Bürokratieaufwand bedeutet. Das pädagogische Personal sei damit unnötig stark mit Verwaltungsaufgaben gebunden, heißt es in dem Bericht, der der Deutschen Presse-Agentur dpa vorab vorlag. Zudem erhöhe sich damit der Verwaltungsaufwand für die kommunalen und staatlichen Behörden, kritisieren die obersten Rechnungsprüfer. Der ORH fordert deshalb eindringlich eine Bündelung der Antragsverfahren, „auch um das pädagogische Fachpersonal von Verwaltungstätigkeiten zu entlasten und Zeit für die Kinderbetreuung zu gewinnen“.

ORH wirft der Staatsregierung zu geringe Schuldentilgung vor

Als Beispiel verweisen die ORH-Prüfer auf eine Betriebs-Kita mit Sitz im Münchner Stadtgebiet, in der Kinder aus der Stadt selbst sowie aus elf Umlandgemeinden betreut werden. Die Förderung müsse damit bei zwölf Gemeinden beantragt werden, für die wiederum sechs staatliche Bewilligungsstellen zuständig seien. Dies müsse geändert werden.

Der ORH legt seinen neuen Jahresbericht am Dienstagvormittag vor. Darin wirft er der Staatsregierung unter anderem eine zu geringe Schuldentilgung vor. Trotz der prognostizierten steigenden Steuereinnahmen sei im Doppelhaushalt 2015/16 nur eine halbe Milliarde Euro jährlich an Rückzahlungen vorgesehen, heißt es in der Expertise der obersten Kassenprüfer. Künftig solle dafür ein „angemessener Anteil“ der Steuermehreinnahmen verwendet werden. Gelobt wird dagegen, dass die geplanten Einnahmen nun die geplanten Ausgaben übersteigen - das hatte der ORH wiederholt gefordert.

Viele Mängel beim Brandhorst-Museum hätten vermieden werden können

Unter den konkreten Beispielen, die der ORH kritisch aufgreift, ist auch das Museum für die Sammlung Brandhorst in München. Dort beklagen die Rechnungsprüfer Mängel insbesondere bei der Tageslicht-Steuerung. Viele der Mängel hätten nach ORH-Beurteilung vermieden werden können.

Massive Kritik gibt es auch an der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung in Dillingen. Die dortige Leitung habe keinen Überblick über den Einsatz der Dozenten, und die hauptamtlichen Dozenten hielten selbst kaum Seminarstunden ab. Das Kultusministerium müsse sicherstellen, dass die Defizite schnell beseitigt würden.

dpa

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